Flut von historischen Wertpapieren kann die Sammlerpreise drücken

- Der "Reichsbankschatz" kommt unter den Hammer: Die ersten von 30 Millionen Alt-Aktien aus der Zeit vor 1945, die zu DDR-Zeiten überwiegend in Tresoren der ehemaligen Reichsbank lagerten, werden nach jahrelangem Sichten, Sortieren und Prozessieren Ende Juni versteigert. Die Auktion für die in der Sammlerszene heiß begehrten Reichsmark-Aktien gilt als eine der größten Versteigerungen historischer Wertpapiere in Deutschland.

<P>Das Finanzerbe schlummerte zu DDR-Zeiten lange vor sich hin. Auch nach der deutsch-deutschen Währungsunion dauerte es fast 13 Jahre, bis der "Reichsbankschatz" gehoben werden konnte. Die historischen Wertpapiere, die von der DDR übernommen worden waren, lagerten bis vor einigen Jahren in den meterdicken Tresoren der früheren Reichsbankzentrale in Berlin, wo heute das Auswärtige Amt residiert. An der Börse sind die Papiere, darunter 26 Millionen Stück Reichsmark-Aktien, nichts mehr wert. Bei Sammlern sind Stücke wie etwa eine Stammaktie der Daimler-Benz AG dagegen gefragt.</P><P>Zu Kriegsende lagerten von den bis dahin in Deutschland ausgegebenen 40 Millionen Aktien 26 Millionen bei der Reichsbank. Aktien von Firmen, die bis Mitte der 60er-Jahre ihren Sitz nach Westdeutschland verlagerten, fielen unter die dortige Wertpapierbereinigung. In Ostdeutschland wurden alle Wertpapiere in den Depots der nach dem Krieg geschlossenen Banken blockiert, aber nicht konfisziert. Die in der Reichsbank lagernden Papiere überdauerten im Ostteil Berlins die Nachkriegszeit und die DDR.</P><P>Mit der deutschen Einheit gingen die Eigentumsrechte an das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen. Das musste zunächst Ansprüche berechtigter Inhaber oder Rechtsnachfolger klären. Vor einer Verwertung der Alt-Aktien mussten also die Werte aussortiert werden, die von Alteigentümern beansprucht wurden.</P><P>Die Antragsfrist endete zwar bereits vor acht Jahren. Dennoch zog sich die Bearbeitung der etwa 4500 Anträge bis heute hin. Schließlich gab es teils Widersprüche und gerichtliche Auseinandersetzungen. Bis auf einen kleinen Rest sei alles abgearbeitet, heißt es heute. Was übrig blieb, kann nun zu Gunsten des Entschädigungsfonds verwertet werden. Aus diesem werden Alteigentümer entschädigt, die ihre in der DDR verlorenen Vermögenswerte nicht zurückerhalten können.</P><P>Um die Versteigerung hatten sich mehrere Auktionshäuser beworben. Den Zuschlag unter fünf Bewerbern hat vor Monaten das Frankfurter Auktionshaus Busso Peus Nachf. erhalten, nach eigener Aussage Deutschlands älteste Münzhandlung.</P><P>Sammler historischer Wertpapiere dürften die Details der Versteigerung aufmerksam verfolgen, befürchten doch nicht wenige einen Preisverfall. In der ersten Auktion am 28. Juni werden "Großemissionen" angeboten. Das sind Wertpapiere, von denen jeweils mindestens 1000 Stück vorhanden sind. Neben Großposten werden auch, nach Branchen und regional gegliedert, Sammlerlots zusammengestellt. </P><P>Es handelt sich insgesamt um 2150 Emissionen von knapp 900 Emittenten. In dieser ersten Versteigerung sollen etwa 12 Millionen Papiere zum Aufruf kommen - von der A. Doehner AG aus Chemnitz bis zur Zwickauer Stadtbank AG. Etwa die Hälfte davon sind Anleihen, die andere Hälfte Aktien. Nach der ersten Auktion soll es eine Pause geben, um den Sammlermarkt nicht zu sehr zu belasten. Was die Auktion am Ende in die Kasse spülen wird, ist derzeit aber völlig offen.<BR><BR></P>

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