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Preisvorteil: In mehreren Ländern sind wegen der Finanzmarkt-Turbulenzen die Währungen gegenüber dem Euro abgestürzt. Das ermöglicht billigeres Reisen.

Finanzkrise entlastet die Urlaubskasse

Gute Nachricht für Reisende: Wegen der weltweiten Konjunkturflaute haben viele Währungen massiv an Wert verloren. Unsere Zeitung fasst zusammen, in welche Länder Deutsche mit ihren Euros derzeit günstig reisen können.

- Großbritannien: Wandern in Schottland, Einkaufen in London - selten ließ sich das günstiger verwirklichen als derzeit. Weil die britische Wirtschaft unter der Krise stärker leidet als der kontinentale Euro-Raum, hat das Pfund stark an Wert eingebüßt. Ein Euro lässt sich derzeit offiziell in 0,87 Pfund umtauschen. Das sind 16 Prozent mehr als vor einem Jahr. Hinzu kommt, dass die Regierung unter Gordon Brown die Mehrwertsteuer befristet bis zum Jahresende von 17,5 auf 15 Prozent gesenkt hat. Davon profitieren auch ausländische Touristen, die dadurch im Restaurant oder im Kaufhaus weniger bezahlen müssen. "Das Inselreich eignet sich momentan super zum Urlaubmachen", sagt Jörg Angelé, Devisenexperte bei der Bayerischen Landesbank in München.

- Australien und Neuseeland: Der Trip ans andere Ende der Welt ist nach wie vor kein Schnäppchen, aber immerhin wesentlich preiswerter als vor einem Jahr. "Reisende können derzeit in beiden Ländern sparen", sagt Priska Lesswing von Australia Tours in Kempten. Denn: Der Kiwi-Dollar ist um 30 Prozent gefallen, das australische Pendant um 16 Prozent. Damit notieren beide Währungen gegenüber dem Euro nahe ihren Allzeittiefs. Grund ist der Rückzug von Zinsspekulanten.

- Island: Die Vulkaninsel im Nordatlantik war für den deutschen Durchschnittsurlauber lange Zeit unerschwinglich. Das hat sich geändert, seit die isländische Krone wegen der Beinahe-Pleite des Landes massiv abwertete. Nach Angaben des deutschen Bankenverbands wird ein Euro aktuell in 150 Kronen getauscht, während es vor einem Jahr nur 100 waren. Das Fremdenverkehrsamt Island wirbt mittlerweile für "Schnäppchen-Urlaub": "Wer schon immer das Naturparadies Island besuchen wollte, kann dies nun zu günstigsten Konditionen", heißt es.

- Polen und Ungarn: Weil Investoren in Krisenangst ihr Kapital aus dem Nachbarland abzogen, stürzte der polnische Zloty in den vergangenen Monaten tief. "Deutsche Touristen kriegen in Krakau oder Warschau momentan erheblich mehr für ihr Geld, zumal die Preise in Hotels und Restaurants stabil geblieben sind", sagt Martin Czichon vom Osteuropa-Spezialisten Eastline-Reisen in Berlin. Gegenüber dem Euro verlor die Währung seit August rund 30 Prozent. Ebenso günstig wie nach Polen lässt sich derzeit nach Ungarn reisen: Der Forint büßte seit Sommer ein Viertel seines Werts gegenüber dem Euro ein und ist damit so schwach wie lange nicht.

- Russland:Auch das Riesenreich im Osten kämpft derzeit mit einer handfesten Währungskrise. Touristen aus Europa erhalten deshalb in der Wechselstube rund 47 Rubel für einen Euro, während es vor zwölf Monaten noch 35 waren. "Zum Billigziel sind Moskau und Sankt Petersburg damit aber noch nicht abgestiegen", sagt Willi Dovidat vom Münchner Russland-Spezialisten Seagull-Reisen. Das liegt auch daran, dass die extreme Inflation die Wechselkursvorteile zum Teil wieder auffrisst. Günstiger ist es dennoch geworden, da die Hotelpreise wegen der rückläufigen Nachfrage gesunken sind.

-Südafrika: Auch im Gastgeberland der Fußball-WM 2010 hat sich der Wechselkurs der nationalen Währung aus Sicht der Europäer vorteilhaft entwickelt. Ein Euro ist ungefähr 12,5 Rand wert und damit 25 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ähnlich wie in Russland schmälert aber die Teuerung von zehn Prozent das Plus: "Viele Leistungsträger vor Ort haben ihre Preise angezogen", sagt Oliver Haas von Afrika Plus Reisen in München. Trotzdem sind die Anforderungen an das Reisebudget nach seinen Worten unterm Strich gesunken.

- USA und Kanada: Die Zeit des billigen Dollars ist vorerst vorbei. Seit ihrem Rekordtief im ersten Halbjahr 2008 bei 1,60 hat die globale Leitwährung gegenüber dem Euro wieder an Stärke gewonnen und notiert derzeit bei 1,30. Das erlaubt aber immer noch ein relativ günstiges Reisen durch Nordamerika. Wer schon mal drüben ist, könnte einen Abstecher nach Kanada ins Auge fassen: Der kanadische Dollar hat sich nämlich besser entwickelt als der US-Bruder und gegenüber dem Euro auf Jahressicht rund zehn Prozent verloren.

Florian Ernst

Vorteil auf Zeit

Wer die aktuellen Wechselkursvorteile auskosten möchte, sollte damit nicht zu lange warten. Devisenanalyst Jörg Angelé von der BayernLB geht davon aus, dass die Währungen in Großbritannien, Osteuropa oder Südafrika demnächst wieder an Stärke gegenüber dem Euro gewinnen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Kurse langfristig so günstig bleiben, sagt er. Wer den Vorteil konservieren will, könnte den Kauf von Traveller Schecks andenken – muss dabei aber Gebühren einrechnen.

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