Fitnessprogramm für Flughafen oder Ende eines Job-Wunders

- München - Den einen geht es um Kostensenkung, den anderen um den drohenden Verlust hunderter Arbeitsplätze. Auf dem Münchner Flughafen brodelt es gewaltig zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Geschäftsführung.

<P>Der Flughafen München boomt. Er gilt als die wichtigste deutsche Job-Maschine und als Grund für die bundesweit niedrigste Arbeitslosenzahl im Arbeitsagenturbezirk Freising. Erst gestern hatte die evangelische Kirche der Flughafen München GmbH (FMG) das Gütesiegel "Arbeit Plus 2004" für überdurchschnittliche Leistungen bei der Schaffung und beim Erhalt von Arbeitsplätzen übergeben. Doch nun, so fürchtet der Betriebsratsvorsitzende Ralf Krüger, wackeln mehrere hundert Arbeitsplätze. Für ihn steht fest: Hält Airport-Chef Michael Kerkloh an der Umsetzung des Umstrukturierungsprojekts "M-Power" fest, um die durch den Bau des zweiten Terminals ins Minus gerutschte FMG schon 2007 wieder auf Gewinnkurs zu bringen, stehen in naher Zukunft 600 bis 1000 Beschäftigte auf der Straße.<BR><BR>Für ihn sind die ehrgeizigen Unternehmensziele gleichbedeutend mit einer Senkung der Personalkosten. Offizielle Sparvorschläge laufen in seinen Augen auf Entlassungen oder die Übertragung von FMG-Dienstleistungen an andere Firmen hinaus. Besonders ärgert den Arbeitnehmervertreter, dass sich der Flughafen-Chef zu diesen Befürchtungen nicht konkret äußert. "Es ist unerträglich, dass Herr Kerkloh ein funktionierendes Unternehmen komplett umkrempeln will und die Mitarbeiter seit Monaten ohne klare Aussagen zu Arbeitsplätzen und Einkommen im Regen stehen lässt", sagt Ralf Krüger.<BR><BR>Dass es keine Arbeitsplatz-Garantien gibt, bestreitet die Gesellschaft nicht. "Wir müssen fit sein für den Wettbewerb und die hervorragenden Rahmenbedingungen ausschöpfen", so Unternehmenssprecher Hans-Joachim Bues. Aber als Zielsetzung formuliert er das Gegenteil dessen, was die Gewerkschaft befürchtet: "M-Power ist kein Arbeitsplatz-Vernichtungskonzept." Erklärtes Ziel der Geschäftsleitung sei, die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten und neue Stellen zu schaffen. Vor allem legt der Flughafen-Sprecher Wert darauf, dass alle M-Power-Konzepte mit dem Betriebsrat abgesprochen wurden.<BR><BR>Doch im Augenblick hakt es mit dem guten Einvernehmen: Allein im Verkehrsbereich, wo etwa die Vorfeldsicherung und die Bodendienste angesiedelt sind, fürchtet der Betriebsratsvorsitzende um 400 Stellen, um die er kämpfen will. "Terminal 2 ist hauptsächlich ein Erfolg der Beschäftigten", sagt Krüger. Es reiche nicht, 1,4 Milliarden Euro in Stahl, Glas und Beton zu investieren.<BR><BR>Die Würfel sind noch nicht gefallen. "Endgültige Entscheidungen werden erst getroffen, wenn alle Analysen abgeschlossen sind", sagt Bues. Bis 2007 soll der Flughafen so gut aufgestellt sein, dass zusätzliche 100 Millionen Euro in die FMG-Kasse fließen. Die Investitionen für das zusammen mit der Lufthansa gebaute Terminal 2 könnten dann schneller abgezahlt werden. Damit wäre Spielraum gewonnen auch für künftige Neueinstellungen.<BR><BR>Doch die Gewerkschaft fürchtet um die bestehenden Jobs. "Geplant war, diese Ausgaben frühestens im Jahr 2008 auszugleichen", sagt Siegi Kreuzer von Verdi. Für sie wird der ehrgeizige Plan zu Lasten der Beschäftigten durchgeboxt. Sie spricht bereits von der Zerschlagung des Unternehmens und dem massiven Abbau von Arbeitsplätzen. Um die Gewerkschaft im Spiel zu halten, fordert Verdi Verhandlungen über einen Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag. Dagegen allerdings sperrt sich die FMG: Einen für gestern angesetzten Verhandlungstermin habe die Flughafen-Geschäftsführung kurzfristig platzen lassen. Eine Erklärung für die spontane Absage blieb Sprecher Bues auch gegenüber unserer Zeitung schuldig. Erklärte Absicht von Verdi ist nicht der Kampf gegen Kerklohs Programm, sondern um die Arbeitsplätze am Flughafen. Siegi Kreuzer: "Statt sie zu entlassen, sollten Mitarbeiter für die veränderten Aufgaben fit gemacht werden."<BR><BR><BR></P>

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