Flachbildfernseher und Grillwürste gefragt: Bayerns Wirtschaft profitiert von WM

- München - Die Fußball-WM verleiht Bayerns Konjunktur nach Ansicht von Unternehmerverbänden Rückenwind. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft erwartet einen Wachstumszuwachs von mindestens 0,1 Prozent durch das Sportspektakel. Auch die Bundesregierung äußerte sich optimistisch. Verbraucherschützer rieten derweil bei WM-Lockangeboten zur Vorsicht.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erklärte in einem Interview, er erwarte von der Weltmeisterschaft einen kräftigen Schub für die Wirtschaft. "Wir rechnen - vorsichtig geschätzt - mit einem Impuls von rund drei Milliarden Euro verteilt auf drei Jahre", sagte Glos der "Augsburger Allgemeinen". Allein durch die ausländischen Gäste würden Zusatzeinnahmen von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

Von dieser Sonderkonjunktur könnte Bayern überdurchschnittlich profitieren. VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erklärte in München, bundesweit werde ein Wachstumseffekt von 0,1 Prozent erwartet. "In Bayern haben wir zwei Spielorte, da kann es sogar etwas mehr sein", sagte der Verbandsfunktionär. Langfristig profitiere der Freistaat vor allem von der Verbesserung der Infrastruktur, in die mit Blick auf die WM viel Geld investiert worden sei.

Von den Unternehmen gehören nach Brossardts Einschätzung insbesondere die Hersteller von Unterhaltungselektronik zu den Gewinnern. So habe etwa Loewe von einem guten Geschäft mit Flachbildschirmen berichtet. Auch die Hotels und Gaststätten könnten gut verdienen - auch wenn zum Beispiel das Oktoberfest mehr Gäste nach München ziehe als die Spiele während der WM, so Brossardt. Wirtschaftsminister Glos betonte zudem den Imagegewinn für die gesamtdeutsche Wirtschaft.

Als WM-Profiteur sieht sich auch der bayerische Einzelhandel - vor allem weil der Ladenschluss werktags aufgehoben wird. "Die WM ist für uns ein Steilpass", sagte der Geschäftsführer des Branchen-Verbands LBE, Bernd Ohlmann, unserer Zeitung. Nach seinen Worten werde die WM den Händlern in Bayern einen Mehrumsatz in diesem Jahr von rund 500 Millionen Euro in die Kasse spülen, was einem Plus von einem Prozent entspricht. Schon seit Jahresbeginn laufe der Absatz von Trikots, Bällen oder Fernsehgeräten gut, so Ohlmann. Während der Spiele werde zudem der Lebensmittelhandel am erhöhten Bedarf an Bier, Chips oder Grillware verdienen.

VBW-Mann Brossardt dämpfte allerdings auch - wie mehrere Volkswirte in den vergangenen Wochen - übertriebene Hoffnungen an das Großereignis: "Man sollte die WM nicht überschätzen", sagte er. So gebe es etwa auf dem Arbeitsmarkt keinen großen Effekt. Kurzfristig würden höchstens im Dienstleistungs-Bereich Beschäftigte gesucht.

Unterdessen warnte die Verbraucherzentrale Bayern vor speziellen WM-Angeboten. Markus Saller, Leiter des Rechtsreferats, erklärte, vor allem bei Versicherungsverträgen und Bankgeschäften sollten Kunden das Kleingedruckte vor einem Abschluss prüfen. "Da ist häufig sehr viel Marketinggedöns dabei, die WM sollte für keinen der Anlass sein, solche Geschäfte abzuschließen", sagte der Jurist. Auch bei der Teilnahme an Gewinnspielen empfiehlt Saller Achtsamkeit.

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