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China ist dabei, Deutschland als Exportweltmeister zu überholen.

Überholen fleißige Chinesen die Deutschen?

Berlin - Deutschland ist „Exportweltmeister“. Aber wie lange noch? China könnte die Bundesrepublik noch in diesem Jahr überholen.

2008 habe Deutschland mit Ausfuhren von knapp einer Billion Euro die Spitzenstellung noch verteidigt. “2009 könnte China an erster Stelle stehen“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, am Mittwoch bei der Vorstellung des Statistischen Jahrbuches 2009. Als Konsumstütze habe sich im ersten Halbjahr 2009 der private Konsum erwiesen. Die Abwrackprämie habe dazu beigetragen.

Egeler sagte, nach den vorläufigen Ergebnissen für das erste Halbjahr 2009 liege China bei den weltweiten Exporten bereits an erster Stelle. Dabei spielten auch Wechselkurseffekte eine Rolle. Der Euro habe 2009 gegenüber dem Dollar an Wert verloren. Die deutsche Spitzenposition sei in den vergangenen Jahren dagegen von der Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar begünstigt worden.

Exporte von 12.000 Euro pro Bundesbürger

Die deutschen Ausfuhren von 995 Milliarden Euro machten im vergangenen Jahr 9,1 Prozent der weltweit getätigten Exporte aus. Der Ausfuhrüberschuss erreichte 2008 mit 176 Milliarden Euro den zweithöchsten jemals gemessenen Wert. Nur 2007 fiel die Differenz zwischen Einfuhren und Ausfuhren mit 195 Milliarden Euro höher aus. Je Bundesbürger verkaufte die deutsche Wirtschaft 2008 Waren für 12.000 Euro ins Ausland. Gegenüber 1995 ergibt sich eine Steigerung um 160 Prozent, was im rechnerischen Durchschnitt eine jährliche Steigerungsrate von sieben Prozent ausmacht, wie Egeler sagte. Mit 17 Prozent wurde 2000 das größte Plus erzielt. Der Zuwachs von 3,1 Prozent der Ausfuhren im Krisenjahr 2008 sei dagegen moderat ausgefallen.

Noch ist laut Egeler nicht klar, ob der deutsche Außenhandel die Wirtschaftskrise überwunden hat. Im ersten Halbjahr 2009 seien die Ausfuhren noch um 24 Prozent und die Einfuhren um 18 Prozent gegenüber den Werten des ersten Halbjahres 2008 zurückgegangen. Im Juni und Juli seien die Ausfuhren gegenüber den jeweiligen Vormonaten zwar gestiegen. “Ob dies schon die erhoffte Trendwende ist, bleibt abzuwarten“, sagte er. Aufschluss könnten die Außenhandelszahlen für August liefern, die am Freitag veröffentlicht würden.

Ausgaben für Telefon und Internet stiegen

Die inzwischen beendete Abwrackprämie hat die Ausgaben für Kraftfahrzeuge in Deutschland im ersten Halbjahr 2009 um 23 Prozent gesteigert. Die Ausgaben der privaten Haushalte für “Verkehr“ insgesamt stiegen um 5,4 Prozent, teilte Egeler mit. Die Zahl der importierten Pkw stieg im ersten Halbjahr 2009 um fast 14 Prozent. Die Stückzahlen für Kleinwagen mit Benzinmotor hätten sich nahezu verdoppelt, sagte Egeler. Er wies darauf hin, dass die privaten Ausgaben im Krisenjahr 2008 nur um 0,4 Prozent gewachsen seien, während der Staatsverbrauch um 2,1 Prozent gestiegen sei. Insgesamt betrug das Wirtschaftswachstum 1,3 Prozent. Als Konjunkturstütze habe sich der private Verbrauch allerdings in diesem Jahr erwiesen: gegenüber dem Vorquartal ergab sich im ersten Vierteljahr ein Plus von 0,6 Prozent und von 0,7 Prozent im zweiten Vierteljahr, wie Egeler sagte.

Aus einem langfristigen Vergleich ergibt sich, dass die Bundesbürger ihre Ausgaben für Nachrichtenübermittlung, also Telefon und Internet, kontinuierlich gesteigert haben. Seit 2001 ergibt sich ein Plus von 51 Prozent. Auch für Gesundheitspflege (plus 17 Prozent) und für Freizeit, Unterhaltung und Kultur (plus 14,3 Prozent) gaben die Verbraucher mehr aus. Gesunken sind dagegen seit 2001 die Ausgaben für Alkohol und Tabak (minus 20,5 Prozent) und Verkehr (minus vier Prozent). 

Doris Berve-Schucht  

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