+
Michael Knipper, hier einm Archivbild, hatte die "undifferenzierte Euphorie großer Teile der deutschen Industrie" kritisiert. Foto: Tim Brakemeier dpa

Flüchtlinge: Kritik an "Euphorie" der Industrie

Das gibt es selten: Einen öffentlich ausgetragenen Streit im Arbeitgeberlager - zur Flüchtlingskrise. Anlass sind kritische Aussagen der Bauindustrie.

Berlin (dpa) - Unter Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft ist ein Streit um die Haltung in der Flüchtlingspolitik entbrannt. Der Industrieverband BDI und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wiesen Aussagen der Bauindustrie zurück, die Wirtschaft weise zu wenig auf die Risiken hin.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Deutschen Bauindustrie, Michael Knipper, hatte in einem offenen Brief im "Tagesspiegel" die "undifferenzierte Euphorie großer Teile der deutschen Industrie" kritisiert. Weiter hieß es: "Ich halte es für falsch, dass bisher auch die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft zu wenig auf die mit der unkontrollierten hohen Zuwanderung verbundenen Risiken hinweisen."

Die Sichtweise, die staatlichen Milliardenausgaben für Flüchtlinge seien ein kleines Konjunkturprogramm, sei "blauäugig", schrieb Knipper an BDI-Geschäftsführer Markus Kerber. Die Ausgaben für Flüchtlinge erzeugten lediglich ein "konjunkturelles Strohfeuer" und könnten etwa in der Bildung oder der Infrastruktur besser investiert werden. Auch die Vorstellung, die Flüchtlinge könnten schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden, sei wahrscheinlich illusorisch.

Der Industrieverband BDI und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wiesen den Vorwurf, "blauäugig" zu sein, am Wochenende zurück. Eine BDI-Sprecherin verwies auf eine Erklärung der vier Wirtschafts-Spitzenverbände DIHK, BDI, BDA und ZDH von Mitte September. "Anerkannte Verfolgte, die in Deutschland bleiben, müssen schnellstmöglich in Schulbildung, Ausbildung und Beschäftigung kommen", hatten die Verbandspräsidenten gefordert. "Das ist der beste Weg zur dauerhaften Integration und zügigen Beendigung des Bezugs von Sozialleistungen. A und O hierfür ist eine frühestmögliche Vermittlung der deutschen Sprache." Deutschland stehe vor immensen Herausforderungen. Das Asylsystem in Deutschland dürfe jedoch nicht überfordert werden.

Ein BDI-Sprecher verwies am Sonntag darauf, Hauptgeschäftsführer Kerber habe in der Flüchtlingspolitik Chancen, aber auch Risiken aufgezeigt. So hatte Kerber im September der "Zeit" gesagt: "Die Wirtschaft sieht in der Zuwanderung erst einmal eine Chance, Fachkräfte zu finden." Aber viele Flüchtlinge müssten nachgeschult werden, weil die Unternehmen heute kaum noch ungelernte Arbeitskräfte suchten. Es würden viel mehr Menschen benötigt, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten können.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer hatte Mitte Oktober der "Bild"-Zeitung gesagt, er halte es grundsätzlich für einen sinnvollen Ansatz, Flüchtlingen über Einstiegsqualifizierungen einen Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Voraussetzung aber seien ausreichende Deutschkenntnisse.

Mitteilung Spitzenverbände

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Unternehmen übernimmt deutschen Auto-Teilehändler Stahlgruber
Der US-Autoteilehändler LKQ will den deutschen Auto-Ersatzteilehändler Stahlgruber kaufen. Noch ist die Übernahme aber nicht von den Behörden genehmigt worden. 
US-Unternehmen übernimmt deutschen Auto-Teilehändler Stahlgruber
Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam
Apple hat den Kauf der Musikerkennungs-App Shazam bestätigt. Der Preis könnte laut Medieninformationen über 400 Millionen Dollar gewesen sein. 
Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam
Dax resigniert vor 13.200 Punkten
Frankfurt/Main (dpa) - Am deutschen Aktienmarkt haben die Anleger zum Wochenbeginn vergeblich auf einen ersehnten Jahresendspurt gewartet. Nach einem frühen …
Dax resigniert vor 13.200 Punkten
Edeka will Fruchtsafthersteller Albi übernehmen
Laut dem Bundeskartellamt, will der Lebensmittelhändler Edeka den Fruchtsafthersteller Albi übernehmen. Damit will das Unternehmen die Abhängigkeit von externen …
Edeka will Fruchtsafthersteller Albi übernehmen

Kommentare