Flotter Internet-Zugang für alle: Millionen für die DSL-Alternative

- München ­- Bewohner von ländlichen Gemeinden, in denen bislang keine schnellen Internet-Zugänge verfügbar sind, dürfen auf Besserung hoffen. Mehrere Unternehmen wollen in derart abgeschnittenen Regionen Millionen in den Aufbau einer Infrastruktur für die Datenübertragung per Funk investieren.

Bis die DSL-Alternative auch im entlegensten Winkel der Republik angeboten wird, dürften jedoch noch einige Jahre vergehen.

Die sechs kleineren Gesellschaften aus Deutschland, Italien und Luxemburg liefern sich derzeit in Mainz ein millionenschweres Wettbieten um Frequenzen des Funkstandards Wimax (Worldwide Interoperability for Microwave Access). Diese bislang kaum verbreitete Technologie ermöglicht es Nutzern, im Internet zu surfen, ohne dass ihr PC mit Telefon- oder Fernsehanschluss verbunden ist. Stattdessen wird an den Computer ein Modem angeschlossen, das Daten von einer bis zu 50 oder mehr Kilometern entfernt aufgestellten Funkstation empfängt. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist mit der von DSL (Digital Subscriber Line) vergleichbar.

"Dieses Verfahren hat eine erhebliche Bedeutung für die deutsche Wirtschaft", hatte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, gesagt, als er die Auktion am Dienstag im Auftrag der Bundesregierung eröffnete. Wimax wird von vielen Fachleuten und Politikern als einzige mögliche Technologie gesehen, die Bewohner und Unternehmen in abgelegenen Regionen auf breiter Basis und zu bezahlbaren Preisen an das schnelle Internet anzuschließen. Die populäre DSL-Technik kommt dafür nicht in Frage. Sie funktioniert nur, wenn Telefon-Leitungen aus Kupfer bis zum Haus verlegt sind und bestimmte Übertragungs-Distanzen nicht überschritten werden. Knapp acht Prozent der deutschen Haushalte und auch zahlreiche Unternehmen können deswegen nach Angaben der Telekom derzeit keinen DSL-Anschluss erhalten ­ viele davon in Oberbayern (wir berichteten mehrfach).

Wimax eignet sich dazu, die weißen Flecken auf der Deutschlandkarte für Breitband-Internetzugänge auszufüllen, weil der Aufbau der erforderlichen Infrastruktur deutlich billiger kommt als bei DSL oder auch dem Mobilfunk-Standard UMTS; er lohnt sich damit auch in dünn besiedelten Regionen. Mehrere der Unternehmen, die sich an der Versteigerung der 112 Frequenzen beteiligen, äußerten deswegen bereits ihre Absicht, gerade in abgelegenen Gemeinden aktiv zu werden, wenn sie zum Zug kommen. Unterm Strich haben sie bei der andauernden Auktion bereits über 50 Millionen Euro geboten, die ­- wie einst die UMTS-Milliarden -­ in die Staatskasse fließen werden.

"Wir wollen vor allem unterversorgte Gebiete ans schnelle Internet bringen", sagte etwa der Geschäftsführer von Televersa, Jürgen Pfitzner, unserer Zeitung. Die bayerische Telekommunikationsfirma plant, unter anderem in Oberbayern Wimax-Anschlüsse anzubieten, sollte sie den Zuschlag für die Frequenz erhalten. Der Chef der Deutschen Breitband Dienste in Heidelberg, Fabio Zoffi, erklärte, er wolle bundesweit sowohl in Städten als auch auf dem Land Wimax anbieten. "Wir vergessen keinen Bürger, der heute kein DSL hat", sagte Zoffi.

Allerdings dürfte für viele DSL-lose noch einige Zeit vergehen, bis der Traum vom flotten Surfen wahr wird. Die Firmen haben zwar angekündigt, nach Ende der Versteigerung zügig mit dem Aufbau der Funkstationen zu beginnen. Ein flächendeckendes Angebot wird es in absehbarer Zeit aber noch nicht geben. Die erfolgreichen Bieter haben lediglich die Pflicht, bis 2009 mindestens 15 Prozent der in einem Frequenzbereich liegenden Gemeinden zu versorgen. Bis 2011 sollen es 25 Prozent sein.

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