Flirt von Springer mit Pro-Sieben wird ernst

- München - Der Flirt des Springer-Verlags mit Deutschlands größtem TV-Konzern Pro-Sieben-Sat-1 wird ernst. In Kürze will Springer laut Branchenkreisen mit der genauen Prüfung der Bücher der Sendergruppe beginnen, um eine mögliche Mehrheitsübernahme vorzubereiten. Wie das "Handelsblatt" erfahren haben will, soll Springer das Geschäft bereits im August unter Dach und Fach bringen wollen. Die Prüfung der Bücher des größten deutschen Fernsehkonzerns solle in zwei Wochen abgeschlossen sein. Weder Springer noch Pro-Sieben wollten dazu Stellung nehmen.

"Es gibt noch zahlreiche Punkte, an denen der Deal scheitern könnte", erklären Branchenkenner. Das Interesse des Verlags, sich mit dem TV-Geschäft ein starkes zweites Standbein zu verschaffen, ist aber groß. Die deutsche Medienlandschaft steht damit vor einem Umbruch. Schon heute erreicht der Verlag Axel Springer als Deutschlands größtes Zeitungshaus ("Bild", "Welt") mit seinen Zeitungen und Zeitschriften nach eigenen Angaben täglich mehr als 35 Millionen Menschen in Deutschland. Durch die Mehrheitsübernahme von Pro-Sieben-Sat-1 würde der Verlag auch noch die Kontrolle über Sender wie Pro-Sieben, Sat-1 und N24 gewinnen. Neben Bertelsmann ("Stern", RTL) entstünde damit ein zweiter integrierter Medienkonzern in Deutschland, der im Verlags- und Fernsehgeschäft prominent vertreten ist.Springer hält derzeit zwölf Prozent der Pro-Sieben-Sat-1-Anteile. An der Börse notiert sind nur die stimmrechtlosen Vorzugsaktien. Springer muss für eine Übernahme Stammaktien des US-Milliardärs Haim Saban oder der anderen Investoren kaufen, die vor zwei Jahren gemeinsam mit Saban Pro-Sieben-Sat-1 übernommen hatten. Zwar bekräftigte ein Saban-Sprecher auf Anfrage: "Saban ist nicht daran interessiert, seine Anteile zu verkaufen." Aber es würde auch für die Mehrheit reichen, wenn Springer die Anteile von Investoren wie Bain Capital Investors, Hellman & Friedman und Providence Equity Partners übernimmt. "Die Investoren haben ihren Einsatz verdoppelt, jetzt ist die Luft für sie raus", sagte ein Finanzexperte.Die Mitarbeiter sehen die mögliche Übernahme mit gemischten Gefühlen, aber durchaus mit Hoffnung. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren viel durchgemacht: Erst sollte das Unternehmen mit der Kirch-Media fusioniert werden, dann ging Hauptaktionär Kirch pleite. Nach einer längeren Phase der Unsicherheit schien die Übernahme durch den Bauer-Verlag perfekt, letztendlich übernahmen Saban und seine Investoren-Kollegen das Ruder. Springer wäre da möglicherweise ein berechenbarer Partner aus Deutschland, heißt es in Betriebsratskreisen. Natürlich gebe es Sorge, dass noch weiter an der Kostenschraube gedreht werde oder ein Umzug des Konzernsitzes nach Berlin wieder Thema würde.Mit Spannung wird erwartet, wie Springer die Übernahme finanzieren würde. Laut "Handelsblatt" wären mindestens 1,2 Milliarden Euro zu bezahlen.

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