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Wenn der Schlüssel übergeben ist und der Vertrag unterschrieben, ist es vielleicht zu spät. Man sollte wichtige Informationen über den Mieter vorher sammeln.

So finden Sie den „richtigen“ Mieter

München - Vermietete Immobilien - in guten Lagen wie Oberbayern - gelten als sichere Geldanlage. Das Problem: Der Erfolg hängt vom Mieter ab.

Gold wirft keine Zinsen ab, Aktien bieten derzeit wenig Chancen und Anleihen sind längst nicht mehr der sichere Hafen. Viele Anleger denken an die Anschaffung einer Anlage-Immobilie. Man kauft sich aber auch ein Risiko. Zahlt der Mieter pünktlich? Vermüllt er die Wohnung und hinterlässt am Ende nach wenigen Monaten ein Renovierungsobjekt?

Auch wenn Miet-Betrüger die Ausnahme sind - es gibt sie durchaus. Weil Vermiet-Profis sich nicht so leicht täuschen lassen, suchen sich Betrüger oft die argloseren Amateure aus. Man sieht es niemandem an, ob er auf Betrug aus ist oder ein Müll sammelnder Messie. Vor jeder Unterschrift müssen belastbare Informationen her, damit man nicht an den Falschen oder die Falsche gerät.

Fragebögen

Fordern Sie vom Mietinteressenten eine schriftliche Selbstauskunft. Lügt er in wichtigen Punkten, haben Sie damit schon eine Handhabe, ihn wieder loszuwerden - wegen arglistiger Täuschung. Wichtig ist, warum das bisherige Mietverhältnis endete. Ein Räumungstitel - außer wegen Eigenbedarfs - ist kein gutes Zeichen. Außerdem sollte man nach den Mitbewohnern fragen. Informationen über Haustiere und - wenn Nachbarn in Hörweite sind - auch Musikinstrumente sind wünschenswert. Allerdings muss ein Bewerber nicht all diese Fragen beantworten (siehe Kasten). Wer mit Lebenspartner, zwei Hunden und vier Katzen und einem Schlagzeug in eine renovierte Zwei-Zimmer-Wohnung zieht, wird einem Vermieter wohl Kummer bereiten.

Nachfragen

Eine gute Quelle ist meist der Vorvermieter. Verweigert der Mieter die Kontaktdaten, ist das ein Alarmsignal. Eine negative Auskunft vom bisherigen Vermieter ebenso. Vorsicht ist bei übertrieben positiven Auskünften geboten. Manch einer schreckt vor Notlügen nicht zurück, um einen Mieter loszuwerden. Auskünfte etwa von der Schufa kann ein Vermieter nicht selbst einholen. Er kann von einem Mietinteressenten eine Schufa-Selbstauskunft fordern. Wer sie vorlegt, zeigt, dass er bisher nicht als säumiger Zahler aufgefallen ist. Auch ein Einkommens-nachweis ist wichtig.

Kautionsbürgschaft

Wer sich statt der üblichen Sparbuch-Kaution auf eine Kautionsbürgschaft einlässt, kann sich die Schufa-Auskunft sparen. Er bekommt von einem Versicherer die Garantie, für Kautionsansprüche geradezustehen. Die Schufa-Auskunft wurde von ihm bereits eingeholt. Der Mieter hat den Vorteil, dass die Gebühren billiger sind als die Zinsen für eine Kontoüberziehung.

Der Vertrag

Wer auf einen Formularmietvertrag zurückgreift, wie er im Schreibwarenhandel oder von Verbänden angeboten wird, hält erprobte und bewährte Formulierungen in der Hand. Doch er hat auch einen mitunter gravierenden Nachteil: Klauseln in diesen Formularverträgen können - etwa von Mieterverbänden - erfolgreich angegriffen werden - und sind dann ungültig. Ein - möglicherweise nach einer Vorlage - individuell formulierter und mit dem Mieter dann im Detail ausgehandelter Vertrag hat dagegen Bestand. Es kann durchaus sinnvoll sein, diesen Weg zu wählen. Übrigens ist es nicht notwendig, dass der Mieter den Vertrag auch unterschreibt. Er nimmt ihn durch seinen Einzug an.

Das Gespräch suchen

Kommen Mietzahlungen verspätet oder einmal auch gar nicht, ist der Weg zum Anwalt nicht der erste Schritt. Nicht jeder Mieter ist deshalb ein Betrüger. Also immer erst das Gespräch suchen. Oft kann es sinnvoll sein, befristet die Miethöhe zu reduzieren oder Zahlungen zu stunden - weil ein Mieter vorübergehende und nachvollziehbare Geldnöte hat - vielleicht eine teure und unaufschiebbare Autoreparatur. Dankbare Mieter sind auf lange Sicht die verlässlicheren. Außerdem ist offen, an wen man im Fall einer Kündigung als Nächstes gerät.

Weitere Informationen

Auskünfte erhält man als Mitglied auch bei den einschlägigen Verbänden: Etwa den 110 bayerischen Hausbesitzervereinen (www.haus-und-grund-bayern.de) oder dem Bayerischen Wohnungs- und Grundeigentümerverband (www.bwe-online.de).

Im Buchhandel findet man auch kompakte Ratgeber etwa : „Erfolgreich Vermieten“ von Peter Schüller (ISBN: 978-3406595127) für 3,90 Euro oder „Sicher Vermieten“ von Heidi Schnurr (ISBN: 978-3448099515) für 6,90 Euro.

Martin Prem

Informationen bietet auch das Immobilienportal Immowelt im Internet: www.ratgeber.immowelt.de

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