Finanzkrise belastet Deutsche Bank

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Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal trotz neuer Milliardenbelastungen durch die Finanzkrise wieder den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft.

Von April bis Juni ließen Wertberichtigungen von 2,3 Milliarden Euro den Vorsteuergewinn um drei Viertel auf 642 Millionen Euro einbrechen, teilte die größte deutsche Bank am Donnerstag in Frankfurt mit. Dennoch konnte die Bank die Delle vom ersten Quartal ausbügeln, als sie erstmals seit fünf Jahren in die roten Zahlen gerutscht war. Dabei half das lange stiefmütterlich behandelte Privatkundengeschäft mit guten Ergebnissen. Zudem polierte das Institut mit dem weiteren Verkauf von Beteiligungen (Daimler, Allianz, Arcor) seine Bilanz auf und kappte die Bonuszahlungen für Banker. Für das Gesamtjahr wagt die Bank weiterhin keine Prognose. Bei der erwarteten Konsolidierung der Branche will der Marktführer mitmischen und strebt Zukäufe an.

"Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte bleiben wir vorsichtig", schrieb Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einem Brief an die Aktionäre. Branchenexperten erwarten durch das Engagement der Bank bei den strauchelnden Kreditversicherern (Monoliner) weitere Belastungen im Jahresverlauf. Ackermann selbst hatte zu Jahresbeginn vor einer "Tsunami"-ähnlichen Schockwelle von dieser Seite gewarnt.

Seit Beginn der Krise vor rund einem Jahr summieren sich die Belastungen aus Abschreibungen - vor allem auf US-Wohnungsbaukredite minderer Qualität und Kredite für fremdfinanzierte Übernahmen - auf über sieben Milliarden Euro. Im internationalen Vergleich ist dies dennoch überschaubar. Weltweit mussten die Banken rund 250 Milliarden Euro abschreiben, bei der Citigroup und der Schweizer UBS waren es allein im ersten Quartal zweistellige Summen.

Wegen des schwachen Jahresbeginns sackte der Gewinn im ersten Halbjahr auf 388 Millionen Euro - nach einem Rekordgewinn von 3,9 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. "Das zweite Quartal 2008 hat die Bankenbranche erneut vor große Herausforderungen gestellt", schrieb Ackermann. Rückschläge im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung holte der DAX-Konzern durch ein besseres Privatkundengeschäft sowie Beteiligungsverkäufe auf. Das klassische Investmentbanking rutschte wegen hoher Abschreibungen durch die Finanzkrise mit 311 Millionen Euro vor Steuern in die roten Zahlen (Vorjahr: 1,8 Mrd Euro Gewinn). Dagegen erzielte das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden mit 328 Millionen Euro ein Rekord- Quartalsergebnis. Beteiligungsverkäufe spülten fast 250 Millionen Euro in die Kassen.

Die Deutsche Bank will unabhängiger von ihrer Hauptsparte, dem schwankungsanfälligen Investmentbanking, werden. Zur Stärkung des Privatkundengeschäfts hatte sie vor zwei Jahren die Berliner Bank und die norisbank übernommen. Anfang Juli kamen Teile des holländischen Bankgeschäfts von ABN Amro hinzu. Der deutsche Branchenprimus war auch an der deutschen Citibank interessiert gewesen, dabei aber leer ausgegangen. Weitere Zukäufe sind geplant; so hat die Bank Interesse an der Postbank bekundet. Allerdings erklärte die Deutsche Post am Donnerstag, es sei noch keine Entscheidung über den Verkauf der Postbank gefallen.

"Wir werden unser Kerngeschäft sowohl durch Wachstum aus eigener Kraft als auch durch sinnvolle Übernahmen weiter ausbauen, dabei aber stets diszipliniert bleiben", schrieb Ackermann. Er sehe sich nicht unter Druck, Akquisitionen "zu jedem Preis" tätigen zu müssen. Kapital wäre wohl vorhanden: Die Bank präsentierte eine im Branchenvergleich gute Kernkapitalquote von 9,3 Prozent und wischte die letzten Sorgen über eine mögliche Kapitalerhöhung vom Tisch.

Die Bank will offenbar trotz der Belastungen durch die Finanzkrise eine konstante Dividende von 4,50 Euro je Aktie zahlen - zumindest bildete das Institut entsprechende Rücklagen. Unter dem Strich verdiente das Institut im zweiten Quartal dank der Auflösung von Steuer-Rückstellungen 645 Millionen Euro nach 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr.

Im zweiten Quartal kappte die Bank die Bonuszahlungen für die erfolgsverwöhnten Banker und senkte so ihre Personalkosten um erneut fast ein Drittel - trotz eines gleichzeitigen Stellenausbaus. Die Zahl der Vollzeitstellen lag Ende Juli mit 80 253 sieben Prozent über dem Vorjahreswert, im Inland waren es 27 933 (plus zwei Prozent). Die Deutsche-Bank-Aktie lag zuletzt mit knapp einem Prozent im Plus bei 59,32 Euro.

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