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Inkassodetektivin Katharina Bauer (Creditreform München) mit ihrem Chef Philipp Ganzmüller, geschäftsführender Gesellschafter der Creditreform München Ganzmüller, Groher & Kollegen KG.

Über den Dialog zum Ziel

Forderungsmanagement auf persönlicher Ebene bewährt sich

Inkasso-Detektivin Katharina Bauer ist in München und Umgebung mit viel Erfahrung und Engagement unterwegs. Erfahren Sie mehr über ihren spannenden Alltag!

Creditreform München Ganzmüller, Groher & Kollegen KG setzte seinerzeit als eine der ersten Gesellschaften des Verbandes der Vereine Creditreform e.V. auf eine neue Strategie und Variante innerhalb des Forderungsmanagements, die sich in der praktischen Umsetzung zweifellos bewährt haben.

Inkasso-Außendienst: ein innovatives Modell

Es handelt sich um den Inkasso-Außendienst. Schon jetzt kann Creditreform in der bayerischen Landeshauptstadt dank dieses durchdachten und unbürokratisch aufgebauten Geschäftsmodells auf spürbare Effekte verweisen. Dieses innovative Modell der Beitreibung von Forderungen bzw. Außenständen kommt schließlich sowohl dem Gläubiger als auch dem Schuldner zugute. Im Alltag setzt es die von Creditreform München eigens beauftragte Inkasso-Detektivin Katharina Bauer mit großem Engagement und Geschick um. Das Einzugsgebiet umfasst dabei die Stadt München und den umliegenden Landkreis. Nicht selten ist die gelernte Kauffrau für Büromanagement an einem Tag bis zu 200 Kilometer unterwegs. Über die abwechslungsreiche Arbeit im Außendienst, ihre dabei bisher gesammelten Erfahrungen und besonderen Erlebnisse sowie die daraus resultierenden Erkenntnisse haben wir mit der Expertin Katharina Bauer gesprochen.

Wann und wie ist die Idee zur Einführung des Inkasso-Außendienstes entstanden?

Katharina Bauer: Vor dem Hintergrund immer weiter steigender Kosten und Auslagen einschließlich – oftmals damit verbundener Gerichts- und Gerichtsvollzieherkosten sowie gravierender gesetzlicher Änderungen im Rahmen der Zwangsvollstreckung hat sich die Creditreform Unternehmensgruppe dafür entschieden, ein eigenes Konzept für die persönliche Schuldneransprache zu entwickeln. Die Verknüpfung von außergerichtlichem Inkasso und persönlichen Maßnahmen zur Forderungsbeitreibung verbessert dabei die Bearbeitung der ausstehenden Forderungen und erspart unseren Kunden überflüssige Kosten, unter anderem durch gezielte Informationsbeschaffung. Inzwischen nehmen sämtliche Creditreform-Geschäftsstellen in Deutschland und Österreich in den Ballungsgebieten und größeren Städten am Inkasso-Außendienst teil. Dadurch können wir für unsere Kunden durch Beauftragung eines Kollegen/in am Ort des Schuldners einen umfassenden bundesweiten Außendienst anbieten.

Bitte schildern Sie uns doch einmal Ihren genauen Aufgabenbereich.

Katharina Bauer: Wenn Zahlungsaufforderungen ins Leere laufen und Mahnungen nichts bringen, erhalte ich die Aufträge aus unserer Inkassoabteilung. Zum einen kommen diese automatisch aus dem vorgerichtlichen Prozess der Forderungsbeitreibung oder von meinen Kolleginnen und Kollegen, wenn diese eine persönliche Ansprache des Schuldners vor Ort für sinnvoll und notwendig halten. Hin und wieder bitten unsere Schuldner auch selbst um einen Besuch. Meine Beauftragung als Inkassodetektivin ist unabhängig von der Höhe der Forderung und der Branche, aus welcher die Forderung resultiert. Das Spektrum reicht von der offenen Handyrechnung, der Bestellung im Onlineshop, über die nicht gezahlten Stromkosten bis hin zum geleasten Bagger. Teilweise versuche ich vor der Einleitung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen, die Forderung ohne weitere Kosten für den Schuldner doch noch gütlich zu regeln. Der gesamte Aufgabenbereich umfasst die schriftliche Besuchsankündigung, die Auswahl der vorzunehmenden Besuche, die Planung der Route, das Gespräch an Ort und Stelle sowie die Nachbearbeitung der jeweiligen Verfahren.

