Finanzkrise bremst deutsche Exporte

Wiesbaden - Die Finanzkrise bremst den Exportweltmeister Deutschland und macht ihm die Verteidigung seines Titels in diesem Jahr schwer.

Noch laufen die Ausfuhren zwar trotz des weltweiten Konjunktureinbruchs gut und wuchsen auch im Oktober um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch bis Jahresende dürften die Exporte weiter wegbrechen. Deutschland könnte 2008 nur knapp die magische Grenze von einem Export-Warenwert in Höhe von einer Billion Euro erreichen.

“Bis Herbst lag Deutschland weltweit vor China und den USA an der Spitze“, sagte ein Statistiker des Statistischen Bundesamtes am Dienstag in Wiesbaden. “Doch wie es im Gesamtjahr ausgeht, ist offen.“ Deutschland hatte 2007 trotz des starken Euro mit einem doppelten Ausfuhrrekord zum fünften Mal in Folge den Titel Exportweltmeister gewonnen. China ist Deutschland eng auf den Fersen.

Bislang drückt die Krise zwar auf die deutschen Exporte, aber weniger stark als von Ökonomen befürchtet. Die Ausfuhren, die laut BGA 40 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausmachen, stützen weiter das Wirtschaftswachstum. Von Januar bis Oktober belief sich der Wert der Ausfuhren auf 850,8 Milliarden Euro. “Die Billionen- Grenze könnte 2008 knapp geschafft werden“, teilte der Außenhandelsverband BGA mit.

Im Oktober verkauften deutsche Firmen Waren im Wert von 89,7 Milliarden Euro ins Ausland - das waren laut Statistik 1,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Allerdings schwächt sich der Trend ab, im September hatten noch sieben Prozent Zuwachs unter dem Strich gestanden. Die Einfuhren stiegen um 5,4 Prozent auf 73,4 Milliarden Euro. Der Überschuss in der Außenhandelsbilanz - als Saldo von Exporten und Importen - sank gegenüber dem Vorjahr von 18,9 auf 16,4 Milliarden Euro.

Insbesondere die Ausfuhren in die EU-Länder zeigen deutliche Bremsspuren. “Dies bereitet uns Sorge“, erklärte BGA-Präsident Anton Börner. Im Oktober verkauften die Firmen 0,6 Prozent weniger Waren in die EU-Länder als vor einem Jahr. Die Exporte in Staaten außerhalb Europas wuchsen dagegen um 5,2 Prozent. Wegen des großen Anteils der Exporte am Bruttoinlandsprodukt würde die Wirkung von klassischen Konjunkturpaketen auf die deutsche Wirtschaft laut BGA begrenzt sein. “Vielmehr muss die Chance genutzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft zu stärken“, forderte Börner.

dpa

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