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Siemens startet zum Leidwesen von Peter Löscher mit einem Gewinneinbruch ins neue Jahr.

Flaute bei Siemens - der grüne Riese strauchelt

München - Siemens hat einen Fehlstart ins neue Geschäftsjahr hingelegt. Schuld ist laut Konzern-Chef Peter Löscher die Schuldenkrise. Seine Aktionäre stimmte er bei der Hauptversammlung auf ein schwieriges Jahr ein.

Immerhin: Peter Löscher kann noch lachen. Zwar hatte sein Sprecher extra darum gebeten, die Handys stumm zu schalten, damit Löscher in Ruhe über die Geschäftsentwicklung von Siemens referieren kann. Doch schon nach wenigen Sätzen ertönt der Rolling-Stones-Hit „Satisfaction“ blechern aus einem Handylautsprecher. Doch nicht einer der Journalisten, sondern Finanzvorstand Joe Kaeser greift hektisch in die Jackentasche. Da muss sogar Löscher schmunzeln.

Sonst hat der 54-jährige Siemens-Chef an diesem Morgen wenig zu lachen. Der Start ins Geschäftsjahr, das bei Siemens schon im Oktober beginnt, ist missglückt. Zwar konnte der Konzern für das erste Vierteljahr noch ein kleines Umsatzplus von zwei Prozent verkünden. Doch Gewinn und Auftragseingang fielen negativ aus (siehe Grafik).

Schuld am schwachen Start ist laut Löscher die Schuldenkrise im Euroraum und die konjunkturelle Abkühlung. „Die Realwirtschaft kann sich den Einflüssen der volatilen Finanzmärkte nicht entziehen“, sagte er. Zu den schlechten Vorzeichen kommen aber auch noch Probleme in Geschäftsbereichen, auf die Siemens eigentlich große Hoffnungen für die Zukunft setzt.

Für die Ziele müsse man „hart arbeiten“

Ausgerechnet die erneuerbaren Energien, die nach dem Ausstieg aus der Atomkraft eine entscheidende Rolle spielen sollten, bereiten Löscher nun Kopfzerbrechen. Eigentlich wollte der Österreicher den Konzern zum grünen Riesen wandeln, doch der strauchelt nun. Die Geschäftsbereiche Solar- und Windkraft verbuchten insgesamt einen Verlust von 48 Millionen Euro. Vor allem wegen bürokratischer Probleme bei der Anbindung von Windparks an das Stromnetz musste Siemens mehr als 200 Millionen Euro abschreiben. Grundsätzlich seien im Windmarkt die „goldenen Zeiten“ vorbei, in denen man zweistellige Gewinnmargen anpeilen konnte. Weil Züge für die Deutsche Bahn nicht rechtzeitig geliefert werden können, waren auch in diesem Sektor weitere Abschreibungen fällig.

Dennoch könne man die selbstgesteckten Ziele – sechs Milliarden Euro Gewinn – in diesem Geschäftsjahr noch erreichen, sagte Löscher. Dafür müsse man aber „hart arbeiten“. Im zweiten Halbjahr könne es konjunkturell schon wieder leicht bergauf gehen. Die rund 8800 Aktionäre, die gestern zur jährlichen Hauptversammlung in die Münchner Olympiahalle gekommen waren, stimmte Löscher trotzdem auf ein schwieriges Jahr ein. Weil 2011 aber noch deutlich besser gelaufen war, erhöhte der Konzern die Dividende von 2,70 auf 3 Euro pro Aktie.

Vor der Halle demonstrierten rund 300 Mitarbeiter der Siemens-Töchter Nokia Siemens Networks und Osram für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Beide hatten einen massiven Stellenabbau angekündigt. Auf den Konzern gesehen, sei die Zahl der Beschäftigten aber auch in Deutschland gewachsen, betonte Löscher. Er hielt auch am Plan fest, Osram nach Möglichkeit noch 2012 an die Börse zu bringen

Von Philipp Vetter

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