Wie dürfen wir uns die Vorgehensweise eines solchen Einsatzes vorstellen? Vielleicht können Sie uns zur Veranschaulichung einmal zwei repräsentative Beispiele aufzeigen.

Katharina Bauer: Generell fahre ich mit einem Auto ohne Aufschrift beziehungsweise Logo möglichst unauffällig vor und habe alle wichtigen Unterlagen wie Ratenzahlungsvereinbarungen oder die Selbstauskunft für das Gespräch mit dabei. Nach dem Öffnen der Wohnungstür weise ich mich als Inkassodetektivin von Creditreform München aus und versuche, eine Zahlung oder zumindest eine gütliche Einigung zu erzielen. Hier kann es schon mal passieren, dass ich mir die Sorgen und Nöte der Schuldner länger anhöre und im Ergebnis zumindest mit einer Ratenzahlung wieder fahre. Vor kurzem war ich bei einer Schuldnerin, die telefonisch um meinen Besuch gebeten hatte. Im Termin stellte sich dann heraus, das sie derzeit im Rollstuhl sitzt und nicht laufen kann, aber unbedingt die Forderung von 60 Euro der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in bar bezahlen wollte, da ihr das erhöhte Beförderungsentgelt peinlich war. In einem anderen Fall ging es um die Rechnung eines Handwerkers in Höhe von 592 Euro, der auf eine kurzfristige Begleichung seiner Forderung angewiesen ist, um nicht selbst in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Hier habe ich direkt beim Schuldner vor Ort – in seiner Wohnung – die angeblichen Mängel besichtigt, geklärt und die Gesamtzahlung erhalten.

Worin besteht das Ziel und gleichzeitig Erfolgsgeheimnis dieser Maßnahme?

Katharina Bauer: Obwohl ich nicht mit dem berühmt-berüchtigten Fuß in der Tür oder – wie in der Werbung oft fälschlicherweise dargestellt – in schwarzen Ledersachen zum Schuldner fahre, sondern einfach ganz normal den Sachverhalt erläutere, ist das persönliche Erscheinen trotzdem noch ein anderes Druckmittel als schlichtweg unpersönliche Rechnungen oder auch Mahnungen. Mit viel Feingefühl wird oft über die angespannte finanzielle Situation gesprochen. Ich kann hierbei auf Dialogebene verständnisvoll auf den betreffenden Schuldner eingehen, direkt Fragen und Probleme beantworten und nicht zuletzt als Vermittler zwischen ihm und dem Gläubiger, der seine Forderung möglichst zeitnah beglichen haben möchte, einen vernünftigen Lösungsvorschlag unterbreiten. Oft sind die Zahlungsprobleme keine Mutwilligkeit, sondern aufgrund von Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Scheidung entstanden. Viele von ihnen sehen letztlich durch meinen Auftritt wieder eine Perspektive.

Wie können Sie vor möglichen Bedrohungen oder gar Übergriffen im Außendienst-Einsatz effektiv vorbeugen?

Katharina Bauer: Ich habe die klare Anweisung, bei bestimmten Adressen nicht anzuhalten und für Notfälle immer ein Handy dabei. Zur Vorbereitung gehört ebenfalls, die geplante Route vor der Abfahrt zu hinterlegen. So weiß meine Abteilungsleiterin immer, wo ich mich aufhalte.

Was macht für Sie den Reiz Ihrer Arbeit aus?

Katharina Bauer: Der Reiz meiner Arbeit als Inkassodetektivin liegt für mich vor allem darin, die Schuldner persönlich kennenzulernen, Hintergründe zu erfahren und daran beteiligt zu sein, gemeinsam tragbare Lösungsvorschläge mit beiden Seiten zu erarbeiten. Es ist jeden Tag aufs Neue spannend, da ich nie weiß, was mich erwartet. Den klassischen Büroalltag gibt es bei mir nicht.

Vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Gespräch.

Interview: Henning Nürnberg

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