Finanzamt-Test: Rechnungsfehler sind an der Tagesordnung

- Jeder siebte Steuerbescheid ist falsch. Beim Service der Finanzämter gibt es gravierende Unterschiede, und nicht einmal jeder dritte Steuerpflichtige findet sich noch zurecht im Dschungel der Paragraphen. Das geht aus der ersten bundesweiten Studie hervor, in der alle 572 Finanzämter auf den Prüfstand kamen.

<P>Tops und Flops unter den Ämtern finden sich in jedem Bundesland. Allerdings ist die Gefahr, aufgrund schlecht arbeitender Behörden bares Geld zu verlieren, in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen am geringsten. Im Freistaat bieten die Finanzämter Uffenheim, Ebersberg, Forchheim, Grafenau und Günzburg den besten und kompetentesten Rundum-Service. Schlusslichter in Bayern sind Gunzenhausen, Lindau, Bad Neustadt, Rosenheim und Erlangen. "Das Prinzip Zufall entscheidet, was netto vom Einkommen übrig bleibt", sagt Finanzexperte Kai Stepp. Vor allem der Wohnort entscheide über Wohl oder Wehe nach Erhalt des Steuerbescheides.</P><P>Das Leistungsgefälle ist enorm: In den Bereichen Zuverlässigkeit, Bürger-Service, Kenntnisstand, Flexibilität, Schnelligkeit und Hilfestellung landeten die Finanzämter im Norden und Osten der Republik weit abgeschlagen hinter den Behörden des Südens und Westens auf den letzten Rängen. Ausnahme in dieser Steuer-Landkarte ist das Finanzamt Hamburg-Harburg, das in allen Bereichen deutschlandweit den Spitzenplatz belegt. </P><P>Mit Abstand am schlechtesten schneidet die Dienststelle im sächsischen Riesa ab. Viel zu lange Bearbeitungszeiten sorgten dort ebenso für Kritik wie ein ungenügender Kenntnisstand der Mitarbeiter. "Auskunftsfreude und Service werden klein geschrieben, die Beamten arbeiten stur nach Vorschrift, vermeidbare Fehler häufen sich", sagt Michael Forst vom Forschungsinstitut "Europressedienst". Gemeinsam mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital" hatte das Institut neun Monate lang 2800 Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine sowie knapp 1700 Privatpersonen nach ihren Erfahrungen befragt.</P><P>"Jetzt werden Ross und Reiter genannt, in der Hoffnung, dass sich etwas ändert", sagt Forst. "Je chaotischer die Steuergesetzgebung wird, desto wichtiger ist eine saubere Arbeit der Ämter." Ein weiteres Problem: Nicht einmal jeder Dritte versteht seinen Steuerbescheid. Kaum jemand wage deshalb, Einspruch gegen die Berechnungen einzulegen. "Trotzdem rate ich jedem, den Bescheid mindestens auf Flüchtigkeitsfehler zu überprüfen", sagt Forst. "Zahlendreher und Rechnungsfehler sind an der Tagesordnung." Wer Zweifel an seiner Steuerberechnung hat, sollte nicht versäumen, innerhalb eines Monats Einspruch einzulegen. Der Widerspruch kostet nichts, eine Begründung kann nachgereicht werden.</P><P>Vielen Finanzämtern ist die aktuelle Rechtsprechung nicht bekannt. "Wer ein günstiges Urteil verpasst, kann tausende Euro verlieren", warnen die Experten. Wer keinen Steuerberater engagieren möchte, kann sich über die Medien schlau machen. Deshalb sollten sich die Steuerzahler selbst über Reformen und Neuerungen im Steuer-Dschungel informieren.<BR><BR>Fortschritte bringt die Technik. Den Bundesländern ist in gemeinsamer Arbeit ein großer Wurf gelungen: Elster. Das bundesweit angebotene Computer-Programm zur Abgabe elektronischer Steuererklärungen wird von mehr als 80 Prozent der Nutzer als gut oder sehr gut gelobt. Schlampigkeitsfehler kommen kaum noch vor, die Beamten bearbeiten den Fall früher und verzichten weitgehend auf Belege.</P><P>Elektronische Steuererklärung: www.elsterformular.de<BR></P>

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