Flugzeugbau

Flüster-Flieger will in München landen

München - Eine neue Flugzeugfamilie sagt Airbus und Boeing den Kampf an. Die C-Serie von Bombardier bringt lärmgeplagten Flughafen-Anwohnern Hoffnung auf mehr Ruhe.

Bisher haben die Hersteller von Regionalflugzeugen von den zwei Giganten der Branche respektvoll Abstand gehalten. Nur zögerlich wagen sie sich mit ihren neuen Maschinen über die magische Grenze von 100 Sitzen hinaus in die Zone der klassischen Linienmaschinen, wo das Reich von Boeing und Airbus beginnt.

Doch nun zielt ein Angriff eines kanadischen Herstellers auf das Herz der Platzhirschen. Die CS300, die bisher größte Variante der C-Serie der neuesten Flugzeuggeneration von Bombardier, wird mit bis zu 150 Sitzen ausgestattet. Sie konkurriert mit den kürzeren Varianten der Boeing 737 und dem A319 und A318. Ein 1:1- Modell des Flugzeugs ist bis zum 24. September am Flughafen München (Hangar 3, Augsburg Airways) ausgestellt.

„Es ist das erste Flugzeug seit der DC 9 im Jahr 1965, das genau auf diese Größe zugeschnitten wurde“, sagt Bombardier-Vizepräsident Benjamin Boehm. Der Vorteil: Der Rumpf, der bei den kleinsten Varianten von Airbus und Boeing kürzer und dicker ist als ideal (bei gestreckten Varianten kleinerer Flugzeuge ist es umgekehrt), liegt bei Bombardier nahe beim konstruktionstechnischen Optimum. Weil die Seitenwände weniger stark gewölbt sind als üblich, passen in der Economy-Klasse trotzdem fünf Sitze nebeneinander. Die ganze Konstruktion ist leichter als bei anderen Flugzeugen. Das senkt Lärm und Verbrauch. Beim Abspecken halfen auch neueste Materialien: Der Rumpf besteht aus einer Aluminium-Lithium-Legierung die Flügel aus Carbonfasern. „Unser Flugzeug ist sechs Tonnen leichter als die Konkurrenten“, sagt Boehm.

Dazu kommen die wirtschaftlichsten Triebwerke. Auf dem Markt: Das PW 1500 G von Pratt & Whitney, an dem der Münchner Triebwerksbauer MTU maßgeblich beteiligt ist, ist das erste neue Getriebefan-Triebwerk, das in Serie geht. Alles zusammen sorgt gegenüber herkömmlichen Flugzeugen für einen Vorsprung: 2,6 Liter Kerosin pro Sitz und 100 Kilometer ist ein Verbrauchswert, der bei kleineren Flugzeugen bisher noch nie erreicht werden konnte.

Doch ein wesentlicher Nebeneffekt der Neukonstruktion wird vor allem die Anwohner von Flughäfen aufhorchen lassen: „Unser Flugzeug ist viermal leiser als andere“, sagt Boehm. Er belegt das mit einem Lärmteppich, der gegenüber dem eines aktuellen Flugzeugs auf weniger als ein Drittel zusammenschrumpft (Grafik). Das dürfte vor allem Bewohner der vom Flughafen München betroffenen Region zwischen Dachau und Landshut zu Freunden der neuen Maschine machen.

Mit 5400 Kilometern Reichweite kann die C-Serie von München aus sämtliche Ziele in ganz Europa, im mittleren Osten und Nordafrika erreichen. Von London oder Madrid aus reicht es sogar für Flüge bis nach New York. Beim ehrgeizigen Zeitplan für das Flugzeug sieht sich Bombardier im Plan. Der erste Flug soll noch in diesem Jahr stattfinden. Parallel laufen bereits die Genehmigungverfahren, sodass die Maschine ab Ende 2013 ausgeliefert werden kann.

Arbeit schafft das Flugzeug nicht nur in Kanada. Wie die meisten aktuellen Verkehrsflugzeuge ist es ein internationales Projekt. Der Rumpf kommt aus China, die Flügel aus Nordirland, weitere wichtige Komponenten werden aus Italien zugeliefert. Und wegen der Beteiligung von MTU am Triebwerk sorgt die C-Serie auch für Jobs in München.

Martin Prem

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zähes Ringen um letztes Hilfspaket für Griechenland
Es sind Griechenland-Rettungsverhandlungen - doch die Finanzminister gehen geradezu in Hochstimmung in die Eurogruppe. Aber dann zieht sich die Sache doch wieder in die …
Zähes Ringen um letztes Hilfspaket für Griechenland
Schock für Primark! Neue Studie enthüllt vernichtendes Detail über Modekette
Schock für den Mode-Riesen Primark! Eine Große Studie einer Mediengruppe aus Frankfurt enthüllt ein vernichtendes Detail über Modekette. Alle Infos hier. 
Schock für Primark! Neue Studie enthüllt vernichtendes Detail über Modekette
Angeblicher Tesla-Saboteur bezeichnet sich als Whistleblower
Tesla hat einen ehemaligen Mitarbeiter verklagt, der dem Konzern angeblich "mutwillig und arglistig" Schaden zufügen wollte. Nun setzt sich der Mann zur Wehr - er sei …
Angeblicher Tesla-Saboteur bezeichnet sich als Whistleblower
BER-Chef sieht noch Zeitreserven bis zur Eröffnung 2020
Noch immer werden im Terminal Kabel neu gezogen, Rohre erneuert, Brandmelder geprüft und Steuerungen programmiert. Der Chef erläutert den Zeitplan - in einem Punkt aber …
BER-Chef sieht noch Zeitreserven bis zur Eröffnung 2020

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.