Fonds übers Börsen-Parkett billiger

Geldanlage: - Es geht schneller und es ist meist billiger als der traditionelle Weg über den Bankschalter oder die Fondsgesellschaft. Wer sich Fonds ins Depot legen will, kann sich seit einiger Zeit über die Börse mit Anteilen eindecken.

"Die Sparmöglichkeiten sind beträchtlich", betont Roland Aulitzky, Börsenexperte von "Finanztest" in Berlin. Bislang wissen allerdings nur die wenigsten Kunden darüber Bescheid. Aktien- und Rentenfonds, Immobilien- oder Dachfonds und andere mehr sind inzwischen an sechs deutschen Börsenplätzen handelbar, in Berlin-Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart.

Bis vor zwei, drei Jahren war das in dieser Breite noch nicht der Fall. Das Angebot reicht von gut 100 Fonds in Stuttgart bis zu etwa 3300 in Hamburg. Wo der Anleger ordert, ist eher zweitrangig. Kleine Preisunterschiede beim Kurs hängen vor allem von der Tageszeit ab, nicht so stark von der Börse, wie Aulitzky erläutert.

Nutzbar ist der günstige Orderweg von jedem, der sonst einen hohen Ausgabeaufschlag, also eine Kaufgebühr, für einen Fonds zahlen müsste. Der fällt beim Börsenkauf nämlich komplett weg. Das Platzieren der Bestellung funktioniert so, wie es der Anleger von anderen Wertpapieren her kennt - also entweder von zu Hause aus über eine Online-Bankverbindung, telefonisch oder am Schalter bei der Hausbank.

Ob sich der Börsenkauf lohnt, ist vor allem von der Höhe des normalerweise verlangten Ausgabeaufschlags abhängig. Beim Ordern in der Filialbank um die Ecke liegen die Kosten für die Transaktion bei den meisten Produkten bei stolzen fünf Prozent. Auch wer bei Fondsgesellschaften direkt anklopft, muss ähnlich hohe Kaufgebühren bezahlen. Rabatte von 25 oder 50 Prozent und mehr sind von Discountbanken zu bekommen. Auch bei freien Vermittlern oder Fondsshops im Internet gibt es Nachlässe. Bei Fonds, die ganz ohne Kaufgebühr zu haben sind, lohnt sich die Bestellung über die Börse von vornherein nicht.

"Man kann viel sparen, muss aber ein wenig rechnen", meint Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Denn beim Kauf via Börse müssen zwar keine Mindestanlagesummen wie sonst häufig üblich beachtet werden. Es wird auch kein Ausgabeaufschlag fällig. Dafür muss man andere Kosten im Kalkül haben.

Beim Börsenkauf werden Gebühren von etwa 0,08 Prozent des angelegten Geldes verlangt. Dazu kommt, dass die Bank, über die die Transaktion abgewickelt wird, auch noch Ordergebühren in Rechnung stellt. Und die können von Geldhaus zu Geldhaus sehr unterschiedlich ausfallen. Mit dem Kostenrechner der Hamburger Börse (www.fondsboerse.de) kann man prüfen, ob sich für ausgesuchte Fonds der Kauf über die Börse lohnt.

Grundsätzlich gilt folgende Faustregel: Je mehr Geld in den Fonds angelegt wird, desto billiger kann ein Kauf über die Börse werden. Bei einer Investition von 10 000 Euro kann man so beispielsweise gut 400 Euro sparen, haben Experten von "Finanztest" berechnet.

Außerdem hat der Kunde an der Börse den Vorteil, limitierte Kauf- oder Verkaufsaufträge abzugeben, wie bei Aktien auch. Dann wird die Order nur bis zu einem gewünschten Preis ausgeführt.

Ein weiteres Plus: Der Börsenkauf geht schnell, innerhalb weniger Minuten. So weiß der Käufer gleich, bei welchem Kurs er eingestiegen ist. Der sonst übliche Weg dauert mindestens zwei bis drei Tage. Oft ärgern sich Kunden dann, dass sie teurer als beabsichtigt einkaufen mussten.

Wer keinen Internetzugang hat, kann einen Bankmitarbeiter bitten, den Fonds günstiger über die Börse zu kaufen. Bei Orders über 2500 Euro würden dann meist viel weniger Gebühren fällig, weiß auch Straub. Allerdings spielen nicht alle Bankhäuser dabei mit. Einige lassen Börsenorders nicht zu. Beim Verkauf von Fondsanteilen ist der Weg übers Parkett dagegen nur eingeschränkt empfehlenswert. Die Handelsgebühren müssen in jedem Fall wieder bezahlt werden. Einziger Vorteil: Man kann sich bei einem Kurseinbruch innerhalb weniger Minuten von dem Posten im Depot trennen. Eine Rückgabe über die Fondsgesellschaft kann wiederum Tage dauern. Dafür ist sie bei den meisten Banken kostenlos.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Korruptionsverdacht: Lettlands Zentralbankchef festgenommen
Erst Durchsuchung, dann Festnahme: Lettlands Anti-Korruptionsbehörde geht gegen den Zentralbankchef des Landes vor. Zu den genauen Gründen für die Ermittlungen gegen das …
Korruptionsverdacht: Lettlands Zentralbankchef festgenommen
Korruptionsverdacht: Lettlands Zentralbankchef festgenommen
Erst Durchsuchung, dann Festnahme: Lettlands Anti-Korruptionsbehörde geht gegen den Zentralbankchef des Landes vor. Zu den genauen Gründen für die Ermittlungen gegen das …
Korruptionsverdacht: Lettlands Zentralbankchef festgenommen
Bundesverband der Deutschen Industrie besorgt wegen möglicher US-Strafzölle auf Stahlimporte
BDI-Präsident Dieter Kempf befürchtet angesichts angedrohter US-Zölle auf Stahlimporte negative Folgen für die Exportnation Deutschland.
Bundesverband der Deutschen Industrie besorgt wegen möglicher US-Strafzölle auf Stahlimporte
USA erwägen hohe Strafzölle für Stahlimporte
Die USA wollen nicht länger Dumpingpreise akzeptieren, mit denen vor allem China seinen Stahl in den Markt drückt. Strafzölle könnten die Folge sein. Die würden auch …
USA erwägen hohe Strafzölle für Stahlimporte

Kommentare