EZB flutet Geldmarkt

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Frankfurt (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Geldmarkt zur Vermeidung von Spannungen zum Jahreswechsel nach Einschätzung von Experten regelrecht geflutet.

In ihrem vorsorglich über das Jahresende hinaus verlängertem Refinanzierungsgeschäft (Refi) seien dem Bankensystem der Eurozone 348,6 Milliarden Euro zugeteilt worden, teilte die EZB am Dienstag in Frankfurt mit. Die Zuteilung übertraf damit die für eine problemlose Erfüllung der Mindestreservepflichten der Banken erforderliche Benchmark-Zuteilung von 180,5 Milliarden Euro deutlich. Die Sätze für Zweiwochen- und Monatsgelder gaben spürbar nach.

"Das ist eine sehr gelungene Aktion", sagte Geldhändler Ronald Tharun von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Die Mehrzuteilung von 168 Milliarden Euro sei ein "klares Wort". Die Banken hätten sich entsprechend breit und umfangreich eingedeckt. Bereits mit der Ankündigung des unlimitierten Mengentenders mit einem Zinssatz von 4,21 Prozent hatte die Notenbank am Vortag das Risiko kurzfristig aus dem Markt genommen.

Während vor der Aktion für Monatsgelder noch 4,95 Prozent bezahlt werden mussten, sei dieser Satz nach der Aktion auf 4,45 Prozent zurückgegangen. Der Satz für Zweiwochengeld liege nun nahe 4,21 Prozent. "Das ist eine deutliche Entspannung", sagte Tharun. Die EZB dürfte dem Markt einen Großteil der überschüssigen Liquidität aber rasch wieder entziehen.

Die EZB will mit der Maßnahme nach Einschätzung von Experte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank Liquiditätsengpässe zum Jahresende neutralisieren. In den längeren Laufzeiten ab einem Monat sind die Auswirkung aus Sicht von LRP-Experte Tharun am Geldmarkt unterdessen deutlich moderater. Hier zeige sich die Vertrauenskrise unter den Banken weiter. Auch Hellmeyer zeigte sich mittelfristig weiter skeptisch: "Mit hoher Liquiditätsvergabe lassen sich Symptome kurieren." Die strukturellen Ursachen des Problems ließen sich mit Liquidität aber nicht bereinigen.

Der Durchschnittszins des Refigeschäfts lag wie in der Vorwoche bei 4,21 Prozent. Der Marginalsatz - der niedrigste Satz, zu dem noch Gebote angenommen werden - lag ebenfalls bei 4,21 Prozent. Es gab insgesamt 390 Bieter. Der neue Tender läuft wie bereits angekündigt nicht nur über eine, sondern über zwei Wochen und endet am 4. Januar 2008.

Führende Notenbanken der Welt hatten am vergangenen Mittwoch in einer konzertierten Aktion Maßnahmen zur Minderung der Spannungen an den Geldmärkten angekündigt. An der Aktion beteiligt sind die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England (BoE), die Schweizerische Nationalbank (SNB) sowie die Bank of Canada (BoC).

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