Flugzeug-Beihilfen: Streit nur Show

- Hamburg - Boeing contra Airbus: Seit mehr als einem Jahrzehnt ringen Europa und die USA um die Vormachtstellung im Zivilflugzeugbau. Nun gipfelt der Streit um Subventionen in Klagen vor der Welthandelsorganisation WTO. In der öffentlichkeitswirksamen Diskussion vor dem Wahltermin in den USA kommt dabei zu kurz, dass kaum ein Produkt so global produziert wird wie ein Verkehrsflugzeug.

<P>"Die europäische Flugzeugbauindustrie steckt nicht mehr in den Kinderschuhen. Airbus verkauft mehr große Verkehrsflugzeuge als Boeing", argumentierte der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick. Boeing profitiere von versteckten Subventionen im Verteidigungs- und Raumfahrtbereich, kontert die europäische Industrie.<BR><BR>Airbus verkauft inzwischen jährlich rund 300 Flugzeuge und liefert sich mit Boeing damit ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Vor gut 25 Jahren war es noch ein Bruchteil davon.<BR><BR>Doch mit einfachem Aufrechnen der Flugzeugverkäufe ist es kaum getan: Wie komplex die Diskussion um Subventionen ist, zeigt die globale Wertschöpfung im Flugzeugbau. Ein Airbus ist kein rein europäisches Flugzeug, eine Boeing kein rein amerikanisches Produkt.<BR><BR> So stammen 35 Prozent des Bauanteils an der Flugzeugzelle der neuen Boeing 7E7 für Mittel- und Langstrecken aus Japan. <BR><BR> Das Regionalflugzeug Boeing 717 wird von Triebwerken des britischen Rolls-Royce-Konzerns angetrieben - gefertigt werden diese in Dahlewitz bei Berlin. <BR> Wenn der erste Airbus A380 zum Start rollt, sichert er auch Arbeitsplätze in Nordamerika. Das Fahrwerk des Giganten stammt vom US-Zulieferer Goodrich. <BR> Geht das Licht in der Kabine einer Boeing 777 an, steckt Technik des deutschen Spezialisten Diehl dahinter.<BR></P><P align=center><BR><BR>Nicht nur auf Grund der globalisierten Struktur an Zulieferern ist ein isolierter Vergleich zwischen Boeing und dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS mit seiner Tochter Airbus schwierig. EADS und Boeing bieten als integrierte Konzerne inzwischen jeweils eine Produktpalette vom Kampfflugzeug bis zur Weltraumrakete. Deshalb ist auch die Frage kompliziert, wofür Zuschüsse verwendet werden: Vom neuen Werkstoff aus der Raumfahrt kann beispielsweise ebenso der zivile wie der militärische Flugzeugbau profitieren.<BR><BR>Der Erfolg von Airbus gerade in den letzten Jahren beruht aber kaum noch auf staatlichen Zuschüssen, zumal Airbus Rückzahlungen geleistet hat. Im Markt der Fluggesellschaften zählt heute vor allem, viele Passagiere für wenig Geld zu transportieren. So kann Airbus punkten. Dies begann mit dem A320 und der elektronischen Flugsteuerung Ende der 80er-Jahre: Per Computer wird das Flugverhalten unterschiedlich großer Jets angepasst. Kostspielige Schulungen fallen weg - Piloten sind flexibler und kostengüstiger einsetzbar.<BR><BR>Während Airbus seit Ende der 80er-Jahre fast alle fünf Jahre ein neues und weiterentwickeltes Produkt auf den Markt brachte, setzte Boeing nach Einschätzung von Kritikern zu lange Zeit auf bewährte Baureihen wie 737 und 747. Ein sehr erfolgreicher Innovationsfortschritt war Mitte der 90er-Jahre die Boeing 777.<BR>Der Jet ist heute eines der beliebtesten Modelle des Unternehmens. Mit der neuen Boeing 7E7 will man an diese Erfolge anknüpfen. Der Jet soll 2003 dem Airbus A330 Konkurrenz machen.</P><P><BR> </P><P align=center> </P>

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