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Die Wirtschaftsexperten Udo Ludwig (rechts) und Roland Döhrn (links) legen am Dienstag vor der Bundespressekonferenz in Berlin das Herbstgutachten vor.

Spuren der globalen Finanzkrise auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Berlin – Die internationale Finanzkrise bringt Deutschland an den Rand einer Rezession. Die führenden Wirtschaftsinstitute sagen in ihrem Herbstgutachten nur noch ein Wachstum von maximal 0,2 Prozent für das kommende Jahr voraus.

Sollte Deutschland in den Sog des weltweiten Abschwungs gezogen werden, könnte das Bruttoinlandsprodukt sogar um 0,8 Prozent zurückgehen. Als Gegenmaßnahme halten die Forscher herkömmliche Konjunkturprogramme für wenig erfolgversprechend.

Das Rettungspaket der Bundesregierung für die Banken bewerteten die Institute positiv. „Die Richtung stimmt“, sagte der Sprecher der Institute, Udo Ludwig . Es mindere das Risiko eines starken Abschwungs in Deutschland. Doch trotz des Programms erwarteten die Forscher 2009 nicht mehr als 0,2 Prozent Wachstum. In ihrem Frühjahrsgutachten waren sie noch von 1,4 Prozent ausgegangen.

Zur Bewältigung der Konjunkturschwäche schlagen die Forscher eine Stärkung der Wachstumskräfte vor. „So bietet sich eine Reduktion der Einkommensteuerbelastung an, auch eine Senkung der Sozialabgaben ist rasch umsetzbar und beschäftigungspolitisch sinnvoll“, heißt es im Gutachten. Ludwig forderte aber auch, den Haushalt im Auge zu behalten: „Auf jeden Fall sollte der Konsolidierungskurs mittelfristig nicht verlassen werden.“

In den kommenden Monaten wird die rückläufige Auslastung der Unternehmen nach Ansicht der Forscher auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Am Jahresende 2009 würden rund 350 000 Menschen weniger als zu Beginn 2009 beschäftigt sein.

Die Wirtschaftsforscher rechneten aber auch ein Risikoszenario durch. Sie unterstellten dabei, dass die Weltwirtschaft insgesamt in eine Rezession gerät, die Finanzierungskosten infolge der Finanzmarktkrise deutlich steigen und sich die verunsicherten Bürger mit Konsumausgaben zurückhalten. „In diesem Fall geriete Deutschland in eine ausgeprägte Rezession, wie sie beispielsweise nach dem Ölpreisschock in den 70er- und zu Beginn der 80er-Jahre zu beobachten war“, heißt es in dem Gutachten.

Dann würde sich auch die Lage am Arbeitsmarkt deutlich verschlechtern. Die Arbeitslosenquote dürfte dann von derzeit 7,4 auf 8,3 Prozent steigen. Es gingen fast 400 000 Arbeitsplätze verloren. Sprecher Ludwig sagte, die Institute hielten ein solches Szenario für weniger wahrscheinlich („ein Drittel“) als ihre optimistischeren Annahmen („zwei Drittel“).

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, der seine Konjunkturprognose am morgigen Donnerstag vorlegen will, begrüßte die Forderung nach zusätzlicher Stärkung der Wachstumskräfte und verlangte, die „heimlichen Steuererhöhungen“ zurückzunehmen. Mit einem „Kraftakt von Staat und Wirtschaft“ könne ein Abschwung verhindert werden. SPD-Finanzexperte Joachim Poß erklärte: „Wenn alle Wirtschaftsteilnehmer in der aktuell schwierigen Lage Ruhe bewahren, wird aus dem für das kommende Jahr erwarteten Konjunkturabschwung allenfalls eine Stagnation, aber keine Rezession werden.“ Während die Linke ein Konjunkturprogramm anregte, forderte die FDP Steuersenkungen.

Das Herbstgutachten legen das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, das Ifo-Institut München, das Kieler Institut für Weltwirtschaft und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen in Kooperation mit Instituten in Zürich und Wien sowie dem Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vor.

von Vera Helle Fröhlich

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