Finanzriesen haben es auf deutsche Banken abgesehen

- München - Würden die Bankentürme im deutschen Finanzzentrum Frankfurt das Bild der Branche widerspiegeln, wären sie halb so hoch und umringt von Baukränen. Nach Börsenkrise und Kreditausfall-Welle werkeln die Banken an ihrem Wiederaufbau. Internationale Finanzriesen beobachten die Fortschritte der deutschen Zwerge, um sich im richtigen Moment die schönsten Stücke einzuverleiben. Die Geld-Giganten haben ihren Sturm auf den Finanzplatz Deutschland angekündigt.

<P>"Jetzt ist die Zeit günstig unser Geschäft auszuweiten, weil einige Wettbewerber schwach sind", sagte der Chef der Royal Bank of Scotland, Fred Goodwin, dem "Handelsblatt". Und fügte hinzu: "Wir wollen in Deutschland wachsen, wir haben die Mittel dafür und auch das Management." Gleichzeitig kündigte der Schweizer Finanz-Konzern Credit Suisse an, sich hierzulande breit zu machen. "Wir sind in Deutschland mittelfristig an substanziellen Akquisitionen interessiert", sagte einer der beiden Vorstandschefs des Instituts, Oswald Grübel. Beide haben das Privatkundengeschäft im Auge. Während es die Briten eher auf kleinere Banken abgesehen haben, kündigen die Schweizer an zu klotzen: Man denke "an etwas Größeres" vermeldete Grübel.</P><P>Die deutsche Bankenlandschaft ist im internationalen Vergleich äußerst kleinteilig. Die Struktur mit den drei Sparten Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen hat zu einer Zersplitterung des Marktes geführt. Während die Branchen-Riesen in europäischen Nachbarländern mitunter auf zehn Prozent Marktanteil und mehr im Privatkundengeschäft kommen, liegen die deutschen Größen etwa bei der Hälfte. Bei genossenschaftlichen Instituten und Sparkassen sind Übernahmen auf Grund ihrer Struktur ausgeschlossen. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn die Staatsgarantien für Landesbanken und Sparkassen wegfallen. Denn die öffentlich-rechtliche Trägerschaft bleibt _ zumindest vorerst. "Sollte sich da etwas tun, könnte das eine Konsolidierungswelle auslösen, aber bislang gibt es kaum Anzeichen dafür", urteilt Andreas Weese, Bankenanalyst der HypoVereinsbank.</P><P>Bleiben also die Privatbanken. Als die HypoVereinsbank kürzlich ihre Tochter Norisbank abgab, standen die europäischen Großbanken Schlange. Beim Verkauf der HVB-Tochter Bethmann-Maffei, der derzeit läuft, sieht es genauso aus. Und die Aussagen von Credit-Suisse-Chef Grübel legen nahe, dass selbst die großen Häuser nicht mehr vor einer Übernahme sicher sind. Nur die Deutsche Bank spielt in der Liga der europäischen Riesen. Die HypoVereinsbank als Nummer zwei in Deutschland wäre mit einer Marktkapitalisierung von 7,7 Milliarden Euro ebenso wie die Commerzbank mit 6,9 Milliarden Euro Börsenwert ein Appetithappen für ein Institut wie die Royal Bank of Scotland, der nachgesagt wird, dass sie Übernahmen bis zu neun Milliarden Euro aus eigener Kasse bezahlen kann.</P><P>Die Unternehmensberatung McKinsey kommt in einer neuen Studie zum Ergebnis, es werde "verstärkt auch zu grenzüberschreitenden Akquisitionen kommen". "Wenn einer den ersten Schritt macht, wird es losgehen", prophezeit Grübel. Die Banken dürfen sich durch das Interesse aus dem Ausland geschmeichelt fühlen. Es zeigt, dass ihre Bemühungen sich aus der Krise zu arbeiten, langsam Wirkung zeigen. "Es ist nicht lang her, da hätte die niemand haben wollen", sagt ein Branchenkenner.</P>

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