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Gesundheitsgefahren würden verharmlost

Foodwatch kritisiert verspätete Lebensmittel-Rückrufe 

Hunderte Male wurden in den vergangenen Jahren Lebensmittel zurückgerufen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert jedoch, dass die Rückrufe oft zu spät erfolgen - oder gar nicht.

Belastete Lebensmittel werden nach Einschätzung der Organisation Foodwatch oft zu spät oder gar nicht zurückgerufen. Zudem würden dabei die gesundheitlichen Risiken von Produkten, die Bakterien oder Fremdkörper enthalten, "immer wieder verharmlost", erklärte die Verbraucherorganisation am Donnerstag. 

Unzureichende Informationen für Verbraucher

Dabei stellte Foodwatch dem staatlichen Portal lebensmittelwarnung.de außerdem ein vernichtendes Zeugnis aus. Die Grünen bezeichneten die unzureichende Information für Verbraucher als "Skandal". Foodwatch präsentierte in Berlin seinen Bericht "Um Rückruf wird gebeten" und beklagte nach der Auswertung von rund hundert Rückrufaktionen eine verfehlte Informationspolitik für die Verbraucher. Zwar riefen Hersteller heutzutage "viel häufiger ihre Produkte zurück" als noch vor einigen Jahren, erklärte Martin Rücker von Foodwatch. Dennoch könnten Konsumenten "nicht sicher sein, dass im Fall der Fälle wirklich ein Rückruf gestartet wird und vor allem, dass sie davon auch erfahren". 

Kritik an Herstellern, Händlern und Behörden

Hersteller, Händler und Behörden würden "bei weitem nicht alles" unternehmen, um die Verbraucher vor gesundheitsgefährdenden Produkten schnell und klar zu warnen, beklagte Foodwatch. Viele Informationen erfolgen zu spät und manche Warnungen würden nur versteckt und auf ausgesuchten Kanälen verbreitet. Außerdem würden die Risiken, die von belasteten Produkten ausgingen, "zum Teil sprachlich verharmlost". 

Supermärkte müssten daher "an zentraler Stelle über alle Rückrufaktionen aus ihrem Sortiment informieren", mahnte Foodwatch. Die Organisation forderte die großen Handelsketten dazu auf, künftig mit Aushängen in ihren Märkten, Newslettern und in sozialen Medien über Lebensmittelwarnungen zu informieren. Die Verbraucherorganisation bezeichnete zudem das 2011 von Bund und Ländern als zentrales Informationsangebot gestartete Portal lebensmittelwarnung.de als "gescheitert". 

Verspätete Warnungen

Erst jüngst beim Fipronil-Skandal um belastete Eier habe es eine mangelnde Informationspraxis der Behörden gegeben. Oftmals würden Rückrufaktionen "unnötig spät" auf das Portal eingestellt, kritisierte Foodwatch. So erfuhren Verbraucher laut Foodwatch erst vier Tage nach dem Rückruf eines Säuglingstees durch den Hersteller auf dem Portal davon. Eine Warnung vor potenziell listerienbelasteten Pilzen erschien erst drei Tage nach der Herstellerwarnung auf der Internetseite, weil dazwischen ein Feiertag lag. Wie Foodwatch herausstellte, wurden in den vergangenen fünf Jahren mehr als 500 Mal Lebensmittel zurückgerufen, im Schnitt also mindestens zwei wöchentlich. 

Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gingen die meisten Fälle (38 Prozent) auf mikrobiologische Verunreinigungen zurück, etwa eine Belastung durch Salmonellen oder Listerien. In 27 Prozent der Fälle waren Fremdkörper wie Glasstücke oder Plastikteile in den Produkten der Grund für den Rückruf. Die Grünen-Verbraucherpolitikerin Nicole Maisch erklärte, es sei ein "Skandal", dass Verbraucher häufig zu spät und unzureichend informiert würden. So müssten die Eigenkontroll-, Melde- und Informationspflichten der Unternehmen und der vertreibenden Stellen konkretisiert werden. Außerdem müsse das Portal lebensmittelwarnung.de verbessert werden. 

Der Branchenverband BLL erklärte, es liege im eigenen Interesse der Hersteller, keine gesundheitsschädlichen Lebensmittel in den Verkehr zu bringen. Dabei gehe die Sicherheit der Verbraucher "selbstverständlich immer vor wirtschaftlichem Interesse". Die engmaschigen Lebensmittelkontrollen der Hersteller funktionierten "einwandfrei", erklärte der Verband. Auch das Portal lebensmittelwarnung.de werte die Lebensmittelwirtschaft "sehr positiv". 

afp

Rubriklistenbild: © dpa 

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