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Ein gutes Stück vom Gewinn schneiden sich viele Fondsgesellschaften ab. Anleger sollten sich daher schon vor dem Kauf genau über die laufenden Gebühren informieren.

Fonds als Geldanlage: Vorsicht vor versteckten Kosten

München - Für Privatanleger können gemanagte Investmentfonds leicht zur Kostenfalle werden. Dutzende verschiedene Gebühren hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen jetzt bei der Untersuchung der 50 größten in Deutschland zugelassenen Fonds entdeckt.

„Die Praxis mancher Fonds ist schlicht Abzocke, denn die Gebühren sind in den Verkaufsprospekten gut versteckt und zudem in kompliziertem Juristendeutsch verfasst“, sagt Finanzexperte Holger Handstein von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Und in den verbraucherfreundlich aufgemachten Produktblättern tauchten viele Gebühren ebenso wenig auf wie in den Internet-Finanzportalen. Die tatsächliche Gesamtbelastung könne der Anleger zudem selbst nicht ermitteln.

Unübersichtlicher Gebühren-Dschungel

Neben den bekannten Gebühren wie Ausgabeaufschlag (bis zu fünf Prozent) und Verwaltungsgebühr (bis zu zwei Prozent) und Transaktionskosten bei Umschichtung im Fonds haben die Gesellschaften eine Vielzahl weiterer Gebühren eingeführt. „Der Fantasie sind bei den sonstigen Kosten kaum (rechtliche) Grenzen gesetzt“, heißt es bei der Verbraucherzentrale. So wird teilweise nicht nur ein Ausgabeaufschlag beim Kauf erhoben, sondern auch eine Gebühr bei Rückgabe der Anteile. Und wenn ein Fonds durch den Verleih von Wertpapieren Geld einnimmt, wird auch dafür oft eine Gebühr verlangt. Die Gesamtkostenquote TER (Total Expense Ratio), die bei allen Fonds angegeben werden muss, hilft dem Anleger nicht, denn sie berücksichtigt nur einen Teil der tatsächlichen Kosten (siehe letzter Abschnitt).

Erfolgsgebühr auch bei Verlust

Darüber hinaus verlangen die Gesellschaften häufig eine Erfolgsgebühr, die sogenannte Performance Fee. Schneidet ein aktiv gemanagter Fonds besser als ein vorher festgelegter Vergleichsindex ab oder übersteigt er eine bestimmte Prozentmarke, wird dem Anleger eine Erfolgsbeteiligung in Rechnung gestellt, die bis zu einem Viertel des Mehrerlöses betragen kann. Ein Beispiel: Die Performance Fee ist auf 20 Prozent festgesetzt. Der Kunde hat 20 000 Euro angelegt. Der Fonds hat in diesem Jahr sechs Prozent Plus gemacht, der Vergleichsindex nur vier Prozent. Die Differenz von zwei Prozent bei der Rendite entspricht 400 Euro – davon bekommt die Fondsgesellschaft allerdings 80 Euro (20 Prozent).

Die Performance Fee kann sogar bei einem Verlust des Fonds fällig werden. Musste der Vergleichsindex beispielsweise ein Minus von zehn Prozent hinnehmen, der Fonds aber nur sechs Prozent, dann lässt sich die Gesellschaft bezahlen, dass ihr Fonds nicht so schlecht abgeschnitten hat wie andere.

„Bei der Berechnung der Performance Fee wird viel getrickst“, sagt Thomas Krüger vom Magazin „Finanztest“ der Stiftung Warentest. Verluste in der Vergangenheit würden nicht berücksichtigt. Außerdem gibt es den Brutto-Netto-Trick, bei dem alle Kosten in die Berechnung der Erfolgsbeteiligung mit einbezogen werden. „Häufig wird unfairerweise die Performance Fee einfach am Bruttoertrag ausgerichtet, also vor Abzug der Verwaltungskosten“, sagt Krüger.

Nur beim Kauf lässt sich sparen

Wer beim Fondskauf sparen will, dem raten Experten zum Kauf über einen Fondsvermittler oder eine Direktbank, denn dabei ist der Ausgabeaufschlag häufig stark ermäßigt oder entfällt ganz. Wer den Kauf über seine Hausbank laufen lassen will, der kann auch direkt an der Börse kaufen. Statt des Ausgabeaufschlags werden dann Kaufgebühren und Spesen fällig, die meist zwischen 1,5 und 3 Prozent liegen. Die genaue Höhe ist abhängig davon, welche Gebühren die Bank für Börsenorders berechnet.

Eine weitere Möglichkeit zum Sparen ist der Kauf börsengehandelter Indexfonds, der sogenannten ETFs. Sie werden nicht aktiv gemanagt, sondern bilden einen Index wie beispielsweise den Dax ab. Sie kosten keinen Ausgabeaufschlag, die laufenden Gebühren betragen meist unter 0,5 Prozent jährlich, allerdings hat die Verbraucherzentrale auch hier versteckte Gebühren entdeckt.

Hohe Kosten drücken Rendite

„Bei der Fondsanlage ist der Anlageerfolg in der Regel eng mit den Kosten verbunden“, sagt Finanzexperte Handstein. Verursacht ein Aktienfonds jährliche Kosten von zwei Prozent und erwartet der Anleger eine Rendite nach Kosten von fünf Prozent, dann muss der Fonds immerhin sieben Prozent Gewinn erwirtschaften. Bei einem günstigeren ETF mit 0,5 Prozent jährlichen Kosten sind es hingegen nur 5,5 Prozent. „Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass günstigere Fonds sich über längere Zeiträume tatsächlich besser entwickeln als teure“, sagt Handstein. Deshalb sollten Anleger immer auf den Ausgabeaufschlag und die übrigen laufenden Kosten achten. „Denn die sind entscheidend, egal, was der Bankberater dem Kunden erzählt“, betont der Experte.

Gesamtkostenquote wenig aussagekräftig

Die sogenannte Gesamtkostenquote TER (Total Expense Ratio) bezeichnet in der Fondsbranche die Kosten eines Investmentfonds. Sie wird in Prozent des durchschnittlichen Fondsvolumens angegeben und beinhaltet verschiedene Verwaltungsgebühren, die innerhalb eines Jahres bei dem Fonds angefallen sind. Seit 2004 sind die Gesellschaften gesetzlich verpflichtet, die Gesamtkostenquote TER anzugeben, um Anlegern dadurch die Vergleichbarkeit von Fonds zu erleichtern.

2010 betrug die durchschnittliche Gesamtkostenquote nach Angaben des Bundesverbandes Investment und Asset Management für Aktienfonds Welt 1,59 Prozent, für Aktienfonds Deutschland 1,7 Prozent, für Rentenfonds Euro 0,81 Prozent und für aktienbetonte Mischfonds Welt 1,51 Prozent.

Kritiker bemängeln jedoch, dass viele Kosten in den Angaben nicht berücksichtigt werden. Produziert ein Fondsmanager beispielsweise Kosten durch häufigen Kauf oder Verkauf von Aktien, fließen diese nicht in die TER ein. Das gilt auch für den Ausgabeaufschlag und die erfolgsabhängige Vergütung (Performance Fee). Nach Ansicht von Verbraucherschützern sollten sich Anleger daher nicht auf die TER verlassen, zumal sie von Jahr zu Jahr stark schwanken kann.

Von Manfred Rolfsmeier

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