+
Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.

Forderung nach Generalüberholung

Foodwatch: Massive Kritik an Lebensmittelrecht

Berlin - Mit Veröffentlichung einer neuen Analyse weitet Foodwatch seine Kritik an den Lebensmittelgesetzen aus. Diese würden oft nur mangelhaft und erst im Nachhinein umgesetzt.

Der Verbraucherschutz beim Kauf von Lebensmitteln in Deutschland ist nach Ansicht des Vereins Foodwatch mangelhaft. „Täuschung und Irreführung der Verbraucher bei der Herstellung und der Vermarktung von Lebensmitteln sind an der Tagesordnung - im Großen wie im Kleinen“, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Verbraucherorganisation. Es sei nötig, das deutsche und europäische Lebensmittelrecht komplett zu überprüfen.

Das Bundesernährungsministerium wies den Eindruck zurück, die Verbraucher seien im Supermarkt quasi schutzlos. „Es gibt keine große Regelungslücke im Lebensmittelrecht“, sagte ein Sprecherin in Berlin. Die Foodwatch-Studie stelle die Verhältnisse teils verzerrt, teils sogar falsch dar.

Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode berichtet in Berlin etwa von Dioxinbelastungen, die noch immer regelmäßig in Futtermitteln festgestellt würden. Die Testpflichten seien so löchrig, dass ein Gifteintrag kaum verhindert werden könne. Vor allem die Lebensmittel- und Agrarlobby sei schuld daran, dass das Prinzip der Vorbeugung in der gesetzlichen Praxis unterlaufen werde.

Andere Beispiele seien unklare Nährwerte, die Verwendung bedenklicher Zusatzstoffe oder der exzessive Einsatz von Antibiotika in der Tiermast. „Möglich ist all dies nur, weil es die gesetzlichen Vorgaben erlauben“, meinte Bode. Lediglich auf dem Papier existiere ein hohes Niveau beim vorbeugenden Schutz vor Betrug und gesundheitsschädlichen Praktiken.

Das Ministerium verwies darauf, dass Nährwerte auf vielen Verpackungen bereits angegeben seien. Verbindliche EU-Vorschriften seien von 2016 an gültig. Zusatzstoffe für Lebensmittel würden schon heute nach einem EU-weit einheitlichen Verfahren zugelassen. Für Antibiotika in der Tierhaltung gälten seit 1. Juli strengere Regeln. Demnach müsse die deren Verwendung genau dokumentiert werden. Bei überdurchschnittlichem Gebrauch von Antibiotika habe der Betrieb gemeinsam mit einem Tierarzt ein Programm zur Reduzierung aufzustellen.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Scout24 übernimmt Finanzcheck.de
Frankfurt/Main (dpa) - Der Online-Portalbetreiber Scout24 übernimmt das Finanzportal Finanzcheck.de. Der Kaufpreis beläuft sich auf 285 Millionen Euro, wie der …
Scout24 übernimmt Finanzcheck.de
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse
Jeder Einkauf im Discounter endet an der Kasse. Aber wie gut werden die Kassierer eigentlich behandelt? Eine Aldi-Süd-Mitarbeiterin hat nun Auskunft gegeben.
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse
Dax legt im späten Handel deutlich zu und schließt im Plus
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Dienstag nach einem lange richtungslosen Verlauf im späten Handel deutlich angezogen. Als Kursstützen sah Analyst Michael Hewson …
Dax legt im späten Handel deutlich zu und schließt im Plus
Paris: USA verweigern Ausnahmen von Iran-Sanktionen für EU-Unternehmen
Nach Angaben aus Paris wird es keine Ausnahmen für deutsche und andere europäische Unternehmen von den US-Sanktionen gegen den Iran geben
Paris: USA verweigern Ausnahmen von Iran-Sanktionen für EU-Unternehmen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.