Finanzielle Zuckerl für die Aktionäre

Sonderdividenden: - Sonderdividenden, wie sie heute der Dax-Konzern Altana ausschütten wird, freuen die Aktionäre. Auch andere Unternehmen planen Extrazahlungen an ihre Anleger. Dabei ist allerdings einiges beachten, damit Sie zum Beispiel nicht in die Steuerfalle tappen.

Im vergangenen Jahr lockte der Energieversorger Eon neben der üblichen Dividende von 3,35 Euro mit einer zusätzlichen Sonderausschüttung von 4,25 Euro pro Aktie. Auf die Aktionäre wartete eine stolze Summe von 7,50 Euro - die Dividendenrendite lag über sieben Prozent. Für heuer kündigten mit Comdirekt, Freenet und Mobilcom bereits mehrere deutsche AGs eine Zusatzdividende an. Im Fokus steht aktuell der Dax-Wert Altana. Das Unternehmen plant eine Gesamtausschüttung von 34,80 Euro. Gemessen am derzeitigen Aktienkurs von 52 Euro entspricht das einer Dividendenrendite von fast 70 Prozent. Ein Schnäppchen ist das trotzdem nicht. Wir sagen Ihnen, worauf Anleger bei Sonderdividenden achten sollten.

Gründe fürs Zuckerl

Sonderdividenden sind eine zusätzliche Ausschüttung neben der jährlichen Regeldividende. Gründe können sein: Ein einmaliger Bonus für ein besonders gutes Geschäftsjahr, der Verkauf einer größeren Firmenbeteiligung (Eon schüttete den Verkauf der Degussa-Beteiligung aus) oder die Abspaltung eines Unternehmensteils (Altana verkaufte seine Pharmasparte). Bei Altana setzt sich die Gesamtausschüttung von 34,80 Euro aus drei Komponenten zusammen, nämlich der Regeldividende (1,30 Euro), einer Bonusdividende (0,50 Euro) und der Sonderdividende von 33 Euro aus dem Verkauf der Pharma\-sparte.

Wann gibt‘s Geld?

Dividenden müssen von der Hauptversammlung genehmigt werden. Erforderlich ist eine Dreiviertel-Mehrheit des anwesenden Kapitals. In der Regel findet die Dividendenzahlung am Tag nach dem Aktionärstreffen statt. Nach der Ausschüttung wird die Aktie an der Börse mit einem Abschlag in Höhe der Dividende gehandelt. Der Anleger bekommt zwar die Dividende gutgeschrieben, die Aktie ist dann aber um diesen Betrag weniger wert. Beispiel: Altana kostet an der Börse aktuell 52 Euro, nach der Dividendenzahlung von 34,80 Euro kostet die Aktie nur noch 17,20 Euro.

Was ist mit der Steuer?

Von der Bank werden bei jeder Dividendenausschüttung 20 Prozent Kapitalertragssteuer und daraus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag als Steuervorauszahlung abgezogen. Der Anleger muss den Ertrag dann mit seinem persönlichen Steuersatz gemäß Halbeinkünfteverfahren versteuern. Ein noch offener Freistellungsantrag kann angerechnet werden. Halbeinkünfteverfahren bedeutet: In der Steuererklärung wird nur die Hälfte der ausgeschütteten Dividende als steuerpflichtiger Ertrag angerechnet (siehe Kasten). Eine Sonderdividende kann also auch zu einer höheren Steuerbelastung führen. Ein noch vorhandener Freistellungsauftrag ist bei hohen Dividendenzahlungen schnell vollständig ausgeschöpft.

Schnell verkaufen?

Gerade wenn durch Sonder- oder Bonusdividenden eine überdurchschnittlich hohe Ausschüttung erfolgt, kann es sinnvoll sein, die Aktien noch vor der Ertragszahlung zu verkaufen. Das ist aber nur dann ratsam, wenn bis dahin ein Kursgewinn realisiert werden kann. Die Aktien sollten dabei aber mindestens zwölf Monate im Depot sein, da sonst beim Verkauf der Gewinn versteuert werden muss (Spekulationsfrist).

Strategie beachten

Anleger sollten bei Sonderdividenden nicht nur auf die Steuer achten, sondern auch auf die eigene Depotstrategie. Hierbei kann etwa die Branchenaufteilung eine Rolle spielen. Altana ist beispielsweise künftig keine Pharma-, sondern eine reine Chemieaktie. Wer weiter auf Pharma und nicht auf die Chemiebranche setzen möchte, sollte Altana verkaufen und einen klassischen Pharmawert kaufen.

Wer plant, die Aktien vor der Dividendenausschüttung zu verkaufen und kurz danach wieder zu kaufen (das sogenannte Dividendenstripping), sollte neben der Spekulationsfrist auch die Gebühren und Mindestgebühren für Kauf und Verkauf einkalkulieren.

Fazit

Ein Unternehmen, das regelmäßig ihren Anteilseignern eine Dividende zahlt, ist nach fundamentaler Betrachtung solide. Bonusdividenden für besonders gute Jahre sind ein "Geschenk" für die Aktionäre und deuten auf eine gute Geldanlage hin. Der Dividendenabschlag wird in diesen Fällen häufig schnell durch Kursgewinne wieder aufgeholt. In beiden Fällen ist für Anleger kein Handlungsbedarf gegeben.

Bei hohen Sonderdividenden kann es sinnvoll sein, die Titel noch vor der Ausschüttung zu verkaufen. Dabei sollten aber immer die Gründe hinterfragt werden und die steuerliche Situation sowie die eigene Depotstruktur beachtet werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Autozulieferer Takata meldet Insolvenz an
Es ist eine der größten Insolvenzen der japanischen Wirtschaftsgeschichte. Nach einer Skandalserie um defekte Airbags zieht der 84 Jahre alte Konzern Takata die …
Autozulieferer Takata meldet Insolvenz an
Neuer Prozess um Kündigungsklausel einer Bausparkasse
Das klassische Geschäftsmodell der Bausparkassen funktioniert wegen der extrem niedrigen Zinsen nicht mehr. Darf die Badenia Kündigungsklauseln verwenden, mit denen sie …
Neuer Prozess um Kündigungsklausel einer Bausparkasse
Italien stellt weitere Milliarden für Pleite-Banken bereit
Milliarden hat der italienische Staat bereits in marode Geldhäuser gesteckt. Die Europäische Zentralbank hat nun genug - und trifft eine wichtige Entscheidung. Ein Plan …
Italien stellt weitere Milliarden für Pleite-Banken bereit
Bericht: Bosch drohte mit Arbeitsstopp auf BER-Baustelle
Berlin (dpa) - Der Bosch-Konzern hat laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" der BER-Flughafengesellschaft gedroht, die Zusammenarbeit zu beenden. In einem Brief vom …
Bericht: Bosch drohte mit Arbeitsstopp auf BER-Baustelle

Kommentare