Fipronil-Skandal

Mittlerweile 15 EU-Länder, Schweiz und Hongkong betroffen

In Millionen von Eiern wurde eine zu hohe Dosis von Fipronil festgestellt. Mittlerweile reicht der Skandal bis nach Asien.

Den Haag - Die EU-Kommission teilte am Freitag mit, die Eier seien in 15 EU-Ländern, der Schweiz und in Hongkong aufgetaucht. Sie berief ein Krisentreffen ein - es soll aber erst Ende September stattfinden. Die deutschen Verbraucher fordern wie bei früheren Lebensmittelskandalen schärfere Kontrollen.

Ursprung des Skandals in Belgien

Der Skandal hat seinen Ursprung in Belgien und den Niederlanden: Die belgische Firma Poultry-Vision lieferte ein mit Fipronil gepanschtes Desinfektionsmittel an die niederländische Reinigungsfirma Chickfriend, die es anschließend offenbar in den Ställen von Legehennen einsetzte.

Auch Hongkong betroffen

Niederländische Betriebe exportierten belastete Eier in zahlreiche europäische Länder, besonders viele nach Deutschland: nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums 10,7 Millionen. Auch in Hongkong wurden laut EU-Kommission Fipronil-Eier aus den Niederlanden entdeckt.

Engere Abstimmung auf europäischer Ebene

Viele Eier sind bereits verspeist oder in anderen Lebensmitteln verarbeitet. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis will sich mit den zuständigen Ministern und Behördenvertretern am 26. September beraten und "Lehren" aus dem Skandal ziehen, wie er erklärte. Schuldzuweisungen brächten dabei nichts. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) begrüßte die Ankündigung: "Ich sehe Bedarf für eine engere Abstimmung auf europäischer Ebene." Zuvor kritisierte er das Krisenmanagement der Niederlande und Belgiens im Fipronil-Skandal.

Die niederländische Gesundheitsministerin Edith Schippers räumte am Donnerstagabend Versäumnisse ein. Erste Hinweise auf Fipronil-Gebrauch in niederländischen Legehennen-Betrieben waren schon Ende 2016 aufgetaucht. Damals habe es aber keinen Verdacht gegeben, dass auch Eier belastet sein könnten, sagte Schippers. Frankreich teilte am Freitag mit, dort seien die Eier bereits im April in den Handel gekommen.

Die Staatsanwaltschaft im belgischen Antwerpen teilte inzwischen mit, dass bereits im Juli 6000 Liter einer "verbotenen Flüssigkeit" in der Firma Poultry-Vision beschlagnahmt worden seien - laut Medienberichten handelte es sich um Fipronil.

Größter Skandal seit Entdeckung von Pferdefleisch

Der Eier-Skandal ist der größte europäische Lebensmittelskandal seit der Entdeckung von als Rindfleisch deklariertem Pferdefleisch 2013. Zuvor hatten der Fund von Dioxin in Eiern und Hühnerfleisch 1999 und die Angst vor den Folgen des Rinderwahns die Verbraucher stark verunsichert.

Im Eier-Skandal sehen die meisten Deutschen ihre eigene Gesundheit aber nicht gefährdet. Im am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" sagten das 61 Prozent der Befragten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) versichert, dass durch den Verzehr belasteter Eier keine konkrete Gesundheitsgefährdung besteht. Dafür sind die Mengen zu gering.

afp

Rubriklistenbild: © AFP

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Microsoft startet Vorverkauf seiner neuen Konsole Xbox One X
Microsofts neues Konsolen-Modell Xbox One X können nun auch Nutzer in Deutschland vorbestellen.
Microsoft startet Vorverkauf seiner neuen Konsole Xbox One X
Katar verhindert angeblich saudische Flüge nach Mekka
Katar verweigert der staatlichen saudischen Fluggesellschaft nach deren Angaben bislang die Landeerlaubnis, um Pilger aus dem Emirat zur Hadsch-Wallfahrt nach Mekka zu …
Katar verhindert angeblich saudische Flüge nach Mekka
Apfelbauern rechnen mit deutlich geringerer Ernte
Kalte Nächte im April - Apfelbauern in den wichtigen Anbaugebieten am Bodensee und im Alten Land erwarten deswegen nun massive Schäden. Die Landwirte rechnen mit einer …
Apfelbauern rechnen mit deutlich geringerer Ernte
Siemens verliert Streit um Turbinen vor Moskauer Gericht
Siemens hat im Streit um sanktionswidrig auf die Halbinsel Krim gebrachte Gasturbinen eine Niederlage erlitten.
Siemens verliert Streit um Turbinen vor Moskauer Gericht

Kommentare