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Glänzende Rendite – die Preise für Gold schießen von Ängsten der Anleger getrieben in die Höhe. Doch auch physisches Gold birgt Risiken und ist anfällig für Schwankungen.

Flucht ins Gold treibt Preis auf Allzeithoch

München - Die Angst treibt Anleger zu Handfestem - sie horten Gold, in der Hoffnung, etwas dauerhaft Wertvolles zu besitzen, sollte sich die Finanzkrise extrem verschärfen und Geld an Wert verlieren. Doch schon längst ist Gold unberechenbar.

Das Beben an den Börsen katapultiert den Goldpreis in immer höhere Bahnen. Gestern knackte das Edelmetall erstmals die Marke von 1700 US-Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm). Wer sich vor einem Jahr einen Barren oder eine Münze zugelegt hat, bekommt nun im Schnitt knapp 40 Prozent mehr. Doch wie geht die Entwicklung weiter?

Die Meinungen driften auseinander. In einer ersten Reaktion auf den aktuellen Höhenflug erhöhte die US-Großbank Goldman Sachs ihre Prognose für den Goldpreis. In den kommenden zwölf Monaten erwarten die Experten laut einer Studie einen Anstieg auf 1860 Dollar die Feinunze. Auch das Münchner Goldhandelshaus Pro Aurum geht davon aus, dass sich dieses hohe Niveau halten wird. „Immer noch haben wir zu 90 Prozent Käufer“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Indikatoren für einen baldigen Absturz wollen die Händler nicht ausmachen. Dafür seien immer noch zu viele Zentralbanken etwa aus Russland und China als Käufer auf dem Markt unterwegs.

Doch es gibt auch skeptische Stimmen. „Übertreibungen sind nie positiv zu bewerten“, erklärt Roberto Falaschi, Vertriebs-Leiter der Edelmetall-Abteilung bei der BayernLB. Die Preissteigerung sei „drastisch“, „von Angst getrieben“ und damit schlicht „nicht gesund“. Allerdings würde er nicht so weit gehen, die Entwicklung als Blase zu bezeichnen, schränkt Falaschi ein.

„Ich würde skeptisch werden, wenn etwas nur nach oben geht, irgendwann geht es auch wieder runter“, mahnt Karin Baur, Finanzexpertin der Stiftung Warentest. Der Preis werde sicherlich wieder fallen, meint Sascha Straub, Geldexperte der Verbraucherzentrale Bayern. „Und das kann dann wahnsinnig schnell gehen.“ Nur wann, darauf will sich niemand festlegen oder auch nur eine Prognose wagen.

„Wir erleben derzeit eine atypische Entwicklung“, erklärt Straub. Die Suche nach Gold werde durch die Finanzkrise angestoßen, und solange die Unsicherheiten bleiben, bleibe auch der Preis dementsprechend hoch.

Klar ist jedoch, dass sich niemand auf seinem kleinen oder großen Goldschatz ausruhen kann - denn der Wert wird schwanken. Extremer als früher. Auch bei Pro Aurum sieht man den enormen Wert nicht in Stein gemeißelt. „Physisches Gold ist nicht frei von Schwankungen“, erklärt der Sprecher. Dieses Auf und Ab müssten dann auch die Kunden aushalten.

Trotz des Risikos: „Physisches Gold kann den Bestand schützen“, sind sich Straub und Falaschi einig. Geht es einem Anleger darum, einen bestimmten Teil des Anlagevermögens abzusichern, sei Gold eine gute Wahl, sagt der Verbraucherschützer. Damit hätte man für den „absoluten worst case“, den Zusammenbruch des Euro, zumindest etwas an der Hand. Allerdings dürfe man nicht vergessen: „Gold ist unflexibel und es gibt keine Zinsen“, sagt Straub. Zudem sind Gebühren für das Depot oder die sichere Verwahrung des persönlichen Goldschatzes fällig. Straub rät generell, nicht mehr als fünf Prozent des Anlagevermögens in Gold zu verwandeln - auch jetzt nicht.

Doch immer mehr Verbraucher interessieren sich für Gold. Jeder dritte Deutsche will einen Teil seiner Ersparnisse in das Edelmetall anlegen, so das Ergebnis einer Forsa-Umfrage. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 41 Prozent.

„Die starke Goldnachfrage verstetigt sich“, stellen die Münchner Goldhändler fest, die in den vergangenen Tagen ein Zelt vor dem Stammhaus am Münchner Messegelände aufstellen mussten, um dem Kundenansturm Herr zu werden. Nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman schoss der wöchentliche Goldumsatz auf über 30 Millionen Euro - „aber nur innerhalb einer Handelswoche“, so der Sprecher. „Die derzeitigen Spitzenumsätze von über 24 Millionen Euro sehen wir allerdings schon seit gut einem Monat.“ In einer normalen Woche liege der Umsatz im Münchner Stammhaus zwischen sieben und neun Millionen Euro.

Bleibt die Nachfrage noch zwei bis drei Tage auf diesem Niveau, rechnen die Händler von Pro Aurum mit Wartezeiten von ein bis zwei Wochen vor allem für Goldbarren ab einem Gewicht von einer Unze bis zum Kilo sowie für die gängigsten Goldmünzen wie zum Beispiel Krügerrand und Australischer Nugget.

Von Stefanie Backs

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