Fordern funktioniert, nur mit dem Fördern hapert es noch

- Nürnberg - Die Erfassung der Anträge für die neuen Arbeitslosengeld-II-Anträge hatte noch leidlich geklappt, jetzt gerät ausgerechnet die zentrale Säule zum Stolperstein der Hartz-IV-Arbeitsmarkt-Reform (Motto "Fordern und Fördern"): die Vermittlung. Trotz eines für Februar erwarteten neuen Nachkrieg-Rekords bei der Arbeitslosigkeit warten viele Arbeitslosengeld-II-Empfänger derzeit vergeblich auf Job-Angebote, berichten Insider der Bundesagentur für Arbeit (BA) und Betroffene. Denn wegen des enormen Zeitdrucks bei der Umsetzung der Hartz-IV-Reform befänden sich die Job-Center in weiten Teilen des Landes erst noch im Aufbau.

<P>Von einer besseren Vermittlung, wie sie Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement seit Beginn von Hartz IV beschwört, ist jedenfalls für Martin Künkler von der Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen in der Berliner DGB-Zentrale bislang nichts spürbar: "Die Mitarbeiter in den Arbeitsagenturen sind derzeit primär mit sich selbst beschäftigt. Von einer besseren Vermittlung kann keine Rede sein", lauten die von ihm empfangenen Rückmeldungen aus vielen der rund 1000 betreuten Initiativen und Selbsthilfegruppen im Bundesgebiet.<BR><BR>Viele Jobcenter in den Arbeitsgemeinschaften steckten mitten im Aufbau-Chaos. Vielerorts gebe es nicht mal das sonst übliche "Nummern-Ziehen", in den Gängen bildeten sich lange Schlangen. "Viele werden gleich im Flur abgefertigt - ohne jede Diskretion", klagt Künkler. Die Arbeitslosengeld-II-Empfänger hätten vielerorts keinen richtigen Ansprechpartner, an den sich die Ratsuchenden wenden könnten. Die Verantwortung dafür sieht der Gewerkschafter freilich weniger bei den Beschäftigten, die sich stark engagierten, als vielmehr bei der Politik. "Die ganze Hartz-IV-Reform wurde zu knapp geplant."<BR><BR>Das wegen der Aufbauprobleme gedrosselte Reformtempo räumt inzwischen auch das BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt ein. Abgesehen von den aktuellen organisatorischen Problemen beim Aufbau von 343 Arbeitsgemeinschaften bereiteten die dort aufeinander prallenden Kulturen - hier die selbstständige Kommunal-, dort die zentral gesteuerte BA-Verwaltung - enorme Probleme. Er geht deswegen davon aus, dass die meisten Arbeitsgemeinschaften kaum vor Ende März "professionell funktionierten". Richtig rund würden sie aber wohl erst Ende des Jahres arbeiten.<BR><BR>Um die mit dem Hartz-IV-Kompromiss verbundenen Probleme mit den Arbeitsgemeinschaften zu beschreiben, benutzt Alt gerne Bilder aus der freien Wirtschaft: "Wir haben mit den Arbeitsgemeinschaften eine neue Firma gegründet - mit 35 000 Beschäftigten, 1000 Geschäftslokalen, einer völlig neuen Informationstechnologie, 350 Partnern in Form von Oberbürgermeistern und Landräten und 5,5 Millionen Kunden", schildert der BA-Manager. Da dürfe man sich eben nicht wundern, dass sich der Aufbau eines solchen "Unternehmens" nicht in ein bis zwei Monaten bewerkstelligen lasse. Auch Hoffnungen der rot-grünen Bundesregierung, die mit dem Start der Hartz-IV-Reform auf die Arbeitslosenstatistik draufgesattelten erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger würden so rasch aus der Statistik verschwinden wie sie reingekommen seien, stoßen bei Fachleuten auf Skepsis.<BR></P><P> </P>

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