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Bayerns Handwerker suchen dringend Fachkräfte: Die Qualifikation von Flüchtlingen könne das Problem lösen.

Ifo-Chef Sinn skeptisch

Handwerk will Flüchtlinge rasch integrieren

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München - Bayerns Handwerk hofft, offene Stellen möglichst schnell mit Flüchtlingen besetzen zu können. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn glaubt trotzdem nicht daran, dass der Fachkräftemangel behoben wird.

Das bayerische Handwerk will Flüchtlinge möglichst rasch in Arbeit und Ausbildung bringen. „Noch immer sind in Bayern knapp 5000 Lehrstellen nicht besetzt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Handwerkstages, Lothar Semper, gestern in München. Semper hofft auf Flüchtlinge. Sein Wunsch: Künftig wird die Qualifikation der Asylbewerber schneller festgestellt, dann bekommen sie Sprachunterricht – und einer Lehre steht nichts mehr im Weg.

Das Problem: „Die Jugendlichen wollen möglichst schnell Geld verdienen und es ihren Familien nach Hause schicken“, sagte Semper. Ein mit dem Mindestlohn vergüteter Hilfsjob sei attraktiver als eine schlechter bezahlte Ausbildung. „Wir müssen bei Flüchtlingen Überzeugungsarbeit leisten, dass eine Ausbildung langfristig die bessere Lösung ist“, sagte Semper.

Bereits am Dienstag hatten sich die Spitzenverbände der Bayerischen Wirtschaft gemeinsam mit der Staatsregierung und der Bundesagentur für Arbeit darauf verständigt, bis zum Ende des Jahres 2016 20 000 Flüchtlingen in Bayern einen Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz anzubieten. Bis Ende 2019 will die Wirtschaft Jobs für 60 000 Flüchtlinge haben. Semper wies darauf hin, dass die Forderung der Wirtschaft nach einem Modell „3+2“ in der Praxis inzwischen erfüllt sei. Das Modell sieht eine dreijährige Ausbildung plus zwei Jahre Berufseinstieg vor – ohne die Gefahr einer Abschiebung.

„Die verfügbaren Stellen sind aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Für die möglicherweise über eine Million Flüchtlinge, die in diesem Jahr in Deutschland erwartet werden, reichten die Maßnahmen nicht aus. Den Fachkräftemangel könnten Asylsuchende nicht beheben. Grund sei deren mangelnde Qualifikation: 22 Prozent der Einwanderer hätten keinen Hauptschulabschluss; in Syrien herrsche eine Analphabetenrate von 15 Prozent, in Afghanistan läge die Rate bei 68 Prozent. „Flüchtlinge drängen in das untere Segment des Arbeitsmarkes“, befürchtet Sinn. Entsprechend bekräftigte er die Forderung des Ifo-Instituts, den Mindestlohn abzuschaffen, um so Beschäftigung zu schaffen.

Während Sinn gegen den Mindestlohn wetterte, vermied es Semper, sich so offensiv zu positionieren. Semper wies lediglich darauf hin, dass der Handwerkstag die Lohnuntergrenze schon immer für unnötig gehalten habe. „Fakt ist, wir haben den Mindestlohn“, sagte Semper. Wichtig sei vielmehr, dass es keine separate Absenkung des Mindestlohns für Flüchtlinge geben dürfe. Das würde auf dem Arbeitsmarkt zu Verwerfungen führen.

Einig sind sich der Handwerks-Funktionär und der Wirtschaftsforscher, dass Einwanderung notwendig ist. „Deutschland braucht Integration“, sagte Sinn. Sobald die Generation der jetzt um die 50-Jährigen in etwa 15 Jahren in Rente gehe, fehlten dem Arbeitsmarkt 8,4 Millionen Beschäftigte – während gleichzeitig die Zahl der Rentner um 7,3 Millionen zunehme. Sinn favorisiert ein Punktesystem, wie es die SPD vorgeschlagen hat und in Kanada bereits existiert: Dort erhalten potenzielle Einwanderer je nach Sprachkenntnissen und Qualifikation eine Punktezahl und erhöhen so die Chance auf eine Einreise.

Von Sebastian Hölzle

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