Warnstreik bei der Lufthansa

Flugausfälle und Verspätungen

Fluggäste der Lufthansa müssen am Montag bundesweit mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Verdi hat das Bodenpersonal an acht Flughäfen zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen – betroffen sind auch München und Nürnberg. Die Lufthansa fürchtet Millionenverluste.

An deutschen Flughäfen wird es am kommenden Montag zu massiven Verspätungen und hunderten Flugausfällen kommen. Die Gewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal der Fluggesellschaft Lufthansa zu einem ganztägigen und nahezu flächendeckenden Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind bundesweit acht Flughäfen: die Drehkreuze Frankfurt und München, die Standorte Hamburg, Norderstedt, Nürnberg, Köln, Düsseldorf, Berlin, Stuttgart und Hannover. In Norderstedt sitzt die Lufthansa-Tochter LRS (Lufthansa Revenue Services GmbH), die geschlossen werden soll.

Es ist bereits die zweite Welle von Arbeitsniederlegungen in dem Tarifkonflikt um Entgelte und Arbeitsbedingungen von rund 33 000 Technikern und Serviceleuten. Am 21. März waren bei einem kürzeren Warnstreik 700 Flüge ausgefallen.

Sonderflugplan ab Samstag online

Die Lufthansa rechnet für Montag mit erheblichen Einschränkungen – betroffen seien vor allem Flüge innerhalb Deutschlands und zu europäischen Zielen, kündigte das Unternehmen an. Germanwings-Flüge sind nicht betroffen. Lufthansa erarbeitet momentan einen Sonderflugplan für Montag. Er wird am Samstagabend auf der Internetseite www.lufthansa.com unter „aktuelle Fluginformationen“ veröffentlicht. Passagiere sollten sich hier vorab informieren, ob ihr Flug ausfällt oder stattfindet. Darüber hinaus hat Lufthansa unter 08 00/850 60 70 eine kostenfreie Telefonnummer eingerichtet, an die sich Fluggäste wenden können.

In München wird ab 4 Uhr gestreikt. Der Warnstreik endet mit dem Ende des Flugplans gegen 23 Uhr. Insgesamt stehen in München für Montag 350 Abflüge der Lufthansa auf dem Flugplan. „Welche Flüge ausfallen und welche nicht, steht noch nicht fest“, sagt Bettina Rittberger von der Lufthansa in München. „Wir arbeiten momentan am Sonderflugplan.“ Wichtig ist, dass Passagiere, deren Flüge stattfinden, am Montag elektronisch einchecken. Das ist im Internet oder an den Terminals im Flughafen möglich. „Außerdem müssen Fluggäste die Gepäckautomaten verwenden“, erklärt Rittberger. Gepäckautomaten befinden sich in München an Terminal 2 im Norden und Süden. In Nürnberg sind die Beschäftigten lediglich von 4.30 bis 9 Uhr zum Warnstreik aufgerufen. Näheres wird im Sonderflugplan bekannt gegeben.

Kostenfrei umbuchen und stornieren

Passagiere können laut Lufthansa für Montag gebuchte Flüge kostenfrei umbuchen oder stornieren. Innerdeutsch reisende Fluggäste, deren Flüge aufgrund des Warnstreiks gestrichen wurden, können alternativ die Züge der Deutschen Bahn nutzen. Der Tausch funktioniere so: Passagiere wandeln ihr Flugticket in einen Reisegutschein um. Das könnten sie online unter „Meine Buchungen“, an einem Lufthansa-Schalter oder an einem Check-in-Automaten am Flughafen. Nur mit dem Reisegutschein dürften sie in einen Zug steigen, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Passagiere, die es versäumt haben, einen Reisegutschein von Lufthansa zu holen, dürften sich auch auf eigene Faust am Bahnhof ein Zugticket kaufen. Die Airline erstatte den Preis des Bahntickets später, allerdings maximal in Höhe des Flugticketpreises, so ein Sprecher der Lufthansa. Das Geld bekämen sie über den Kundendialog auf der Internetseite der Lufthansa zurück. Er weist darauf hin, dass es in diesem Fall eine Weile dauern könne, bis der Gast sein Geld erhalte.

Lufthansa erwartet Millionenschaden

Die Lufthansa erwartet in Folge des Warnstreiks einen zweistelligen Millionenschaden. „Ein 24-stündiger Warnstreik ist faktisch von seiner Wirkung her ein Vollstreik und vor dem Hintergrund erster Verhandlungsfortschritte eine völlig überzogene Arbeitskampfmaßnahme, die sich definitiv nicht mit dem aktuellen Verhandlungsstand begründen lässt“, sagt Stefan Lauer, Mitglied des Vorstands und Lufthansa-Verhandlungsführer. Die nächste Verhandlung steht am 29./30. April an. Das Unternehmen prüft rechtliche Schritte gegen die Gewerkschaft Verdi.

Verdi fordert mehr Geld und Jobgarantie

Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle kritisierte erneut das am Mittwoch vorgelegte erste Angebot der Lufthansa. Es bedeute für die Beschäftigten mit Entgeltsteigerungen zwischen 0,4 und 0,6 Prozent im ersten Jahr deutliche Reallohnverluste und sei keinesfalls hinnehmbar. Lufthansa verweigere Zusagen zur Beschäftigungssicherung und spiele so mit den Ängsten der Mitarbeiter. Behle verwies auf das Sparprogramm „Score“, in dessen Rahmen in Deutschland 2500 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. „Die Leute haben echte Angst um ihre Arbeitsplätze. Sie brauchen klare Aussagen, dass sie hier noch erwünscht sind“, sagte die Gewerkschafterin.

Lufthansa hatte am Mittwoch die Verdi-Forderung nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld mit einem nach Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gekontert. Über einen Zeitraum von 29 Monaten kämen einzelne Berufsgruppe auf eine Steigerung von über drei Prozent, hatte Verhandlungsführer Lauer erklärt. Jobgarantien macht Lufthansa von strukturellen Änderungen etwa zu längeren Arbeitszeiten und verschobenen Stufensteigerungen abhängig.

von Christian Ebner und Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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