Finanzmarktkrise trifft auch Deutsche Bank

Frankfurt - Die wochenlangen Turbulenzen an den Finanzmärkten gehen auch an der Deutschen Bank nicht spurlos vorüber. Zwar sei die größte deutsche Bank auch mit Blick auf den August mit der Entwicklung ihrer "stabilen Geschäftsfelder zufrieden".

"Gleichwohl kann es nicht überraschen, dass die Marktturbulenzen im Monat August auch die Deutsche Bank beeinträchtigt haben", wie Vorstandschef Josef Ackermann bei der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt sagte. Vor allem Handelsergebnis und Firmenfinanzierungsgeschäft seien belastet worden.

Von einer Gewinnwarnung wollte Ackermann aber nichts wissen. Auf die Frage, ob das Ziel einer Vorsteuerrendite durch die aktuelle Finanzkrise beeinträchtigt sei, sagte er. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass unser Geschäftsmodell und das Risikomanagement der Deutschen Bank hervorragend sind." Früheren Aussagen zufolge peilt die Bank eine nachhaltige Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent an.

Der Deutsche-Bank-Chef betonte, inzwischen zeichne sich eine Stabilisierung der Märkte ab. Die Erholung werde aber noch eine Weile brauchen. Ackermann mahnte die Kreditinstitute zu mehr Risikobewusstsein. "Beim Versuch, die Profitabilität zu erhöhen, haben manche eine ganz einfache Regel vergessen: Dass höhere Rendite auch höhere Risiken birgt." In Deutschland waren im Strudel der US-Immobilienkrise die Mittelstandsbank IKB und die Sachsen LB in Schieflage geraten. Nun sei in der Branche "ein bisschen Selbstkritik" angebracht, sagte Ackermann - dabei schließe er auch die Deutsche Bank mit ein.

Sein Institut habe aber die Kreditrisiken dank des strikten Risikomanagements gut unter Kontrolle. Die Deutsche Bank sei keinem Risiko einer weiteren Verschlechterung bei zweitklassigen US-Hypothekenkrediten (subprime) ausgesetzt. Aktuell sei die Bank mit 32 Milliarden Euro in gesponsorten Zweckgesellschaften (conduits) engagiert - wobei es sich nicht um Subprime-Investments handele. Die Kreditzusagen bei der Finanzierung von Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften (Leveraged Finance) beliefen sich auf 29 Milliarden Euro.

Die Aussagen Ackermanns sorgen am Markt für Erleichterung. "Die Hauptbotschaft lautet, dass alles halb so wild ist, wie bislang befürchtet", sagte ein Analyst mit Blick auf die Bewertung der US-Immobilienkrise. Die Aktie der Deutschen Bank schloss mit einem Plus von 2,92 Prozent auf 94,19 Euro an der DAX-Spitze und zog auch andere Finanztitel ins Plus.

Ackermann forderte die Banken auf, ihre Gläubiger über ihre eigenen Risikopositionen besser zu informieren. Zudem müssten Banken und Aufsichtsbehörden enger zusammenarbeiten, um Risiken transparenter zu machen. Auch die Kräfte in der deutschen Bankenbranche sollten nach seiner Ansicht gebündelt werden: "Man muss nicht über Fusionen sprechen, es gibt auch Möglichkeiten der Kooperation." Der Deutsche-Bank-Chef betonte: "Gerade in Deutschland haben wir einen sehr hohen Anteil an relativ kleinen Banken in einem fragmentierten Markt. Das ist sicher der Grund, warum wir hier mehr Schwierigkeiten haben."

In den Fällen von IKB und Sachsen LB lobte Ackermann das schnelle gemeinsame Handeln aller Beteiligten. Die IKB war mit Hilfe einer Milliardenspritze von einem Bankenpool gerettet worden. Die wegen der US-Hypothekenkrise in Schieflage geratene Sächsische Landesbank war in einer Blitzaktion an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verkauft worden. Damit sei der deutsche Markt "vor größten Problemen bewahrt" worden, sagte Ackermann. Auch die Zentralbanken hätten mit den zusätzlichen Milliarden, die sie dem Markt zur Verfügung stellten, zur Beruhigung der Lage beigetragen.

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