Fluggesellschaften steuern durch anhaltendes Krisen-Gewitter

- Frankfurt - Die internationale Luftfahrt sucht inmitten der immer heftiger aufziehenden Turbulenzen wegen der Lungenkrankheit SARS einen Kurs aus dem schweren Krisengewitter. Mit schnellen Kostensenkungen wollen die Konzerne dem drastischen Einbruch der Buchungen entgegensteuern. Doch auch nach dem Ende der Kämpfe im Irak ist die herbeigesehnte Erholung des Geschäfts nicht in Sicht.

<P>Die flaue Konjunktur lähmt nach wie vor die Nachfrage, es drohen neue Milliardeneinbußen und der Verlust tausender Jobs. Im Jahr zwei nach den Terroranschlägen in den USA bleibt Krisenmanagement Daueraufgabe.<BR><BR>Wenn die Lufthansa an diesem Mittwoch das erste Quartal 2003 bilanziert, müssen sich die Aktionäre auf düstere Zahlen einstellen. Konzernchef Jürgen Weber hat bereits vor einem "unerwartet hohen Verlust" im operativen Geschäft gewarnt. Womöglich drohe nach der hart erkämpften Rückkehr in die schwarzen Zahlen 2002 in diesem Jahr unter dem Strich sogar wieder ein Verlust, warnen die Analysten der HypoVereinsbank.<BR><BR>Selbst Berufsoptimisten wagen nicht mehr, die Lage der Branche schönzureden. "Schlimmer als nach dem 11. September", lautet das Urteil in vielen Konzernzentralen. Auch die Erinnerung an die Marktbelebung nach dem ersten US-Krieg am Golf 1991 taugt nicht mehr als Hoffnung spendendes Beispiel. Die Kombination aus Konjunkturflaute, Terrorangst, Kriegsfolgen und SARS sei eine "einmalige Abfolge von Krisen", sagt Andreas Knorr, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bremen.<BR><BR>Maxime lautet: Retten, was noch zu retten ist<BR><BR>Vor allem die um sich greifende Verunsicherung vieler Kunden wegen der Lungenkrankheit SARS schlägt bei den Fluggesellschaften immer härter aufs Geschäft. Auch die Lufthansa strich ihr Angebot nach Shanghai und Peking zusammen - pro Woche fehlen ihr wegen SARS und der flauen Konjunktur über 50 Millionen Euro in der Konzernkasse.<BR><BR>Dabei waren gerade die Routen nach Asien für etliche Airlines in den vergangenen Monaten die einzig verbliebene stabile Ertragssäule, wie Knorr sagt. Wenn es nicht bald positive Nachrichten im Kampf gegen SARS gebe, könne die Krankheit zu einer massiven geschäftlichen Belastung werden. <BR><BR>Längst lautet die Maxime der Krisenmanager aber: "Retten, was zu retten ist." Die hohen Fixkosten für Maschinen und Personal sollen zumindest vorübergehend herunter, bis Licht am Horizont erscheint. Bei der niederländischen KLM sollen bis zu 3000 Beschäftigte ihre Stellen verlieren, bei Alitalia müssen Flugbegleiter auf Mittel- und Langstreckenflügen gehen. Die Lufthansa lässt 70 von 400 eigenen Jets und bei Partnern am Boden. Die Arbeitszeit des Bodenpersonals wurde mit Lohnabzug reduziert, in den Kabinen gilt Kurzarbeit, und auch die Piloten haben einen Krisenbeitrag zugesagt. Der künftige Konzernchef Wolfgang Mayrhuber will alle Mitarbeiter an Bord halten.<BR><BR>Für so manche etablierte Airline könnte die Lage bedrohlich werden. Bei der angeschlagenen Schweizer Swiss plündern Kunden schon ihre Meilenguthaben. Die kriselnde United Airlines schrieb im ersten Quartal einen Rekordverlust. "Für Wackelkandidaten wird es noch enger", sagt Knorr.</P>

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