Finanzkrise: Allianz-Konzern verliert Milliarden

München - Europas größter Versicherer Allianz leidet unter den Turbulenzen an den Finanzmärkten und rückt nach einem Milliardenverlust im dritten Quartal von seinen Gewinnzielen ab.

„Ohne eine umfassende Erholung der Aktienmärkte werden wir unser Ziel eines operativen Ergebnisses ohne das Bankgeschäft von neun Milliarden Euro in diesem Jahr und auch 2009 nicht erreichen können“, sagte Allianz-Vorstand Helmut Perlet in München. Nach dem Verkauf des Sorgenkindes Dresdner Bank an die Commerzbank verbuchte die Allianz im dritten Quartal einen Verlust von 2 Milliarden Euro. Dabei litt sie auch unter den massiven Kursverlusten der Commerzbank-Aktien, die sie für die Bank-Tochter erhalten hatte. Im Vorjahreszeitraum hatte die Allianz noch 1,9 Milliarden Euro verdient.

Allein der Ende August verkündete Dresdner-Verkauf schlug im dritten Quartal mit Belastungen von 2,6 Milliarden zu Buche. 1,2 Milliarden davon machte der Nettoverlust der von der Finanzkrise gebeutelten Bank aus, hinzu kamen Abschreibungen durch den Verkauf von 1,4 Milliarden Euro. Auch in der Lebensversicherung und in der Vermögensverwaltung schlug sich die Talfahrt an den Börsen auf Umsatz und Gewinn nieder. So lasteten 1,6 Milliarden Euro an Abschreibungen auf dem operativen Ergebnis aus Kapitalanlagen in der Lebensversicherung, und die realisierten Gewinne fielen um eine halbe Milliarde Euro niedriger aus.

Mit Zukunftsprognosen hielt sich der Vorstand nach den Erfahrungen der vergangenen Monate zurück. „Unsere Aussagen zum Vorbehalt in Bezug auf die Finanzmärkte hatten nie eine größere Bedeutung als in diesem Quartal“, sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet. „Zuverlässige Aussagen über künftige Erträge sind in diesem Umfeld kaum möglich.“ Im fortgeführten Geschäft, also ohne die Dresdner Bank, brach der Gewinn im dritten Quartal von 2 Milliarden Euro vor Jahresfrist auf nur noch 545 Millionen Euro ein. Der operative Gewinn rutschte von 2,6 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro. Das Eigenkapital des Konzerns schrumpfte von Jahresmitte bis Ende September von 40,5 auf 37,5 Milliarden Euro.

Die Dresdner Bank, die seit Ausbruch der Finanzkrise vor allem im Investmentbanking leidet und Milliarden-Belastungen aufgetürmt hatte, verbuchte auch operativ tiefrote Zahlen von minus 835 Millionen Euro nach einem operativen Gewinn von 87 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Am heutigen Montag will die Allianz die Zahlen näher erläutern.

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