Die Finanzämter trennen Welten: Bayern dürfen auf Gnade hoffen

- München - Die Finanzbeamten im sächsischen Annaberg kennen keine Gnade: "Die bringen es sogar fertig, für 50 Euro Rückstand Konten zu pfänden", ärgert sich ein Steuerberater. Annaberg ist Deutschlands schärfstes Finanzamt, ergab eine bundesweite Umfrage. Bayerns Behörden dagegen erhalten gute Noten: Der Fiskus im Freistaat gilt als kompromissbereit und kompetent.

<P class=MsoNormal>Im Auftrag der Zeitschrift "Impulse" haben Marktforscher alle 575 Finanzämter in Deutschland unter die Lupe genommen. 2200 Steuerkanzleien wurden befragt, wie die von ihnen vertretenen Betriebe mit den örtlichen Ämtern zurechtkommen. "Das Ergebnis hat uns vom Stuhl gehauen", sagt "Impulse"-Chef Klaus Schweinsberg. "Die deutschen Finanzämter trennen Welten."</P><P class=MsoNormal>Die Studie zeigt, dass ostdeutsche Steuerbehörden deutlich unnachgiebiger sind als Ämter in Bayern und Hamburg, die am besten abschneiden. So wird nach dem Urteil der Tester in Ostdeutschland akribischer nach Auslandseinkünften und Depots geforscht, die Steuerfahndung greift anonyme Hinweise begieriger auf und agiert dabei zuweilen "überfallartig und ohne Rücksicht auf den Ruf des Unternehmens". Auch bei Betriebs- und Sonderprüfungen zeigen sich Ost-Beamte häufiger "unnachgiebig und kompromisslos". Das Phänomen ist für Schweinsberg schnell erklärt: "Im Osten konnte sich in Zusammenarbeit mit dem Mittelstand noch keine liberale Tradition entwickeln. Die Finanzbeamten dort wollen ihren Job besser machen als die Kollegen im Westen. Und besser bedeutet für sie: schärfer."</P><P class=MsoNormal>Zwar bescheinigen die Tester allen Finanzämtern, nach Recht und Gesetz zu handeln. Jedoch würden die Ermessensspielräume höchst unterschiedlich genutzt - im Süden häufig zum Vorteil der Wirtschaft, im Osten häufig zu deren Nachteil. "Dabei ist das ein Standortfaktor", betont Schweinsberg. "Viele Unternehmer werden durch die hohen Steuersätze aus dem Land getrieben, mindestens so viele aber auch durch den Unwillen, den sie jeden Tag im Umgang mit ihrem Finanzamt erleben."</P><P class=MsoNormal>Dass sich der Unwillen bayerischer Steuerzahler in Grenzen hält, wurde dem Freistaat schon mehrfach bestätigt. 2002 befragte das Ministerium 56000 Steuerzahler, 2003 mehr als 3200 Steuerberater und 700 Lohnsteuervereine. Prädikat: gut bis sehr gut. Doch der aktuelle "Impulse"-Test zeigt, wie unterschiedlich die Finanzämter innerhalb einer einzigen Region bewertet werden.</P><P class=MsoNormal>Beispiel Oberbayern: Zu den eher kompromisslosen Finanzbehörden gezählt werden drei Münchner Ämter (IV, III, I) sowie Fürstenfeldbruck, Traunstein, Ebersberg, Erding, Starnberg, Weilheim und Schongau. Im moderaten Mittelfeld liegen München II, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Freising. Als kommunikativer und kompromissbereiter gelten die Finanzämter Landsberg, Rosenheim, Wasserburg, Dachau, München V, München für Körperschaften sowie Berchtesgaden. Pikant: Auch das Finanzamt Wolfratshausen (bundesweit auf Platz 9) erhält Bestnoten. Die Behörde war vor zehn Jahren schon einmal wegen ihrer "Kundenfreundlichkeit" in die Schlagzeilen geraten. Bestechliche Beamte hatten damals hunderten Bürgern durch gefälschte Erklärungen Steuervorteile verschafft. </P><P class=MsoNormal>Der Finanzamts-Test im Internet: www.impulse.de</P>

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