Nur wer fleißig Katalog-Vokabeln paukt, kommt auch ans Traumziel

- Naturbelassener Strand, Zimmer im toskanischen Stil, zur Meerseite, ruhige und idyllische Lage - bei dieser Katalog-Beschreibung muss der lang ersehnte Urlaub ein voller Erfolg werden. Doch die Wahrheit über das vermeintliche Traumziel steht zwischen den Zeilen. Und nur wer weiß, wie die blumige Katalogsprache richtig übersetzt wird, bekommt im Urlaub auch wirklich das, was er will.

An- und Abreise

Die Angaben im Prospekt entsprechen immer der Wahrheit, "doch wir müssen uns daran gewöhnen, dass in den Reisekatalogen einfach nichts negativ beschrieben wird", erklärt Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern, das Prospektchinesisch. Und das fängt schon bei der Anreise an: Beim "Direktflug" muss mindestens eine Zwischenlandung ohne Umsteigen in Kauf genommen werden. Nur der "Nonstopflug" führt direkt ans Ziel. Wer nach der Landung während der freien Wochen von Flugzeugen seine Ruhe haben möchte, sollte auf jeden Fall vom Hotel mit "kurzem Transfer zum Flughafen" die Finger lassen - denn kurz bedeutet nicht selten in der Anflugschneise.

Lage und Umgebung

Zu ruhig sollte es jedoch auch nicht sein: Beim Hotel "in idyllischer Alleinlage" empfiehlt es sich, den Mietwagen gleich mitzubuchen, rät der Experte. Denn von Infrastruktur ist hier keine Spur. Beim "aufstrebenden Ferienort" hingegen ist diese gerade am Entstehen - Baulärm steht also auf der Tagesordnung.

Im Hotel mit "verkehrsgünstiger oder zentraler Lage" ist mit Lärmbelästigung durch Autos von morgens bis abends zu rechnen. Ebenso sieht es beim Domizil "an der Strandpromenade" aus: Ruhe herrscht nur, wenn diese ausdrücklich als Fußgängerzone bezeichnet wird. Denn die "breite Uferpromenade" ist nicht selten eine viel befahrene Straße und keine beschauliche Flaniermeile.

Auf zum Strand

Bei allen Sonnenhungrigen sollten auch beim Vermerk "zehn Minuten bis zum Strand" die Alarmglocken läuten. Es ist nämlich nicht klar, ob hier der Fußweg oder die Anfahrt mit dem Auto gemeint ist. Auch eine Anlage "direkt am Meer" kann sich lediglich direkt am Hafen oder der Steilküste befinden und sagt nichts darüber aus, wie weit der Strand schließlich weg ist. Wer ihn erreicht, sollte nicht enttäuscht sein, wenn der "Naturstrand" mit angeschwemmtem Abfall, Algen oder Seetang übersät ist: "Der Urlauber, der ein Bild wie im Katalog vorfinden will, sollte sich nur auf einen ,herrlichen Sandstrand’ einlassen", verrät Saller. Übrigens: Der Hinweis "Badeschuhe nicht vergessen" sollte durchaus ernst genommen werden.

Anlage und Ausstattung

Die Regel "Vorsicht bei allem, was im Prospekt umschrieben wird" gilt laut Saller auch beim Zimmer. "Räume im typisch griechischen oder toskanischen Stil haben oft nicht mehr zu bieten als ein Bett und einen Tisch." Mit viel Komfort dürfe auch in "hellen, freundlichen Zimmern" nicht gerechnet werden. Der Hinweis "kein Kinderbett extra möglich" will sagen, dass das Zimmer so klein ist, dass absolut nichts mehr rein passt. Und vom Balkon "zur Meerseite" ist das Meer nicht unbedingt zu sehen.

Verpflegung

Keine große Auswahl kann der Hotelgast beim "kontinentalen Frühstück" erwarten. Hier gibt es eine Minimalversion aus Brot, Marmelade, Butter und Kaffee. Eine Scheibe Wurst oder Käse wird erst beim "verstärkten Frühstück" gereicht. Freunde von Kantinenessen kommen oft bei der "internationalen Küche" voll auf ihre Kosten. Und wenn der Service dazu noch "unaufdringlich" ist, kann es beim Essen schon einmal etwas länger dauern.

Lautstärke und Gäste

"Auch Hinweisen auf die Klientel muss Aufmerksamkeit geschenkt werden", rät der Rechtsexperte. In "familiärer Atmosphäre" ist es selbstverständlich, dass Papa und Mama auch mal etwas legerer - im Jogginganzug oder der Strandkleidung - beim Abendessen erscheinen. Zudem sorgen die Kinder für reichlich Trubel. Laut könne es aber auch im Hotel "mit internationalem Flair" werden: "Da wird nicht selten lange und viel gefeiert", weiß Saller. Das landestypische Ambiente fehlt oft in Ferienanlagen, die "bei deutschen Stammgästen sehr beliebt sind", denn hier werden deutsche Schmankerl und bayerisches Bier aufgetischt.

Schriftliche Absicherung

"Man muss den Katalog einfach mit einem Augenzwinkern lesen", betont Saller. Doch wenn der Urlauber auf besondere Punkte, wie ein ruhiges Zimmer oder auch eine behindertengerechte Anlage, Wert legt, sollten diese unbedingt schriftlich auf der Buchungsbestätigung festgehalten werden. Sind diese vor Ort nicht gegeben, müsse der Mangel bei der Reiseleitung oder auch beim Veranstalter angezeigt und Beweise in Form von Fotos und Zeugenaussagen gesammelt werden, betont der Rechtsexperte. Bis spätestens vier Wochen nach geplanter Rückkehr kann vom Veranstalter eine Entschädigung verlangt werden.

Am besten sei es, den Katalog immer mit auf Reisen zu nehmen. Dann kann vor Ort verglichen werden - auch die Fotos. Diese müssen immer die Wirklichkeit abbilden. Doch auch hier heißt es, bitte genau hinschauen: Kleine Fußnoten weisen darauf hin, wenn das Bild schon vor Jahren aufgenommen wurde.

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