Firmenanleihen: Wo hohe Zinsen locken, droht auch ein Totalverlust

- In Zeiten magerer Zinsen fallen Unternehmensanleihen mit Sätzen von fünf, sechs oder gar acht Prozent Jahreszins auf. Regelmäßig liegen verheißungsvolle Prospekte im Briefkasten, doch auch hier gilt: "Keine Geldanlage ist hochrentabel und gleichzeitig absolut sicher", warnt die Zeitschrift "Finanztest".

Unterschiedliche Namen

Inhaber(teil)schuldverschreibungen, Obligationen, Bonds - alles sind Anleihen, die Unternehmen bei Privatleuten oder professionellen Investoren aufnehmen, anstatt sich das Geld von Banken zu leihen. Manchmal bekommen die Firmen auch keinen Kredit von Banken mehr, dann bleibt ihnen nichts anderes übrig, sich woanders Geld zu besorgen. Je riskanter das Geschäft, umso mehr müssen sie dem Geldgeber bieten, sprich umso höhere Zinsen zahlen.

Zinssatz

Für sichere Anleihen gibt es derzeit laut Finanztest um die drei Prozent, je nach Laufzeit. "Für eine Anleihe mit einem sehr guten Rating werde ich nicht wesentlich mehr als für eine europäische Staatsanleihe bekommen", sagt auch Christian Hanss, Wertpapierexperte der Stadtsparkasse München. Eine Anleihe, die nicht geratet ist, müsse aber nicht schlecht sein. Die von Stiftung Warentest genannten Anleihen bieten 5,5 bis 8,25 Prozent. Nur von zwei der genannten sechs Anleihen rät Finanztest nicht grundsätzlich ab: Frosch Touristik und Edel Music. Obwohl es sich um bekannte, seriöse Unternehmen handelt, werden ihre Anleihen mit einem Zinssatz von 6,75 bzw. 7 Prozent als riskant eingestuft.

Die anderen vier stehen auf der Warnliste mit Geldangeboten, bei denen Chance und Risiko in krassem Missverhältnis stehen, die unseriös beworben oder mit dubiosen Methoden vermittelt werden.

Auswahl

Anlegern, die einem Unternehmen Geld leihen wollen, wird unbedingt empfohlen, den Verkaufsprospekt zu lesen und vor allem auf die Risikohinweise und die Bilanz zu achten. In letzterer sollten die Schulden in einem vernünftigen Verhältnis zum Eigenkapital stehen: "Es ist kein gutes Zeichen, wenn die Schulden immer mehr werden, das Eigenkapital aber nicht." Weiter sollten Anleger sich dafür interessieren, ob die Anleihe börsennotiert ist, und wenn ja, wo und mit welchen Volumen sie gehandelt wird. Bei ausländischen Anleihen kann noch ein Währungsrisiko hinzukommen.

Handelbarkeit

Ein Vertriebsargument der Firmen ist, dass die Anleihe auf andere übertragen werden könne. Das stimme zwar, aber bei nicht an der Börse gehandelten Anleihen müsse der Anleger selbst einen Käufer finden. Dass dies kaum möglich sei, steht oft nur in den Risikohinweisen. Und auch börsennotierte Anleihen können mangels Masse schwer handelbar sein.

Kursrisiko

Als weiteres Verkaufsargument wird oft herausgestellt, dass kein Kursrisiko besteht. Das ist aber nur deshalb so, weil diese Anleihen meist nicht an der Börse gehandelt werden. "Das Risiko, dass die Anleihe nicht oder nicht zu 100 Prozent zurückgezahlt wird, besteht sehr wohl", schreiben die Verbraucherschützer. Und das Risiko steigt mit der Laufzeit. "Die Entwicklung eines Unternehmens für ein Jahr kann ich überschauen, zehn Jahre nicht", sagt Hanss. Schlimmstenfalls verliert der Anleger sein Geld ganz.

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