Fonds mit Vor- und Nachteilen

München - Mit Investmentfonds, ETFs oder Zertifikaten kann heute jeder privat für das Alter vorsorgen. Doch nur wer die Vor- und Nachteile dieser Produkte kennt, kann sie auch richtig einsetzen.

Wer Anfang 1991 den Betrag von 10 000 Euro in aktiv gemanagte Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland investiert hat, kann sich heute freuen. Nach Berechnung des BVI Bundesverbandes Investment und Asset Management wurden daraus bis Ende 2011 stattliche 33 510 Euro. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von 6,2 Prozent. Sparen lohnt. Vor allem konsequentes Sparen. Wer das plant, dem stehen heute eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung. So gibt es neben aktiv gemanagten Investmentfonds auch Indexzertifikate oder so genannte Exchange Traded Funds (ETFs), börsennotierte Indexfonds.

Zertifikate und ETFs

Zertifikate und ETFs bieten im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds, bei denen ein Fondsmanager die Auswahl der Einzeltitel vornimmt, die Möglichkeit, passiv in die Wertentwicklung eines Index zu investieren. Eine interessante Alternative, wie eine Berechnung des Deutschen Aktieninstituts zeigt. Denn wer 1991 einfach nur in den Deutschen Aktienindex Dax investiert hätte, hätte bis Ende 2010 eine jährliche Rendite von 8,1 Prozent erzielt – mehr als mit aktiv gemanagten Deutschland-Aktienfonds. Der Grund? „Wegen der höheren Kosten schneidet die Mehrzahl der aktiv gemanagten Produkte in der Regel schlechter ab als der jeweilige Vergleichsindex“, sagt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau.

Aktienfonds

Beispiel Aktienfonds Deutschland. Laut Morningstar gibt es derzeit 77 aktiv gemanagte Aktienfonds mit Schwerpunkt deutsche Standardwerte. Davon konnten auf Sicht von drei Jahren 32 Fonds den Vergleichsindex nach Kosten schlagen – der Mehrzahl aber gelang dies nicht. Auf Sicht von zehn Jahren gelang es von 55 Fonds lediglich 17 Produkten besser abzuschneiden – weniger als ein Drittel. Im Vergleich dazu entwickeln sich passive Investments, da unter anderem die Managementgebühren entfallen und die Kosten deshalb niedriger sind, in der Regel ähnlich wie der zugrunde liegende Index.

Vorteil Kosten

Genau das kann sich im Anlageergebnis positiv niederschlagen, wie eine Berechnung des Fondsanalysehauses Morningstar verdeutlicht. Sie vergleichen ein passives Produkt, bei dem die Gesamtkosten bei 0,37 Prozent liegen, mit einem Aktienfonds, dessen Gebühren 1,75 Prozent betragen. Beide, so die Annahme, starten mit 10 000 Euro und erzielen acht Prozent Rendite pro Jahr. Nach zehn Jahren ergibt sich für den passiven Fonds ein Ergebnis von 21 861 Euro, beim Aktienfonds wären es 18 335 Euro – also rund zwölf Prozent weniger.

Noch signifikanter wird der Unterschied nach 30 Jahren. Das passive Produkt kommt hier bei gleichbleibenden Annahmen auf einen Ertrag von 90 782 Euro, das teurere Anlagevehikel aber nur auf 61 641 Euro. Doch gibt es für Anleger auch bei ETFs und Indexzertifikaten einiges zu beachten.

Anlage genau prüfen

So sollten Anleger bei Indexzertifikaten zum Beispiel prüfen, ob diesen ein Kurs- oder ein Performanceindex zugrunde liegt. „Nur bei Performance-Indizes profitieren Anleger von Dividendenzahlungen“, sagt Experte Beck. Dazu kommt, dass passive Produkte stets zu 100 Prozent investiert sind. Anders als bei aktiv gemanagten Fonds, wo der Manager in schwierigen Marktphasen auch Kassenbestände halten kann. Zudem gilt grundsätzlich, „dass Anleger bei passiven Investments selbst die Verantwortung für ihre Anlageentscheidung übernehmen“, sagt Simon Noeth, Fondsanalyst von Morningstar.

Eigen-Verantwortung

Bei aktiv verwalteten Produkten aber geben sie diese Verantwortung an den Fondsmanager ab. Wer dennoch die Verantwortung für seine Anlageentscheidung selbst übernehmen möchte, sollte sich auch Zertifikate und ETFs genau ansehen, denn auch diese weisen Vor- und Nachteile auf.

Risiken beachten

So eignen sich Indexzertifikate zum Beispiel in besonders liquiden Märkten, etwa bei Investments auf den deutschen Aktienindex Dax, da dort viele Produkte eine sehr günstige Kostenstruktur aufweisen – zum Teil sogar günstiger als ETFs. Jedoch bergen Zertifikate dafür ein Emittentenrisiko, das heißt, im Fall eines Konkurses des Emittenten können sie wertlos verfallen. In diesem Punkt sind ETFs, die wie Investmentfonds zum Sondervermögen zählen und somit im Konkursfall des Emittenten vor dem Zugriff Dritter geschützt sind, im Vorteil.

Meinung gefragt

„Wer passive Investments einsetzt, muss aber eine klare Meinung zum Markt haben“, warnt Fondsanalyst Noeth. „Wer das nicht hat, sollte aktiv gemanagte und breit aufgestellte Fonds bevorzugen, bei denen ein Fondsmanager die Titel-, Länder- und Branchengewichtung vornimmt.“

Die guten Fonds

Dabei lohnt es sich, die Fonds genau zu vergleichen. Schließlich fuhren Anleger in der Vergangenheit mit einigen dieser Produkte, trotz höherer Kosten, nicht immer schlecht. Vielmehr gibt es auch Fondsmanager, denen es gelang, dauerhaft und langfristig den Markt zu schlagen und damit die höheren Kosten zu rechtfertigen. Allerdings kommt bei solch erfolgreichen Portfolios dem Manager oftmals eine besondere Bedeutung zu. Anleger sollten deshalb vor allem bei einem Managerwechsel die Wertentwicklung ihres Fonds gut beobachten und diesen gegebenenfalls verkaufen. Trotz des Kostennachteils aber können aktiv gemanagte Fonds für Anleger, die ihre Anlageentscheidung nicht selbst treffen wollen, eine gute Alternative sein.

von Gerd Hübner

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