Flugreisende können erst einmal aufatmen

- München/Frankfurt -­ Urlauber mit Flügen in den kommenden zwei Wochen können beruhigt weiter die Koffer packen: Der angedrohte Streik der Fluglotsen ist vorerst abgewendet. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) entschied, in dem festgefahrenen Tarifstreit ein Schlichtungsverfahren für den Fall vorzubereiten, dass die Gewerkschaft tatsächlich nicht wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt.

Die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD), die als Schlichterin im Gespräch ist, hat dann allerdings eine schwierige Aufgabe: Denn die Gewerkschaft betrachtet das bisherige Angebot als "nicht nur ungenügend, sondern auch unvollständig".

"Egal, wie die Schlichtung ausgeht, am Ende wird es in jedem Fall ein teurer Tarifabschluss", sagte die Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften, Tanja Wielgoß. Die "bereits sehr gut verdienenden Fluglotsen" würden dann noch mehr Geld erhalten, "teilweise im sechsstelligen Bereich". Diese Kosten müssten dann Fluggesellschaften und Passagiere tragen, sagte Wielgoß. Die Gewerkschaft betonte hingegen, dass sie für alle 5300 Mitarbeiter der DFS verhandele: "Im Gegensatz zu einigen hundert Fluglotsen die ­- von der DFS immer wieder so gerne zitierten -­ Spitzengehälter erhalten, handelt es sich dabei zum überwiegenden Teil um normal verdienende Schreibkräfte, Sachbearbeiter, Techniker und andere mehr." Auch Fluglotsen an den weniger belasteten Standorten würden teilweise nur wenig mehr als die Hälfte der Spitzengehälter erzielen. Europaweit betrachtet lägen die Einkommen der Fluglotsen bestenfalls im oberen Mittelfeld, hieß es.

Das Arbeitgeberangebot, die Gehälter rückwirkend ab 1. November um drei Prozent für zwölf Monate zu erhöhen, wäre für die GdF "bei isolierter Betrachtung eine hinreichende Basis für erneute Verhandlungen". Die angebotene Einmalzahlung von 1750 Euro entspreche aber nicht den Vorstellungen der Gewerkschaft.

Sollte es nach Ablauf der 14-tägigen Friedenspflicht trotz Schlichtung zu einem Streik kommen, wäre dies der erste Streik der deutschen Fluglotsen mit Arbeitsniederlegung überhaupt. Die Folgen könnten schwerwiegend sein: In den Jahren 1971 und 1973 führte der sogenannte Bummelstreik der damals beamteten Fluglotsen zu chaotischen Zuständen auf den deutschen Flughäfen. Die Lotsen machten "Dienst nach Vorschrift": Rund 80 000 Maschinen wurden damals verspätet abgefertigt, rund 4,7 Millionen Fluggäste waren von den stundenlangen Verspätungen betroffen. Die Luftfahrtunternehmen bezifferten ihre materiellen Schäden damals auf 223 Millionen Mark (knapp 114 Millionen Euro).

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