Finanzamt filzt Rentner-Konten: 400 000 drohen Strafverfahren

- Berlin - Rentnern kann jetzt Ärger mit dem Finanzamt ins Haus stehen. Denn die Einkommen von Millionen Ruheständlern werden mit diesem Jahr auf einen Schlag so transparent wie nie zuvor. Und die Steuerpflicht wird genau kontrolliert. Wer Nebeneinkünfte wie Betriebsrenten, Mieten, Zinsen oder Privatrenten nicht angegeben hat, dürfte bald Probleme bekommen.

<P>Bisher fielen Mogeleien von Rentnern nicht auf</P><P>Bis zu 400 000 Rentner könnten von Nachforderungen des Fiskus betroffen sein, schätzt Dieter Ondraczek, Vorsitzender der deutschen Steuergewerkschaft. Andere Experten gehen von deutlich mehr Ruheständlern aus, die wegen ihrer hohen Gesamteinkünfte schon früher hätten Steuern zahlen müssen, aber keine Steuererklärung abgaben.</P><P>"Die Mehrzahl der Rentner muss aber nicht in Sorge sein", betont Stephanie Zipp, Rentenexpertin von "Finanztest". Wer bis 1575 Euro im Monat (Ehepaare: 3150) Rente im Monat habe, bleibe steuerfrei.</P><P>"Die Problematik kann immer dann auftauchen, wenn neben der gesetzlichen Rente noch andere Einkünfte wie Firmenpensionen oder Mieten da sind", sagt Ondraczek. "Eher bei besser verdienenden Rentnern, vielleicht bei Grenzfällen, die nicht wussten, dass sie früher schon steuerbelastet waren", sagt Norman Peters vom Deutschen Steuerberaterverband. Auch unwissentlich verschwiegene Einkünfte schützen nicht vor Steuerstrafverfahren. "Über Rentnern schwebt ein Damoklesschwert, das Kontrollnetz wird enger."</P><P>Bisher fielen Ungereimtheiten oder gezielte Mogeleien nicht weiter auf. Renten und Nebeneinkünfte wurden nicht zentral erfasst. Das ist seit diesem Jahr anders. Denn die Rentenkassen, Versorgungswerke und auch die privaten Versicherer müssen ihre Überweisungen an Ruheständler ab sofort jährlich melden. Die Daten werden elektronisch an die Rechenzentren der Bundesländer geschickt, dann weiter an die Finanzämter.</P><P>Dadurch stehen all die Rentner stärker im Visier, die in den Vorjahren keine Steuererklärung einreichten, es jetzt aber durch das neue Alterseinkünftegesetz 2005 tun müssen. Der Fiskus kann auch die Einnahmen der Vorjahre unter die Lupe nehmen, bis zu zehn Jahre zurück. Allein ab diesem Jahr werden etwa 2,2 Millionen Rentnerhaushalte erstmals neu steuerpflichtig sein. Insgesamt müssten 3,3 Millionen Ruheständler eine Steuerlast tragen, berichtet Peters.</P><P>Zudem müssen Banken neuerdings Jahresbescheinigungen über Kapitaleinkünfte und Wertpapiergeschäfte ausstellen, erstmals für 2004. Ab April können Finanzämter die Stammdaten privater Konten im Inland abfragen. Selbst Schwarzgeldkonten und andere Einnahmequellen im Ausland werden transparenter. Ab Mitte 2005 greift die EU-Zinsrichtlinie. Damit werden die Kapitaleinkünfte Deutscher in den meisten Ländern der Europäischen Union (EU) an den Fiskus daheim gemeldet. </P><P>Rentner, die Probleme mit dem Fiskus befürchten, sollten nach Empfehlung von Experten ihre Lage mit einem Steuerberater oder - in einfacheren Fällen mit einem Lohnsteuerhilfeverein besprechen.</P><P>Bis zum 31. März können Betroffene noch die Steueramnestie des Staats nutzen. Wer Tricksereien zwischen 1993 und 2002 dem Finanzamt beichtet und eine pauschale Steuer von 35 Prozent nachzahlt, kann straffrei ausgehen.</P><P> </P><P> </P><P> </P><P> </P><P><BR> </P>

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