Finanzplatz geht in die Offensive

- München - Der Finanzplatz München geht in die Offensive. Nicht mehr länger will man sich kampflos dem übermächtig scheinenden Frankfurt geschlagen geben. Und tatsächlich braucht sich München nicht zu verstecken. Schließlich sind hier mit Allianz und Münchener Rück die größten Versicherer der Welt heimisch, deutschlandweit liegt hier das meiste Geld in Händen von Vermögensverwaltern, und der zweitwichtigste regionale Börsenplatz ist die Stadt sowieso.

<P>Auch sind die bayerischen Banken international führend beim immer wichtiger werdenden Geschäft mit Pfandbriefen. Das alles aufzuzählen, wird der Geschäftsführende Vorstand des Bayerischen Bankenverbandes, Günther Picker, nicht müde und appelliert an das Selbstbewusstsein der heimischen Geldbranche. Er kann nicht so recht verstehen, warum bisher keine einzige bankenrelevante deutsche oder europäische Behörde an der Isar sitzt.</P><P>"Bundespolitik, Bundesbank und Spitzenverbände machen nur für Frankfurt Reklame", klagt er. Sogar der Europäische Ausschuss für das Versicherungswesen hat den Weg zum unangefochtenen Versicherungsplatz Nummer 1 _ München _ nicht gefunden, sondern Quartier am Main bezogen. "Es sollte jede Gelegenheit genutzt werden, diese den Fakten widersprechende Standortentscheidung zugunsten Münchens zu revidieren", forderte Picker vor der Mitgliederversammlung des Bayerischen Bankenverbandes.</P><P>Stärke könnten die bayerischen Geldhäuser durch unkonventionelle Koalitionen erreichen. Pickert nennt die Zusammenarbeit zwischen HypoVereinsbank (der zweitgrößten deutschen Bank) mit den Sparkassen bei der Wertpapier- und Zahlungsverkehrsabwicklung. "Ein Engagement für den Finanzplatz lohnt sich volkswirtschaftlich gesehen", ist er überzeugt. Vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts werde von den Beschäftigten im Finanzsektor erwirtschaftet - mehr als die chemische Industrie, der Maschinenbau oder die Autoindustrie auf die Waagschale brächten. Und ein starker Finanzplatz sei nicht nur gut für das Wohl von Bayerns Banken und deren rund 31 600 Mitarbeitern (ein Minus gegenüber dem Vorjahr von 4400), sondern für die gesamte Wirtschaft. So werde die Kreditversorgung sichergestellt und einer sonst vom Ausland aus gesteuerten Kreditvergabe vorgebeugt.</P><P>Ungewöhnlich zuversichtlich für den Standort Deutschland zeigte sich indes der Präsident des Bayerischen Bankenverbandes, HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl. "Selten zuvor waren die Zukunftsaussichten so gut wie heute", meinte er, schränkte freilich ein: "Sie werden uns aber nicht auf dem silbernen Tablett serviert." Ausdrücklich lobte Rampl den Mut von Bundesregierung und Opposition zu Reformen, mit denen unbeirrt fortgefahren werden müsse. Auf den Gebieten Sozialreformen, Strukturwandel und Arbeitsmarkt "werden wir derzeit vom Ausland sehr genau beobachtet", stellte der HVB-Chef fest. "Es gibt gerade in den USA sehr viel Geld, das in Deutschland investiert werden könnte", der Standort sei mittlerweile wieder "sehr attraktiv". Als positive Zeichen nannte er den Einstieg amerikanischer Investoren bei Wella, Celanese, MTU und ProSieben.</P>

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