Folge der Krise: Urlaub in Deutschland ein Hit

- Trier - Deutsche Reiseziele werden in diesem Sommer nach Einschätzung des Tourismus-Forschers Martin Fontanari ihren Marktanteil um rund acht Prozentpunkte auf 38 Prozent steigern. Der Wert klettere damit auf das Niveau von Mitte der 80er-Jahre, zu Lasten der Ferien im Ausland.

<P>"Die Angst vor Terror und der Lungenseuche SARS hat sich klar niedergeschlagen", sagte der Direktor des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) in Trier . Insgesamt verzeichne die Branche aber einen Buchungsrückgang. Machten vor den Krisen noch rund 70 Prozent der Deutschen Urlaub im Ausland, sei der Wert auf etwa 62 Prozent zu Gunsten deutscher Ziele zurückgegangen. Bei den Auslandszielen lägen Spanien und Italien vorn.</P><P>Außerdem wollten viele sparen, etwa bei den Flugkosten. "Klar im Trend liegen deshalb günstige Ferien, alles, was mit dem Auto oder der Fähre erreichbar ist, Luxusurlaube sind out." Gebucht werde immer häufiger kurzfristig, sagte Fontanari mit Blick auf die Sommerferien. </P><P>"Die Bevölkerung in Hamburg, Berlin und Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ist etwa besser dran als der Rest der Republik, weil sie nicht in die vielerorts restlos ausgebuchte Zeit kommen." Am 19. Juli beginnen überall sonst zeitgleich die Ferien.</P><P>Besonders Ferienanbieter an Ostsee und Nordsee könnten die Nachfrage nicht befriedigen. "Weil die Ferien nicht mehr so lang gestreckt sind, werden viele Anbieter heftige Einbußen beklagen."</P><P>Und auch der Urlauber selbst sei in diesem Sommer besonders sparsam. "Er gibt pro Jahr im Schnitt rund 800 Euro für Urlaub aus, dieses Jahr wird der Wert wohl nicht erreicht." Allerdings zeichne sich ab, dass Herbst- und Winterangebote auch im teuren Segment wieder gut gebucht würden.</P><P>Der Tourismus-Experte sieht zudem in diesem Sommer einen starken Zulauf in Grenzregionen und in der Wellness-Branche. "Hier ist man wie im Erzgebirge, an der Mosel oder in der Pfalz in landschaftlich schönen Gebieten und kann trotzdem ins Ausland nach Tschechien oder Frankreich, um etwas für das Fernweh zu tun", sagte Fontanari. Das Geschäft mit den Fernreisen sei - wie erwartet - rückläufig. "Trotz SARS-Entwarnung trauen die Menschen dem Frieden nicht."</P><P>Die Lage sei eine große Chance für innerdeutsche Reiseziele. "Mit familienfreundlichen Paketen zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis kann der Inlandstourismus dauerhaft eine neue treue Klientel gewinnen", betonte Fontanari. Er warb für mehr wetterunabhängige Angebote, bessere Kinderbetreuung und interessante Themenwelten und vor allem für eine verbesserte Buchbarkeit von Urlaub im Internet. "Besonders ländliche Regionen sollten auf Sicherheit und die schnelle Erreichbarkeit ohne Flugzeug aufmerksam machen."</P><P> </P>

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