Firmen machen Schüler "fit für die Bewerbung"

- München - Bei Bewerbungsgesprächen gibt es keine zweite Chance. Schon kleine Dinge machen angesichts der Vielzahl der Ausbildungssuchenden den Unterschied zwischen Ausbildungsvertrag und Ablehnungsschreiben aus. Als Mitglied des Goinger Kreises, einer Initiative für Zukunft, Personal und Beschäftigung, will Infineon-Personalchef Thomas Marquardt Jugendliche dabei unterstützen, dass es mit der Lehrstelle beim ersten Anlauf klappt: Bei einem Beratungstag zeigten neun Personalmanager des Münchner Halbleiterherstellers 40 Haupt- und Realschülern, worauf es beim Bewerbungsgespräch ankommt.

Neben Infineon in München hatten die Deutsche Bank, die Deutsche Bahn und Tui in drei weiteren deutschen Städten Schüler zu "Fit für die Bewerbung" eingeladen. Heuer zum ersten Mal. Aber, wie Thomas Marquardt erklärte, soll dieser Tag künftig jährlich organisiert werden und - wenn sich mehr Firmen anschließen - bald eine feste Institution sein; ähnlich dem "Girls day". Marquardt begründetete das Engagement des Münchner Halbleiterherstellers damit, dass Unternehmen in Anbetracht der hohen Arbeitslosenzahlen schon bei Jugendlichen "endlich Verantwortung übernehmen müssen". Der Beratungstag solle dabei helfen, Schulabsolventen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern.

Workshops und Einzelgespräche

Für die 40 Neunt- und Zehntklässler der Münchner Hauptschulen an der Icho- beziehungsweise an der Alfonsstraße sowie der Realschule Ismaning und der Orlando-di-Lasso-Realschule Maisach (Kreis Fürstenfeldbruck) sah das Tagesprogramm neben Workshops auch Einzelgespräche mit den Personalmanagern vor. "Wir haben zwar in unserer Schule auch ein Bewerbungstraining", sagte Marc. "In einem echten Büro und vor einem Menschen zu sitzen, den man nicht kennt, ist aber etwas ganz anderes."

Das Coachinggespräch des 16-Jährigen von der Maisacher Realschule lief gut. "Sein Lebenslauf ist lückenlos und er hat durch freiwillige schulische Aktivitäten Eigenengagement gezeigt", erklärte Personalmanagerin Claudia Buhnese. "Diese Extras heben einen Bewerber von der Masse ab." Zudem habe er im Gespräch Selbstbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit bewiesen.

Leider würden die meisten Bewerbungsgespräche nicht derart positiv verlaufen, räumt Claudia Buhnese ein. Denn viele Jugendliche würden schon an der ersten Frage, die eigentlich das Eis brechen soll, scheitern, berichtet Sabine Bleumortier, Personalchefin für Infineon München, aus eigener Erfahrung. "Wenn ein Bewerber auf die Frage, was er über die Firma und das Berufsbild weiß, keine Antwort hat, sieht es eigentlich schlecht aus."

Deshalb rät die Personalchefin, dass sich Jugendliche möglichst gut über das Unternehmen informieren, bei dem sie sich bewerben. Ebenfalls von Vorteil sind Praktika sowie eine gute Verhaltensbeurteilung in den Schulzeugnissen. Bei Bewerbungsschreiben sind Rechtschreibefehler, vor allem im Namen der Firma und des Ansprechpartners sowie Freizeitfotos laut Sabine Bleumortier quasi schon K.O.-Kriterien für jede Bewerbung.

Weitere Informationen: www.goinger-kreis.de

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