Fondsgebundene Rentenversicherung: Renditetipp nur für Gutverdiener

München - An Fondssparpläne gekoppelte Rentenpolicen lassen derzeit die Kassen bei den Versicherungen klingeln. Wegen der hohen Kosten sind viele Produkte aber gar nicht zu empfehlen. Oft lohnen sie sich nur für Leute, die gut verdienen.

Die Masche geht auf: Als renditestarke und flexible Altersvorsorge preisen Vertreter fondsgebundene Rentenversicherungen momentan an und die Verbraucher scheinen es zu glauben. Jedenfalls verkaufen sich die Kombiprodukte aus Fondssparplan und Rentenversicherung (siehe Kasten) "wie warme Semmeln", berichtet Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift "Finanztest".

Doch zum Wohl der Kunden ist das nur selten, haben die Verbraucherschützer festgestellt. Denn in einem Vergleich von 127 Angeboten erwarb sich keines das Qualitätsurteil "sehr gut". Mit "gut" schnitten nur Policen von Hannoversche Leben, VHW, neue Leben, Europa, Cosmos Direkt, Alte Leipziger und Condor ab, die zum Teil in der Tabelle rechts aufgeführt sind. "Das ist schwach", lautet das Fazit der Tester.

Sie hatten die Policen für zwei Modellkunden verschiedenen Alters mit unterschiedlich hohen monatlichen Beiträgen unter die Lupe genommen. In das Gesamturteil gingen drei Komponenten ein:

- Kosten (50 Prozent)

Nicht der gesamte Beitrag, den die Kunden in der Ansparphase an die Versicherung überweisen, wird in einen Fonds eingezahlt. Die Unternehmen zweigen Kosten für Provisionen oder Verwaltungsaufwand ab, die bei günstigen Anbietern bei drei bis fünf (z. B. Hannoversche Leben) und bei teuren über 15 Prozent (z. B. Barmenia) betragen.

- Fonds (40 Prozent)

Die eingezahlten Beiträge fließen in Fonds, die mehrheitlich in Aktien, aber auch in Anleihen oder Immobilien anlegen. Die Kunden können sich meist aussuchen, in welche(n) Fonds sie einzahlen, doch manche Anbieter haben nur schwache Fonds im Programm.

- Transparenz (10 Prozent)

Hier achteten die Warentester auf die Übersichtlichkeit bei der Kostenbelastung.

Was ist...

eine fondsgebundene Rentenversicherung? Ein Mix aus Rentenversicherung und Fondssparplan. Der Kunde vereinbart mit einem Versicherer, bis zu einer Altersgrenze Beiträge einzuzahlen, die - abzüglich aller Kosten - in einen oder mehrere Investmentfonds fließen. Ist die Ansparphase zu Ende, zahlt der Versicherer lebenslang eine monatliche Rente aus. Der Kunde kann aber auch eine Einmalzahlung wählen oder die Fonds auf sein Depot übertragen. Weil die Wertentwicklung der Fonds nicht voraussehbar ist, ist eine solche Rentenversicherung kein sicheres Standbein für die Altersvorsorge. Läuft es an der Börse schlecht, drohen Verluste. 

Unterm Strich verteilten die Experten der Stiftung Warentest nicht nur viele mittelmäßige Noten. Sie verwiesen auch auf einige Schwachstellen fondsgebundener Rentenversicherungen, die solche Produkte für viele Verbraucher wenig attraktiv machen.

"Weil die Wertentwicklung der Fonds nicht vorhersehbar ist, kann eine Rentenhöhe nicht garantiert werden. Bei guter Wertentwicklung der gewählten Fonds winken hohe Gewinne, bei schlechten Verluste", heißt es. Eine fondsgebundene Rentenversicherung sei damit kein sicheres Standbein für die Altersvorsorge. Nur für den, der sich bereits einen Grundstein fürs Alter in Form von gesetzlicher Rente, Riester- und Betriebsrente gesichert habe, komme ein solches Produkt in Frage.

Zudem bemängeln die Warentester die mangelnde Flexibilität der Policen. Wer seinen Vertrag vorzeitig kündigt, weil er etwa wegen Arbeitslosigkeit die Beiträge nicht mehr zahlen kann, verliert unter Umständen eine Menge Geld. Das liegt vor allem daran, dass von den Beiträgen in den ersten Jahren zunächst die Abschlusskosten getilgt werden, wie auch der Bund der Versicherten auf seiner Webseite erklärt.

Wirklich zu empfehlen ist eine fondsgebundene Rentenversicherung nach Einschätzung der Stiftung Warentest höchstens Leuten mit hohem Verdienst, die sich die jahrelang zu entrichtenden Beiträge sicher leisten können. Für sie kann eine "gute" Fondspolice wegen der Einführung der Abgeltungssteuer Anfang 2009 interessant werden, weil diese zum Teil nicht von der 25-prozentigen Abgabe betroffen sind. So bleiben Kursgewinne und Dividenden in der Ansparphase steuerfrei. Beim Verkauf aller Anteile bei Vertragsende bleibt die Hälfte der Erträge steuerfrei.

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