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Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg BER

Heute neues Eröffnungsdatum?

Flughafen-Experte: „BER-Termine sind das Papier nicht wert“

Am Freitag soll mal wieder ein neuer Eröffnungstermin für den Pannen-Flughafen BER verkündet werden. Ein Experte zweifelt allerdings, dass dort jemals Maschinen starten werden.

Berlin - Als Fan des Berliner Krisen-Projekts BER ist der streitbare Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa nicht bekannt. Geht es nach ihm, werden an dem einst als Tor zu Deutschland und seiner Hauptstadt geplanten Flughafen wohl nie Passagiere landen. "Jeder Eröffnungstermin ist das Papier nicht wert, auf dem er steht", sagt er. Doch genau einen solchen will die Flughafengesellschaft FBB am Freitag mal wieder verkünden.

Die eine Baustelle soll damit endlich ein Ende finden, dafür tun sich andere auf. Denn wenn die Eröffnung wie erwartet ins Jahr 2020 verschoben wird, bedeutet das, dass an den alten Berliner Flughäfen neue Probleme aufbrechen.

„Engpässe überall“

Faulenbach da Costa 2012 bei der Vorstellung eines Flughafen-Gutachtens

Faulenbach da Costa zufolge wird der innerstädtische Flughafen Tegel durch die Verschiebung des BER die größte Baustelle. Der Planer, der bereits zahlreiche Flughäfen weltweit beriet, stellt dem Flughafen ein "unterirdisches" Zeugnis aus: "Engpässe überall, eine katastrophale Abfertigung und erhebliche Lärmprobleme." Unverantwortlich sei das gegenüber Passagieren und Fluglinien.

Doch trotz der Probleme ist der Planer dagegen, Tegel zu schließen. Dagegen sind auch die Berliner Bürger, die sich im September in einem Volksentscheid für einen Weiterbetrieb ausgesprochen haben, obwohl Tegel rechtlich nur noch bis zu einem halben Jahr nach der Eröffnung des BER laufen darf. Das Argument der Befürworter: Der BER sei für den heutigen Bedarf viel zu klein geplant worden und werde die Flugströme allein nie bedienen können.

Dazu kommt: Wenn der BER erst nach 2019 seine Pforten öffnet, haben die Anwohner Anspruch auf umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen. Das sind Schallschutzfenster, möglicherweise auch eine neue Dämmung.

Insider rechnet mit hunderten Millionen Mehrkosten für Tegel und Schönefeld

Das könnte teuer werden. Der Berliner Senat schätzte vor dem Volksentscheid über Tegel, dass der Lärmschutz etwa 400 Millionen Euro kosten könnte. Ob dem tatsächlich so ist, kann niemand mit Sicherheit sagen, denn erst müssen neue Schallschutzzonen definiert werden. Bis die lärmgeplagten Anwohner tatsächlich Ruhe in der Wohnung haben, können noch Jahre vergehen.

Unmittelbar neben der Großbaustelle BER liegt der zweite funktionsfähige Flughafen Berlins, Schönefeld. Auch dieser, sagt Faulenbach da Costa, sei zu klein.

Zwar soll er für 35 Millionen Euro ausgebaut werden - das seien aber "Peanuts", sagt ein Insider, der anonym bleiben möchte. Dieser Insider trug lange Zeit Verantwortung für die Flughäfen und rechnet damit, dass an beiden Standorten bis zur Eröffnung des BER hunderte Millionen Euro in Sanierung und Modernisierung gesteckt werden müssen.

„Arschkarte gezogen“

Außerdem glaubt er, dass der Fluglärm jeweils zunehmen wird. Bislang nutzten die Fluggesellschaften nämlich nicht zu jeder Zeit die zugelassene Höchstzahl an Flügen. Diese Täler würden in den nächsten Jahren aufgefüllt. Und selbst wenn der BER irgendwann öffnet, sei dort wegen bereits geplanter Erweiterungen bis 2040 "Land unter".

Dass sich das Flughafen-Chaos irgendwann auflösen wird, daran glaubt Faulenbach da Costa nicht mehr: "Das Problem ist, dass Politik und Betreiber alles auf eine Karte setzen - und dabei haben sie die Arschkarte gezogen".

Lesen Sie auch: BER: Noch kein Eröffnungstermin - aber auch der erste Ausbau kriselt schon wieder

AFP

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