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Josef Pellmeyer (62) in seiner Biogasanlage.

Betriebe fürchten um Existenz

Förderung läuft aus: Biogas-Branche in der Krise

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Bis vor Kurzem boomte die Biogas-Branche, inzwischen sorgen sich viele Betreiber um ihre Zukunft. Denn bald läuft die Förderung für die Anlagen aus. Josef Pellmeyer (62) ist einer der Betroffenen.

In ein paar Monaten muss er investieren, ein Motor gehört ausgetauscht, sündteuer – aber wenn die Anlage weiterlaufen soll, muss es sein. Pro installiertem Kilowatt (kw) Leistung rechnet Josef Pellmeyer mit 600 Euro. Bei den 550 kw seiner Anlage kommt da ein ganz schöner Batzen Geld zusammen. Der 62-Jährige sagt, die Hoffnung sterbe ja immer zuletzt. Aber manchmal fragt er sich trotzdem: Lohnt ein neuer Motor überhaupt noch?

Pellmeyer ist ein Biogas-Pionier. 1996 baute der Landwirt auf dem Hof in Eggertshofen (Kreis Freising) seine Anlage und liefert seitdem Strom an die Stadtwerke Freising. Gastronomen, Brauereien, Großbäckereien beliefern ihn mit organischen Abfällen. In luftdichten Behältern bauen Bakterien die Biomasse ab und setzen sie in Biogas um, das wiederum einen Motor mit Generator antreibt. So versorgt Pellmeyer 1200 Haushalt mit erneuerbarer Energie. Dabei gewinnen alle.

Es gibt aber einen Haken: Im Moment bekommen die Betreiber von Biogasanlagen einen Festpreis pro Kilowattstunde – im Schnitt so etwa 13 Cent. Die Regelung wurde im ersten Erneuerbare-Energien-Gesetz aus dem Jahr 2000 auf 20 Jahre festgeschrieben, 2020 läuft sie also für die ersten Anlagen aus. Möglich, dass dann der Markt die Biogaspreise regelt. Im Moment kostete die Kilowattstunde Strom drei Cent. Damit könnte Pellmeyer seine Anlage nicht mehr rentabel betreiben: „Ich müsste meine Anlage vom Netz nehmen.“

Deshalb überlegt der Eggertshofener, ob sich der neue Motor noch lohnt, denn was er jetzt investiert, hat er bis 2020 nicht raus. Und deshalb brennt ihm das Thema schon heute unter den Nägeln, nicht erst in ein paar Jahren. Er ist längst nicht der einzige.

2360 Biogasanlagen gibt es allein in Bayern, so viele wie in keinem anderen Bundesland. Bei der Leistung ist nur Niedersachsen stärker, weil dort die größeren Anlagen stehen. Vor allem Landwirte setzen auf Biogas, für viele von ihnen ist es zu einem wichtigen zweiten Standbein geworden. „Jetzt stehen viele vor der Frage, ob sie abschalten oder nicht“, sagt Andrea Horbelt vom Fachverbands Biogas. Wartung und Instandhaltung der Anlagen sind teuer. Außerdem stehen viele vor der Frage, ob sie ihre Anlagen modernisieren und etwa mit Speichertechnologien aufrüsten. Aber wenn die Förderung eh ausläuft, warum dann noch Geld reinstecken?

Die Sache ist verzwickt, eigentlich steht die Branche ganz gut da. Denn Biogas hat zwei große Vorteile: Die Technik produziert kaum CO2. Außerdem lässt sich Strom unabhängig vom Wetter erzeugen – anders als bei Photovoltaik oder Windkraft. Das sprach sich schnell herum, jahrelang boomte die Branche. Noch 2011 kamen deutschlandweit 1499 Anlagen hinzu. Laut Wirtschaftsministerium macht Biogas in Bayern ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energien aus. Deutschlandweit sind es ein Drittel. 

Viele Landwirte setzen auf Biogas – sie gleichen so die schlechten Milchpreise aus

Für 2015 rechnet der Fachverband Biogas mit nur noch 202 Neubauten – wegen der schlechten Zukunftsaussichten. „Keine Anlage kann für drei Cent Strom produzieren“, sagt Christian Rinser. „Keine einzige.“ Der 45-Jährige ist wie Pellmeyer Landwirt. Auf seinem Hof in Schechen (Kreis Rosenheim) hält er 50 Milchkühe. Außerdem betreibt er eine kleine Biogasanlage, von der die Stadtwerke Rosenheim bei Bedarf Strom abzapfen können. Die Einnahmen sind extrem wichtig für ihn: „Sie gleichen den schlechten Milchpreis aus.“

Rinser glaubt an den Nutzen der Biogas-Technologie. Er weiß aber auch, dass ihr Image nicht restlos positiv ist. Immer wieder gibt es Fälle, in denen etwa Gülle aus großen Anlagen läuft und Gewässer verschmutzt. Außerdem verarbeiten viele Anlagen Nahrungsmittel, vor allem Mais. Eine Zeitlang wurde massenweise Mais angebaut, um die hungrigen Anlagen am Laufen zu halten. Das vergrößerte den CO2-Ausstoß und führte außerdem zu Monokulturen. „Manches ist da aus dem Ruder gelaufen“, sagt Rinser.

Dass Biogasstrom inzwischen politisch einen schweren Stand hat, liegt aber vor allem daran, dass er vergleichsweise teuer ist. Das führte bei der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2014 dazu, dass die Technik hinten runter fiel. Denn damals sollten die Kosten für die Energiewende eingedämmt werden.

2016 wird das EEG wieder überarbeitet. Offenbar hat sich inzwischen auch politisch etwas bewegt. Der Bundesrat hat Ende Dezember die Bundesregierung dazu aufgerufen, 2016 neue Perspektiven für Biogas zu schaffen. Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium favorisiert anscheinend ein Ausschreibungsmodell für den Strompreis. Der Fachverband Biogas hält aber Abstufungen für unverzichtbar, die kleinen Anlagen Sicherheit gibt. Anderenfalls gewinnen die großen, sagt Andrea Horbelt. „Und die kleinen fallen hinten runter.“

Pellmeyer will nur eines: eine schnelle Lösung. „Wir brauchen ein Instrument, das uns die Sicherheit gibt, investieren zu können“, sagt er. Kommt es anders, dann gehen bei seiner Anlage wohl am 31.12.2020 die Lichter aus.

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