Finanzbranche ruft nach Politik

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New York/Frankfurt (dpa) - Die mit heftigen Turbulenzen kämpfende Finanzbranche setzt nun auf Hilfe aus der Politik. "Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Märkte", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und forderte gemeinsames Vorgehen der Notenbanken, Regierungen und Anleger.

US-Präsident George W. Bush betonte, die USA hätten die Lage im Griff und lobte das Einschreiten der US-Notenbank. An den Märkten herrschte mit Blick auf die erwartete US-Zinssenkung am Dienstagabend deutscher Zeit gespannte Ruhe. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Lehman Brothers lieferten trotz in etwa halbierter Quartalsgewinne bessere Zahlen als erwartet ab.

Die Krise um ihren angeschlagenen Konkurrenten Bear Stearns köchelt hingegen weiter: Nun drohen unzufriedene Aktionäre, den rettenden Notverkauf wegen der niedrigen Bewertung abzulehnen.

Ackermann sagte bei einer Podiumsdiskussion im Schweizer Generalkonsulat in Frankfurt, die Versorgung der Märkte mit Liquidität reiche als Maßnahme nicht aus. Die Regierungen müssten Einfluss auf die Märkte nehmen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) betonte: "Wir haben es mit einer der größten Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte zu tun." In Deutschland sei man darauf angewiesen, die bisherige gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Bundesbank, den Bankenverbänden und Bankeninstituten dicht zu halten.

Bush sagte bei einem Treffen mit Finanzminister Henry Paulson und weiteren Wirtschaftsberatern am Montag, man befinde sich in schwierigen Zeiten. "Aber es ist ebenso sicher, dass wir starke und entschlusskräftige Maßnahmen ergriffen haben."

Von der Wall Street, dem Herzen der amerikanischen Finanzwelt, kamen erstmals seit Tagen beruhigendere Signale. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Lehman Brothers wurden trotz eines massiven Gewinneinbruchs von der Kreditkrise bislang weniger stark getroffen als von Experten befürchtet. Nach der Beinahe-Pleite des Wettberbers Bear Stearns hatten die Märkte mit dem Schlimmsten gerechnet.

Die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs verdiente im ersten Geschäftsquartal mit 1,47 Milliarden Dollar unter dem Strich rund 50 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Bei Lehman Brothers, der Nummer vier der Branche, brach der Gewinn sogar um fast 60 Prozent auf 465 Millionen Dollar ein. Ausdrücklich betonten beide Banken am Dienstag, keine Liquiditätsprobleme zu haben. Tags zuvor war ihr Konkurrent Bear Stearns wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zum Notverkauf an die Großbank J.P. Morgan gezwungen gewesen.

Das Drama um Bear Stearns scheint noch lange nicht zu Ende zu sein. Unter den Großaktionären der angeschlagenen US-Investmentbank Bear Stearns regt sich laut einem Zeitungsbericht Widerstand gegen den extrem niedrigen Preis beim Notverkauf an J.P. Morgan. Unter anderem der Milliardär Joseph Lewis, der 9,4 Prozent an Bear Stearns hält, lehne den Preis von weniger als 300 Millionen Dollar als zu niedrig ab, berichtete das "Wall Street Journal".

Auch viele Bear-Stearns- Beschäftigte, die zusammen 30 Prozent der Anteile haben, drohten, gegen das Geschäft zu stimmen. Für den Notverkauf von Bear Stearns ist die Zustimmung der Aktionäre erforderlich.

Bear Stearns selbst hatte noch am vergangenen Freitag etwa 80 Dollar je Aktie als fairen Preis angesehen. J.P. Morgan würde den Konkurrenten verglichen damit zum absoluten Schnäppchenpreis bekommen: Die Übernahme über einen Aktientausch entspräche zum Kurs vom Freitag nur einem Angebot von zwei Dollar je Aktie oder insgesamt 236 Millionen Dollar.

Die Märkte gingen nach den drastischen Ausschlägen der vergangenen Tage in Erwartung der US-Leitzinssenkung in Lauerstellung. Der Euro- Kurs trat auf der Stelle und notierte mit 1,5774 Dollar unter den Höchstständen der vergangenen Tage von bis zu 1,5903 Dollar. Rohöl der der US-Sorte WTI verteuerte sich zwar um 1,43 Dollar auf 107,11 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis war aber weit weg von dem Rekordwert von 111,97 Dollar nach dem Bear-Stearns-Eilverkauf. Gold notierte bei 1007 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verglichen mit dem Rekord von 1032,50 am frühen Montagmorgen.

Die Börsen schlugen mit Blick auf die US-Zinsentscheidung einen Erholungskurs ein. Die Spanne der Erwartungen für den Zinsschnitt reichte von 0,50 bis 1,25 Prozentpunkten. Der Leitzins lag bislang bei 3,0 Prozent.

Der DAX legte zum Nachmittag nach den herben Kursverlusten der Vortage 2,67 Prozent auf gut 6347 Punkte zu. Der Dow Jones startete in New York mit einem Plus von 1,77 Prozent auf 12 184 Punkte. In Tokio legte der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 1,50 Prozent auf 11 964,16 Punkte zu.

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