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Neue Konkurrenz für die Bahn: Neben den Zugverbindungen von Stuttgart nach Berlin und Hamburg nach Köln will Flixbus 2019 auch den Hauptbahnhof München anfahren.

Wettbewerb auf der Hochgeschwindigkeitstrasse

Flixbus startet auf der Schiene durch: Zugverkehr München–Berlin geplant

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Bahn-Reisende von München nach Berlin können 2019 auch Züge von Flixbus nutzen. Der Fernbusvermittler plant eine Zugverbindung auf der neuen Hochgeschwindigkeitstrasse.

München – Seit Ende März rollen die grünen Züge des Münchner Fernbusvermittlers Flixbus im Regelbetrieb von Hamburg nach Köln, Ende April hat das Unternehmen den regelmäßigen Zugverkehr auf der Strecke Stuttgart–Berlin aufgenommen. Jetzt greift der Busvermittler die Deutsche Bahn auch auf Zugstrecken in Bayern an: Ab 2019 sollen die FlixTrains des Unternehmens zwischen Berlin und München verkehren, sagte ein Flixbus-Sprecher unserer Zeitung. Täglich solle jeweils ein Zug hin und ein Zug zurück fahren. „Später könnte die Zahl der Züge auf zwei bis drei pro Strecke erhöht werden“, erklärte er weiter.

Wie schnell Reisende mit den neuen Flixbus-Zügen künftig unterwegs sein werden, ist unklar. „Details zur genauen Fahrzeit können erst nach erfolgreicher Zuteilung der finalen Trasse ausgearbeitet werden“, erklärte er. „Die Trassen sind bei der DB Netz beantragt, wir warten noch auf die Genehmigung.“

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Geht der Plan auf, würde Flixbus bei seiner Expansion im Schienenverkehr von der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen München und Berlin profitieren. Wie Flixbus erklärte, verläuft die beantragte Trasse über die Schnellstrecke. Die Deutsche Bahn hatte die Trasse erst im Dezember des vergangenen Jahres in Betrieb genommen.

So schnell wie mit dem ICE geht es nicht  

Ganz so schnell wie ICE-Passagiere der Deutschen Bahn werden Flixbus-Kunden mit Start in München aber voraussichtlich nicht in Berlin sein: Bislang setzt Flixbus auf seinen bereits bestehenden Strecken Züge ein, die in etwa so schnell fahren wie die Intercity-Züge der Deutschen Bahn. Von Stuttgart nach Berlin benötigen die Flixbus-Züge beispielsweise über eine Stunde länger als ICE-Züge der Deutschen Bahn.

Flixbus ist in der Vergangenheit aber weniger damit aufgefallen, die Deutsche Bahn im Tempo zu schlagen. Stattdessen versucht Flixbus, der Bahn durch Kampfpreise Kunden abzujagen. Beispielsweise kostet ein reguläres FlixTrain-Ticket von Stuttgart nach Berlin ohne Vergünstigungen 49 Euro, Kunden der Deutschen Bahn zahlen für eine Intercity-Fahrt auf derselben Strecke regulär 140 Euro.

Flixbus hatte die Zugverbindung von Stuttgart nach Berlin vor knapp einem Jahr vom insolventen Zugbetreiber Locomore übernommen und den Schienenverkehr bis zur Aufnahme des regulären Verkehrs in diesem Jahr als eine Art Test betrachtet.

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Offenbar scheint die Rechnung aufzugehen: Kurz nach dem Start der Strecke Hamburg–Köln sagte Flixbus-Chef André Schwämmlein, die Auslastung am Premieren-Wochenende habe mehr als 80 Prozent betragen und die Erwartungen des Unternehmens übertroffen. Offenbar wächst der Deutschen Bahn im Schienenfernverkehr ein ernsthafter Konkurrent heran.

Gleichzeitig baut der Busvermittler sein bereits bestehendes Quasi-Monopol auf der Straße weiter aus. Davon sollten auch Fahrgäste in München profitieren. „München Messestadt-Ost wird neuer Flixbus-Halt und für die vier bereits bestehenden Münchner Haltepunkte ergeben sich zahlreiche neue Direktverbindungen“, teilte das Unternehmen mit. Ohne Umstieg gehe es vom neuen Halt im Münchner Osten zu 26 Zielen in sechs Ländern. Von den bestehenden Münchner Halten aus würden zudem zahlreiche neue Direktverbindungen angeboten – insbesondere in beliebte Urlaubsregionen in Italien.

Ein Ende des rasanten Wachstums ist nicht in Sicht: Im Rahmen seines Netzausbaus will Flixbus sein Angebot bis Ende 2018 um 30 Prozent auf 350 000 Verbindungen pro Tag erweitern.

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