+
Ab in den Urlaub: Wer wirklich billig fliegen will, sollte mehrere Angebote einholen.

Billigflieger

Ein Flug, acht verschiedene Preise

Wer seinen Sommerflug auf der Homepage der jeweiligen Fluggesellschaft bucht, wirft meist Geld zum Fenster hinaus. Online-Reisebüros sind in der Regel billiger. Der Tarifdschungel lässt sich aber kaum durchschauen.

Trotz der Finanzkrise fallen die Sommerferien nicht aus. Billigflieger rühren kräftig die Werbetrommel: Tuifly macht mit einer Jukebox auf Preis-Sommerhits aufmerksam, Germanwings empfiehlt „Ab auf die Kanaren“ und bei Condor heißt es: „Das fängt ja gut an“ – Langstreckenflüge werden ab 249 Euro angeboten. Doch wer sich von den Internetseiten der Billigflieger zu einer Buchung hinreißen lässt, wirft meist sein Geld zum Fenster hinaus.

Denn die Preise auf den Seiten der Airlines und die Konkurrenzangebote bei Online-Reisebüros wie Expedia, Fly.de und Co unterscheiden sich oft deutlich, wie eine Stichprobe unserer Zeitung für zehn Flüge vom Münchner Flughafen aus ergab: „Die Airlines und Reisebüros verkaufen die Flüge mit ihren jeweiligen Gebühren, und diese sind unterschiedlich hoch“, erklärt Rechtsanwalt Gordon Pankalla , der das Verbraucherportal „billig-flieger-vergleich.de“ betreibt.

„Für die Kunden ist es sehr schwer, den jeweils besten Preis ausfindig zu machen“, sagt auch Otto Schweisgut vom Deutschen Reiseverband. „Dieses Preiswirrwarr können sie nicht mehr durchblicken.“ Den Plan vom Billigflug-Schnäppchen können Verbraucher leicht zunichtemachen, wenn sie bei der Buchung im Internet auf ein einziges Web-Reisebüro vertrauen. Wer beispielsweise mit Aer Lingus von München nach London fliegen will, musste am 4. August auf der Homepage der Fluggesellschaft 95,95 Euro (Hin- und Rückflug) zahlen. Bei der Buchung über acht Internetreisebüros traf man auf acht verschiedene Preise für das gleiche Ticket. Richtig teuer wurde es über Tripado: Hier kostete das Ticket zum Testzeitpunkt 246,88 Euro und damit mehr als das Doppelte. Ähnlich sieht es bei der Lufthansa-Verbindung zwischen München und Düsseldorf aus. Den hauseigenen Ticketpreis von 104,30 Euro unterbietet die Konkurrenz um etwa 15 Euro, der Flug kostet hier 89,30 Euro. Wer über BravoFly den Buchungsauftrag gegeben hatte, zahlte im Vergleich zu Fly.de satte 104 Euro zuviel – 193,55 Euro sollte die Reise hier kosten.

Gebührenvielfalt

Als Grund für die drastischen Unterschiede macht Billigflug-Experte Pankalla die undurchsichtige Preisgestaltung der Portale aus – denn die sind beim Erfinden von Gebühren sehr erfinderisch:

-Da wird eine ominöse Servicepauschale berechnet, die manchmal auch als Verwaltungsgebühr bezeichnet wird.

-Teilweise werden auch ungefragt Sonderleistungen angeboten – „ehe sich der Kunde versieht, bekommt er für 2,49 Euro Aufpreis eine Auftragsbestätigung per SMS“, berichtet Pankalla.

-Bei Travelstart kümmert sich für 9,90 Euro ein persönlicher Kundenberater um die Buchung.

Pankalla rät, solche Dienste konsequent wegzuklicken und bei der Buchung auch auf Sonderaktionen zu achten: „Erst vor kurzem hat Expedia eine Aktion gehabt, bei der auf alle Gebühren verzichten, wurde. Da hatte die Konkurrenz Tränen in den Augen“, sagt er.

Vielfalt nutzen

Verbraucher sollten bei mehreren Reisebüros eine Preisanfrage starten. „Erstaunlich ist, dass man über ein Reisebüro Flüge von Airlines sogar teilweise billiger buchen kann als bei den Airlines selbst“, wundert sich Gordon Pankalla. Tatsächlich boten auch bei der Stichprobe unserer zeitung die Buchungsmasken auf den Seiten der Fluggesellschaften keine Schnäppchengarantie: Nur in zwei von zehn Testbuchungen lieferten die Webseiten von Air Berlin, Germanwings und Co. das beste Angebot, meist konnten die Mitbewerber durch Sonderkonditionen den offiziellen Preis unterbieten.

Kostenfalle Gepäck

Beim Preisvergleich sollten Verbraucher die Buchung auch zu Testzwecken bis kurz vor Schluss durchführen, damit auch wirklich alle anfallenden Gebühren einberechnet sind. Bei der tatsächlichen Buchung muss darauf geachtet werden, dass alle gewünschten Gepäckstücke angegeben werden – die nachträgliche Aufgabe am Flughafen ist meist kompliziert und mit Extragebühren verbunden.

Beleg ist kein Ticket

Ratsam ist zudem ein Blick auf den Geschäftssitz des ausgewählten Anbieters: Einige Online-Reisebüros wie TerminalA.com bieten ihre Dienste aus dem Ausland an. Bei Problemen müssten deutsche Verbraucher den Rechtsweg im Ausland beschreiten. Ist das Ticket bei Expedia, Fly.de und Co gebucht, muss der Kunde es meist zuhause ausdrucken – doch der Beleg, den der heimische Drucker ausspuckt, gilt noch nicht als endgültiger Flugschein. Das „richtige“ Ticket bekommt der Reisende am Flughafen am Check-in, wenn er den Bestätigungscode seiner Buchung in ein spezielles Terminal eingibt.

Von Sebastian Wieschowski

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Am „Black Friday“: Amazon-Mitarbeiter wollen streiken
Pünktlich zum Schnäppchen-Großkampftag „Black Friday“ wollen Amazon-Mitarbeiter streiken - unter anderem gegen ungesunde Arbeitsbedingungen.
Am „Black Friday“: Amazon-Mitarbeiter wollen streiken
Machtkampf bei Aldi wird zur Hängepartie: Es geht um die Zukunft des Discounters 
Es geht um Macht und viel Geld: Beim Discounter Aldi Nord tobt ein Familienstreit. Entschieden wird er aber wohl erst im Dezember - das zuständige Gericht hat das Urteil …
Machtkampf bei Aldi wird zur Hängepartie: Es geht um die Zukunft des Discounters 
Thyssenkrupp bleibt auf Fusionskurs
Bei der Stahlfusion mit Tata bleibt der Thyssenkrupp-Chef unbeirrt auf Kurs. Die Pläne hätten "absolute Priorität". Doch tausende Beschäftigte wollen das umstrittene …
Thyssenkrupp bleibt auf Fusionskurs
Starker Euro bremst Dax erneut aus
Frankfurt/Main (dpa) - Der gestiegene Eurokurs hat den Dax am Donnerstag ein weiteres Mal ausgebremst. Der Leitindex kämpfte um die Marke von 13 000 Punkten, die er zum …
Starker Euro bremst Dax erneut aus

Kommentare