Firmengründer verschenkt 42 Millionen

- München ­- Schöne Bescherung für die Mitarbeiter des deutschen Arzneimittelkonzerns Schwarz Pharma: Gut zwei Wochen vor Heiligabend haben sie jetzt Post vom Firmengründer im Briefkasten. Darin bedankt er sich für ihre Leistung und schenkt jedem 10 000 Euro. Nur die Vorstände gehen leer aus.

Das Unternehmen ist 60 Jahre alt, sein Gründer Rolf Schwarz-Schütte hat am Dienstag 86. Geburtstag und die Mitarbeiter feiern schon heute. Jede Vollzeitkraft erhält 10 000 Euro, Teilzeitbeschäftigte entsprechend weniger. Bei 4500 Mitarbeitern lässt sich das die Gründerfamilie Schwarz-Schütte rund 42 Millionen Euro kosten.

Ob die Bandarbeiterin mit weniger als 2000 Euro Gehalt im Monat oder die Führungskraft -­ alle hätten zum Erfolg des Unternehmens beigetragen, erklärte der Gründer und Ehrenvorsitzende Rolf Schwarz-Schütte der "FAZ". Deshalb habe die Familie sich zu dem Geschenk entschieden. "Sie wollten auf diese Weise Danke sagen und auf Wiedersehen", erläutert eine Unternehmenssprecherin.

Denn die Gründerfamilie, die zuletzt 60 Prozent der Anteile hielt, hat ihre Aktienmehrheit an den belgischen Konkurrenten UCB verkauft. Damit erlöste sie fast 1,4 Milliarden Euro und erhielt 13 Prozent der UCB-Aktien. An diesem Geldregen lässt die Familie jetzt die Beschäftigten teilhaben. "Als familiengeprägtes Unternehmen fühlen wir uns den Mitarbeitern verpflichtet", sagt der Sohn des Gründers und derzeitige Vorstandschef Patrick Schwarz-Schütte.

Die Übernahme durch UCB wird für die Belegschaft eine Belastung. Um Einsparungen von 300 Millionen Euro in beiden Firmen zu erzielen, werden auch Arbeitsplätze verloren gehen. Wieviele, ist noch offen. Dennoch hätten die Beschäftigten keinen Grund zur Klage, meint die Unternehmenssprecherin: "Ohne die Familie Schwarz-Schütte wären wir zerschlagen worden. Und was hätten ,Heuschrecken’ aus dem Unternehmen gemacht?" Schließlich habe der Aktienkurs vor vier Jahren nur etwa ein Zehntel des heutigen Wertes betragen. Bei dem neuen Mehrheitseigner UCB handle es sich dagegen ebenfalls um ein familiengeprägtes Unternehmen.

"Die meisten Kollegen können es noch gar nicht glauben", sagt eine Mitarbeiterin. "Aus der Belegschaft kommt ein riesiges Danke an die Familie", erklärte der Betriebsratsvorsitzende Heinrich Bergmeier. Ausgenommen von dem Geschenk sind nur die Vorstandsmitglieder. Diese sind in der Regel bei Übernahmen ohnehin gut versorgt.

Erst kürzlich hatte der Finanzinvestor Lutz Helmig den Mitarbeitern der Münchner Fluglinie dba insgesamt fast 2,5 Millionen Euro geschenkt. In der Pharmabranche hatte die Familie Engelhorn 1998 den Beschäftigten jeweils ein bis drei Monatsgehälter spendiert, als sie ihr Unternehmen Boehringer Mannheim an Roche verkaufte.

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