Fluglinie zum Preis eines Cappuccinos

Rom - Die erste Verkaufsrunde von Alitalia, bei der die Regierung die Regeln diktierte, ist kläglich gescheitert. Nun bestimmt die Wirtschaft die Regeln des Spiels.

Der derzeitige Sommerschlussverkauf ist in Italien ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem sich vor manchen Läden Schlangen bilden und Kunden wegen Überfüllung nur nach und nach den Laden betreten können. Die dauerhaft defizitäre Fluglinie Alitalia könnte davon nur träumen: Jetzt ist der letzte Interessent aus dem Bieterverfahren ausgestiegen. "Wenn wir Alitalia nicht verkaufen können, bleibt nichts anderes übrig, als alles aufzulösen", sagte Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa, "wir können nicht noch mehr Geld hineinstecken." Noch nie schwebte das Wort "Liquidazione" so knapp über der traditionsreichen Fluglinie, deren ganzer Stolz es ist, den Papst zu Auslandsreisen zu fliegen.

Dass die Insolvenz und daraus folgende Abwicklung von unter anderem 186 Flugzeugen ein realistisches Szenario ist, das hat sich die italienische Regierung, die 49,9 Prozent an Alitalia hält, selbst zuzuschreiben. Der Fehler: Das im Dezember eröffnete Bieterverfahren wurde an marktferne Bedingungen geknüpft, wie etwa eine Beschäftigungsgarantie für die 12 000 Mitarbeiter. Gleichzeitig zeigten die Gewerkschaften ihre Muskeln und verdarben mit Streiks die Vorfreude der Alitalia-Interessenten. Die Folge: Nach und nach zogen die Interessenten ihre Angebote wieder zurück, zuletzt die USFinanzinvestoren MattlinPatterson, zuvor schon Aeroflot und AirOne. Lufthansa und Air France hatten erst gar keine Angebote abgegeben: Erst müsse radikal umstrukturiert werden.

Das lässt sich nun nicht mehr aufhalten, da die Regierung mit dem Scheitern ihres Bieterverfahrens die Karten aus der Hand gegeben hat. Die Börse glaubt offenbar daran, dass Alitalia noch zu retten ist: Dass die Alitalia-Aktie am Tag der Nachricht, dass der letzte Interessent abgesprungen war, "nur" um vier Prozent nachgab, wertete die Wirtschaftszeitung "Il sole 24 ore" als Zeichen dafür, dass der Markt noch an Alitalia glaubt. Zimperlich dürften die Käufer jetzt nicht mehr sein, nun da sich die Regeln des Spiels so zu den eigenen Gunsten geändert haben.

Zurückhaltend sind noch Lufthansa und Air France: Warum sollte man sich mit Alitalia ein marodes Unternehmen antun, wenn mit der spanischen Fluglinie Iberia derzeit ein glänzendes Unternehmen auf dem Markt zu haben ist? Der Kaufpreis von Alitalia, so heißt es, wird symbolisch sein - das staatliche Millionengrab geht wohl für den Preis eines Cappuccino über den Tisch.

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