Finanzkrise eskaliert: J.P. Morgan kauft Bear Sterns

New York/Peking - Die drittgrößte US-Bank JP Morgan Chase übernimmt die ins Trudeln geratene Investmentbank Bear Stearns zu einem Preis, der rund 95 Prozent unter dem Börsenwert von Freitag liegt.

Der Kauf soll über einen Aktientausch erfolgen, teilte JP Morgan Chase am Sonntagabend (Ortszeit) in New York mit. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten dem Vorschlag zugestimmt. Man sei bereit, Bear-Stearns-Anteile gegen 0,05473 eigene Aktien zu tauschen. Auf Basis des Schlusskurses vom vergangenen Freitag ergebe dies einen Preis von rund zwei Dollar pro Aktie. Die Aktionäre müssen dem Kauf noch zustimmen. Bear Stearns war als bisher prominentestes Opfer der Finanzkrise in Not geraten.

Mit sofortiger Wirkung übernehme JP Morgan Chase die Handelsverpflichtungen von Bear Stearns und ihrer Tochtergesellschaften sowie die Aufsicht über sämtliche Operationen des Managements, hieß es in der Mitteilung des Bankhauses. Die Transaktion solle bis Ende des zweiten Quartals 2008 abgeschlossen sein. Die US-Zentralbank habe im Zusammenhang mit der Übernahme Sonderfinanzierungen zugesagt und zugestimmt, Bear Stearns mit bis zu 30 Milliarden Dollar zur Sicherung der Liquidität zu stützen.

"JP Morgan Chase steht hinter Bear Stearns", sagte JP Morgan-Chef Jamie Dimon. "Bear Stearns Kunden und Vertragspartner sollten sich sicher fühlen, dass JP Morgan für Bear Stearns Vertragsrisiken garantiert. Wir heißen ihre Kunden, Vertragspartner und Angestellten in unserer Firma willkommen, und wir sind froh, ihr Partner zu sein." JP Morgan beschäftigt rund 180.000 Menschen.

Bear Stearns war die Liquidität Ende vergangener Woche weitgehend ausgegangen und sie musste eilig von JP Morgan Chase und der regionalen Notenbank von New York gestützt werden. Die Aktien waren daraufhin am Freitag um 45,88 Prozent auf 30,85 Dollar eingebrochen. Bear Stearns ist die kleinste der fünf großen New Yorker Investmentbanken.

Am Sonntag war zudem bekannt geworden, dass ein erst im vergangenen Jahr vereinbarter milliardenschwerer Einstieg des größten chinesischen Brokerhauses CITIC Securities zu platzen droht. Das Unternehmen könne ein Zustandekommen des Geschäfts "nicht garantieren", teilte CITIC in Peking mit. In Anbetracht der jüngsten Ereignisse wollte die Chinesen die geplante Allianz nochmals komplett auf den Prüfstand stellen. Bisher sei kein "formelles Abkommen" unterzeichnet worden und auch noch kein Geld geflossen. Über zentrale Punkte der Vereinbarung sei bisher keine Einigung erzielt worden.

Der chinesische Broker, der zur staatlichen China International Trust & Investment Corp. gehört, hatte im Herbst seinen Einstieg mit sechs Prozent bei Bear Stearns für eine Milliarde Dollar angekündigt. Im Gegenzug wollte sich Bear Stearns für ebenfalls eine Milliarde Dollar mit zwei Prozent an dem Geschäft der Chinesen beteiligen. Daneben wollte sich CITIC die Möglichkeit sichern, seinen Anteil an Bear Stearns auf knapp zehn Prozent zu erhöhen.

Offensichtlich wurde die Krise bei Bear Stearns erstmals im vergangenen Sommer, als zwei Hedge-Fonds der Bank im Zusammenhang mit dem Kollaps am US-Hypothekenmarkt zusammenbrachen. Für das vierte Quartal musste die Bank erstmals in ihrer Geschichte einen Verlust ausweisen. Wegen fauler Kreditpapiere bereinigte Bear Stearns schließlich im gesamten Geschäftsjahr 2007 (30. November) Wertverluste von 1,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn brach auf 233 Millionen Dollar ein, nach 2,1 Milliarden Dollar im Vorjahr.

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